Fotoalben, heute Fotobücher – physische und virtuelle – zeigen nur die halbe Wahrheit. / Photo albums, photo books today – physical and virtual – show only half the story.

21.05.2016

(English translation below)

Die meisten Leute besitzen gar keine richtigen Fotoalben mit schön eingeklebten oder mühsam in Klebeecken gesteckten und liebevoll beschrifteten Fotos mehr. Heute sind Fotobücher und digitale Fotoprogramme auf Computer, Laptop und Tablet der „Burner“. In unserer digitalen Zeit werden Fotos geschossen, in Clouds gespeichert, digital bearbeitet und in Diashows zusammengestellt was das Zeug hält. Sei es mit kleinen Fotoapparaten, mit professionellen und semiprofessionellen Kameras oder einfach nur mit dem Handy. Die vielen Videofilmchen vergessen wir der Einfachheit halber einmal. Nichts ist vor den digitalen Jägern sicher. Auch „Selfis“ sind zur Zeit wahnsinnig in. Immer mehr Leute rennen sogar mit Handys an kleinen Teleskopstöcken durch die Gegend, in Städten wie auf dem Lande. Immer bereit, sich selber mit irgend einer Sehenswürdigkeit, mit seinem Partner oder seiner Partnerin oder anderen berühmteren Personen aufzunehmen. Es herrscht überall eine gewaltige Fotoinflation mit der höchsten Prozentrate.

Augustin Meinrad Immoos 1803-1897

Dem war nicht immer so. Unsere Ur-ur- oder Urgrosseltern wurden viel seltener fotografiert, wenn überhaupt. Wenn man es sich finanziell leisten konnte, liess man sich zeichnen oder portraitieren. Das war es dann. Vielleicht finden wir sie mit Glück auf einer alten, braun schimmerden Familienaufnahme, mit Glück eventuell auf einem Hochzeitsfoto, einer militärischen Aufnahme in Uniform oder manchmal zum Schluss auf einem sogenannten „Totenhelgeli“ (Leidbildchen).

Familie andreas Abegg Holdener

Fotografieren war halt damals nicht jedermanns Sache. In der ersten Zeit der Fotografie verstanden es nur ausgebildete Fotografen. Einen solchen musste man aufsuchen oder ihn zu sich bestellen. Wer hat nicht schon in Filmen oder auf alten Bildern solche Fotografen gesehen, vor dem Stativ, mit Kistenkamera und einem schwarzen Tuch über dem Kopf. Vielleicht noch mit einer kleinen Blitzexplosion als Abrundung. Erst später fotografierten auch vereinzelte Privatleute mit eigenen Kameras.

camera-1046059_1280

Fotografieren war jedoch kostspielig und somit nicht an der Tagesordnung. Die Fotoapparate waren kompliziert zu bedienen, fotografische Platten oder Filmstreifen mussten eingelegt werden, Blitzbirnen eingeschraubt, Filme in Dunkelkammern entwickelt, Negative vergrössert und auf Fotopapier entwickelt werden. Darum sind alte schwarz/weiss Fotos rar und Fotoalben meist kostbare genealogische Schätze, die es zu enträtseln gilt.

Eines muss man immer bedenken, wenn man an die Aufarbeitung von alten Familienalben mit der Fotosammlung der Ahnen geht. In den allermeisten Fällen werden nur die glücklichen Momente des Lebens auf Fotos festgehalten. Liebe, Geburt, Taufe, Geburtstage, Studienabschlüsse, Hochzeitsbilder, Familienfeste, das eigene Haus oder die Wohnung, das florierende Geschäft, ein schöner Stall mit dem Vieh, die Kutsche, das Reitpferd, der Sportwagen sowie Schnappschüsse aus den Ferien und das Glück der eigenen Kinder.

Alois Immoos-1882-Dragoner

Verständlicherweise nicht so oft dokumentiert werden die kläglichen oder traurigen Momente des Lebenslaufes. Sie finden vermutlich keine oder nur ganz vereinzelt Fotos, von Krankenhausaufenthalten, Verletzungen, traurigen Momenten, Depressionen, Tod, Begräbnis, Scheidungen und Streit, Wut oder sogar Gefängnis und weiteren nicht so freudigen Dingen des menschlichen Lebens.

Aber auch gerade diesen Dingen gilt es als Ahnenforscher Aufmerksamkeit zu schenken. Nur so erhalten sie den vollständigen Einblick in die Familiengeschichte. Recherchen dazu benötigen etwas tieferes Graben in den Archiven und in alten Fotosammlungen von anderen Fotografen. Manchmal helfen Zufallsfunde. Das ist nicht ganz so einfach zu meistern wie das unterhaltsame Blättern in einem Familienalbum.

Immoos Katharina Schmidig 1874

Bildquellen:
Titelbild: Fotoalbum, Pixabay.com-photo-album-631084_1280
Beitragsbild: Ölportrait von Augustin Meinrad Immoos-Schmid (1803-1897), Degenbalm, Morschach; unbekannter Meister

Beitragsbild: Fotoapparat, Pixabay.com-camera-1046059_1280
Beitragsbild: Familienfoto, Familienarchiv Immoos
Beitragsbild: Militärfoto, Familienarchiv Immoos
Beitragsbild: Leidbild aus dem Familienarchiv Immoos

Links:
Trauerbilder Portraitarchiv Zentralschweiz
Trauerbilder Immoos-Website
Grafische Sammlung und Fotosammlung Staatsarchiv Schwyz
Todesanzeigenportal CH


English:

05.21.2016

Photo albums, photo books today – physical and virtual – show only half the story.

Most people have no right photo albums with beautiful glued or laboriously plugged in adhesive corners and lovingly labeled photos more. Today, photo books and digital programs on your computer, laptop and tablet are the „Burner“. In our digital time photos are shot, stored in cloud, digitally processed and compiled into slide like crazy. Be it with small cameras, with professional and semiprofessional cameras or just with the cell phone, forget many video film simplicity we once. Nothing is safe from the digital hunters. Also „Selfis“ are currently madly in. More and more people even race with phones at small telescope sticks around, in cities and in the country. Always willing to undertake themselves with any attraction, with his partner or his partner or other famous people. There is everywhere a huge photo of inflation with the highest percent rate.

This was not always so. Our great-great-grandparents were originally or much more rarely photographed, if at all. If you could afford it, was allowed to stand or portray. That’s it. Maybe we can find them with happiness on an old, brown shimmering earth family receiving, with luck, perhaps at a wedding photo, a military recording in uniform or sometimes at the end of a so-called „Totenhelgeli“ (obituary picture).

Photographing was just then not for everyone. In the early days of photography, it understood only trained photographer. Such had to consult or order it to be. Who has not seen already in movies or in old pictures such photographers before the tripod, with box camera and a black cloth over his head. Maybe even with a small flash explosion as rounding. Only later photographed and isolated individuals with their own cameras.

However, photography was expensive and therefore not on the agenda. Cameras were complicated to use photographic plates or film strips had to be inserted, screwed flash bulbs, developed films in darkrooms be enlarged negatives and developed on photographic paper. That is why old black / white photos and photo albums rar most precious genealogical treasures that need to unravel it.

One must always keep in mind when you go to the refurbishment of old family albums with the photo collection of the ancestors. In most cases, only the happy moments of life are on still images. Love, birth, baptism, birthdays, degrees, wedding photos, family celebrations, their own house or apartment, the flourishing business, a beautiful barn with the cattle, the carriage, the horse, the sports car and snapshots from the holidays and happiness of their own Children.

Understandably are not often documented the pathetic or sad moments of your life. You probably see no or only very few photos of hospitalizations, injuries, sad moments, depression, death, burial, divorce and controversy, anger or even jail and another not so joyful things of human life.

But just these things applies it to give as genealogists attention. Just so they get the full insight into the family history. Search to need some deeper digging in the archives and in old photo collections of other photographers. Sometimes help chance finds. This is not as easy to master as the entertaining leaves in a family photo album.


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