Viele Wappen bürgerlicher Familien wurden willkürlich erstellt und angenommen / Many Crest bourgeois families were arbitrarily created and adopted

22.05.2016

(English translation below)

Fast jede Person in der Schweiz, vermutlich auch in den Nachbarländern, nennt ein prächtiges Familienwappen sein eigen. Wussten sie, dass diese bürgerlichen Wappen gar nicht so alt sind, wie es den Anschein erweckt? Weil die Wappen durch die Adeligen im Mittelalter eingeführt und verwendet wurden, ist man oft der falschen Ansicht, sein eigenes sei ebenfalls uralt. Fakt ist jedoch: Erst viel später legten sich analog adeliger Familien mächtige Patrizierfamilien oder Aristokraten, manchmal auch reiche Bauern, ein Familienwappen zu. Und auch das waren noch Ausnahmen.

Im Gegensatz zu Wappen von Adelsgeschlechtern, die in speziellen Wappenrollen aufgezeichnet und geschützt wurden, sind Wappen von Landgeschlechtern (dazu zählen diejenigen der meisten Familien) nicht geschützt. Das heisst, jede Person kann heute in der Schweiz ein x-beliebiges Wappen annehmen und es als «seines» bezeichnen und führen.

Es dauerte eine lange Zeit, bis auch „Normalbürger“ zu den Wappen kamen. Ende des 18. Jahrhunderts war das Führen von Wappen hierzulande (Schweiz) gross in Mode. Wer etwas auf sich hielt und es sich vor allem leisten konnte, liess sich eine Schliffscheibe (Wappenscheibe) mit dem in Glas geritzten Wappen herstellen, sei es für den Eigengebrauch oder zum Verschenken. Die Wappen wurden auch gezeichnet, gemalt, geschnitzt oder in Stein gehauen. Diese Wappen waren zu keiner Zeit geschützt und konnten nach Belieben gestaltet, angenommen und wieder verändert werden. Geschäftstüchtige fahrende «Heraldiker» erkannten darin eine gewinnbringende Marktlücke. Sie schrieben ihren Kunden «eigene», nicht selten «gestohlene» Wappen zu. Oft waren es leicht veränderte Adelswappen, die meist dem Klang der Namen nachempfunden waren. Dies zu einer Zeit, als die Familiennamen bereits gefestigt waren und kaum noch jemand genau Bescheid über deren Entstehung und Bedeutung wusste.

Die erwähnten beliebten Schliffwappenscheiben waren meist oval. Mit Sternen, Monden, Dreibergen usw. versuchten ihre Schöpfer lediglich, die obere und untere Rundung des Ovals auszufüllen. Die Wahl geschah also äusserst zufällig. Die adeligen Wappen waren meist sogenannte „redende Wappen“. Durch die Wappenzeichen wurden meist das Einflussgebiet, das Eigentum und der Besitz ausgedrückt. Neuere bürgerliche Wappen versuchten oft nur den Familiennamen mit Wappenzeichen darzustellen. Viele neuere Wappen der bürgerlichen Geschlechter sind aus diesem Grunde in ihrer Entstehung als rein willkürlich zu taxieren. Um nicht direkt zu sagen, schön aber „erstunken und erlogen“!

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Die Archive in den Kantonen sammelten alle Wappendarstellungen denen sie habhaft werden konnten. Es entstanden so Wappenlisten und Wappenbücher. Heute kann man in allen Staatsarchiven auf solche Wappentabellen oder Wappendateien und Wappenbücher zugreifen. Verschiedene genealogische Plattformen stellen die Familienwappen auch für grössere Regionen online zur Verfügung. Darin findet man mit etwas Glück das Wappen der eigenen Familie, wie es früher von einem Vorfahren wie oben beschrieben erstellt oder in Auftrag gegeben wurde.

Es ist wichtig, dass man sich vor Augen hält, dass das Schweizer Wappenrecht für Familienwappen keinen besonderen Schutz bietet. Diese Familienwappen unterliegen aber den üblichen Bestimmungen des Urheberrechts, was bei einer möglichen Weiterverwendung von Familienwappen zu bedenken ist. Zusätzlich gehört das Wappen zu den Persönlichkeitsrechten und ist deshalb ähnlich geschützt wie die Namen. Es steht jedem frei, sich ein neues Wappen zu gestalten. Am besten wendet man sich dabei an einen professionellen Heraldiker.

Bildquellen:
Titelbild: Siegelring mit Familienwappen Immoos; Familienarchiv Immoos
Beitragsbild: Wappenscheibe in der Kapelle St. Franziskus Morschach; Familie Triner; Foto Ruedi Immoos

Links:
Der schweizerische genealogisch-heraldische Webkatalog
Familienwappen im Internet; Schweizerischen Nationalbibliothek
Familienwappen im Kanton Schwyz
Rolf Kälin, ein bekannter professioneller Heraldiker
Heraldik auf der Immoos-Website

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English:

05.22.2016

Many Crest bourgeois families were arbitrarily created and adopted

Almost every person in Switzerland, probably also in the neighboring countries, calls a lovely family crest his own. Did you know that this bourgeois coat of arms are not as old as it gives the impression?

Because the coat of arms were introduced and used by the nobility in the Middle Ages, it is often the wrong view, his own is also ancient. But the fact is: not until much later lay analog noble families powerful patrician families or aristocrats, sometimes rich farmers a family crest to. And those were the exceptions.

Unlike arms of noble families that have been recorded and protected in special crest roles crest of land sexes (these include those of most families) not protected. This means that any person can today in Switzerland assume an x-arbitrary crest and describe it as „his“ and lead.

It took a long time before „ordinary people“ came to the crest. Late 18th century was the guiding crest in this country (Switzerland) big in fashion. Who something held up and could afford especially a grinding disc (disc Crest) let make on the scratched glass in Crest, either for their own use or to give away. The arms were also drawn, painted, carved or carved in stone. These coats of arms were protected at all times and could freely designed, adopted and changed again. Enterprising propelled „heraldry“ saw this as a profitable market niche. They wrote to their customers „own“, often „stolen“ Arms to. Often it was slightly altered nobility crest, most of which were modeled on the sound of the name. This at a time when the family names were already consolidated and hardly anyone accurate view of their origin and significance knew.

The aforementioned popular polished coats of arms were mostly oval. With stars, moons, etc. their creators tried merely to fill the upper and lower rounding of the oval. So the choice was done extremely random. The noble coat of arms were mostly called „speaking coat of arms“. By crest the impact area, the ownership and possession were mostly expressed. Newer civic crest often tried to present only the family name with escutcheon. Many newer Crest civil sexes are able to assess this reason in its emergence as purely arbitrary. In order not to say directly, but nice „pack of lies“!

The archives in the cantons gathered all coats of arms which they could find. It emerged as Crest lists and armorials. Today you can access in all state archives in such a coat of arms or crest tables and files armorials. Various genealogical platforms provide the family crest for larger regions online. In it you will find with a little luck the crest of his own family, how it was created earlier by an ancestor as described above or commissioned.

It is important that one keeps in mind that the Swiss cross legal Family Crest offers no special protection. These family crest subject to the usual rules of copyright, which is to be considered in a possible re-use of family crests. In addition, the coat of arms is one of the personal rights and is therefore similarly protected as the name. Everyone is free to make a new coat of arms. The best one turns it to a professional heraldry.

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