Die vielgelobte „gute alte Zeit“ war für unsere Vorfahren nicht immer ein Honiglecken! / The beloved „good old days“ was for our ancestors is not always a bed of roses!

23.05.2016

(English translation below)

Treten heute Probleme auf oder läuft irgend etwas nicht so reibungslos wie es eigentlich sollte, hört man nur zu schnell den Ausspruch: „Früher war halt einfach alles besser!“ Oder auch: „In der guten alten Zeit, da hatten die Leute halt noch Zeit!

Seit Menschengedenken wird die Vergangenheit von den in der Gegenwart Lebenden als besser gepriesen als sie eigentlich sachlich betrachtet war. „Glorifizierung“ nennen die Fachleute dieses Phänomen. Zur Verwandtschaft der Glorifizierung gehört auch die Romantisierung. Dabei werden verschiedene Lebensbereiche oder Geschehnisse im Alltag früherer Zeiten auf einige wenige positive Einzelheiten reduziert und romantisch verallgemeinert und übersteigert dargestellt, manchmal sogar verherrlicht.

Wenn man als Genealoge das Leben seiner Ahnen erforscht und nicht nur einige Geburts-, Ehe- oder Todesdaten und Generationen aneinander reiht, sondern sich auch mit den Lebensumständen seiner Vorfahren beschäftigt, merkt man sehr schnell, irgend etwas muss bei der Überlieferung der „guten alten Zeit“ von der Vergangenheit in die Gegenwart schief gelaufen sein. Das Leben unserer Vorfahren stellt sich bei genauerer Erforschung nicht oft als ein Honigschlecken dar.

Man kann sich anstrengen so kräftig man will, es dürfte schwer fallen, eine Zeit in der Vergangenheit zu finden, die wirklich eine „gute alte Zeit“ war. Gehen wir einmal auf die Suche. Also mit moderner Gegenwartssprache: „search“……..

Da wir unsere Verwandtschaft neuestens bis zu Ötzi nachweisen können, nehmen wir einmal die Zeit der Höhlenbewohner. Bei uns dauerte diese etwa von 8000-4000 v. Christus. Das dürfte für den Gletschermann Ötzi etwa hinkommen. Das Leben in dieser Zeit hiess damals für die Leute: Leben in kalten, feuchten, tropfenden Höhlen, ständig voller Rauch, vor der Höhle lauerten Bär, Säbelzahntiger und andere garstige Unannehmlichkeiten. Die Lebenserwartung war deswegen mit 25-35 Jahren im Schnitt auch nicht gerade luxuriös. Nein, da muss mir doch niemand behaupten, dass das die „gute alte Zeit“ war. Umsonst ist ja Ötzi nicht über die Alpen abgehauen.

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Rauschen wir ein paar tausend Jahre weiter zu den Alemannen, welche zusammen mit Helvetiern und Römern vermutlich die Vorfahren unserer heutigen Bevölkerung in der Schweiz gebildet haben. Diese kamen ungefähr ab 400 nach Christus in unsere Gefilde. Sie lebten wenigstens schon in Einzelhöfen, waren mit hölzernen Hütten gesegnet, umgeben von einem kräftigen Zaun, gegen Bär, Wolf und andere – auch menschliche – Raubtiere. Es war eine blutige und rabiate Zeit. Der Rauch der Feuerstelle hat sich noch nicht verzogen und streicht immer noch durchs ganze Haus. Der Speiseplan war mehrheitlich getreide- und mus-, brei- und suppenlastig. Manchmal wurde auch Fleich verspeist. Alles in allem war das Leben eine Plackerei in allen Bereichen: roden, holzen, jagen, kriegen, verteidigen, haushalten und, und, und. Ich denke, auch die Zeit der Alemannen kann es nicht gewesen sein.

Version 2

Versuchen wir es einmal mit dem Mittelalter. In dieser Zeit lebten die Ritter aber auch die leibeigenen Bauern. Da war es schon mal eine wichtige Frage, zu welcher Klientel man damals gehört hätte. Vermutlich hatten es die Ritter und Adeligen etwas bequemer. Die Behausungen waren bei beiden, Adeligen oder Bauern oft etwas ungemütlich, kalt und zugig. Offene Feuer und Kamine waren immer noch an der Tagesordnung. Da die Frage der Kanalisation im Mittelalter nicht sehr vorteilhaft gelöst war, stank es meistens überall zum Himmel. Auch die Leute selber verbreiteten bei ihrem Erscheinen nicht immer Wohlgerüche. Fronarbeit, Zinsen, Abgaben, Prügel, Kriegsdienste, Hexerei und schreckliche Strafen prägten das Leben im Jahreslauf der weniger privilegierten Leute. Da konnte auch die Kirche nicht viel ausrichten. Im Gegenteil, sie mischte tüchtig mit. Die Zeit wurde nicht ohne Grund als „das dunkle Mittelalter“ bezeichnet, darum kann es auch nicht die „gute alte Zeit“ gewesen sein.

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Vielleicht war es ja zur Zeit unserer Urgrosseltern vor hundert oder zweihundert Jahren eben doch besser als heute. Nicht umsonst nannte man die Zeit ungefähr zwischen 1880 und 1920 die „Belle Epoque“, die schöne Epoche. Es muss damals wirklich schöner gewesen sein, als früher. Es war nämlich eine etwas längere friedliche Zeit als sonst. Die gehobene Gesellschaft konnte ihren Luxus ausleben und den eigenen Kontinent bereisen. Eisenbahnen, Dampfschiffe, Luxushotels! Aber auch oft nur gerade für die „besseren Zehntausend“. Die anderen litten unter langen Arbeitszeiten, Sonntagsarbeit, Kinderarbeit, unbehandelbaren Krankheiten und Seuchen, hoher Kindersterblichkeit, Tod im Kindbett, geringer Wohnqualität, Plumpsklosetts, fehlendem fliessenden Wasser, fehlenden sanitaren Einrichtungen. Es gab keine Elektrizität an vielen Orten, keine sozialen Versicherungen wie AHV und IV. Man könnte noch vielerlei aufzählen. Vielleicht war die Zeit damals viel besser als früher, aber die vielgerühmte „gute alte Zeit“ war es sicherlich auch nicht.

Fazit aus der Geschichte: Die Gegenwart ist die beste Zeit, darum lohnt es sich im hier und jetzt zu leben, zufrieden zu sein, so wie es ist und die Zeit, die uns bleibt in Verantwortung für die nachfolgenden Generationen zu geniessen.

Ein kleiner Nachtrag: Viel ruhiger wird es wohl gewesen sein, man hörte sicher den Vogelgesang und das Rauschen der Bäume und Wälder besser. Heute scheint es unumgänglich, dass alles mit lauter Maschinenkraft erledigt werden muss. Sogar der gute alte Besen, scheint ausgedient und durch eine Unzahl grauenhaft lauter Bläser und Sauger ersetzt worden zu sein. Nach der wunderbaren Ruhe könnte man sich doch manchmal sehen!

Bildquellen:
Titelbild: Küchenarbeit; Foto Familienarchiv Immoos
Beitragsbilder: Steinzeit, Pranger; Free Fotos von pixabay.com
Beitragsbild: Alamanne am Rathaus Schwyz; Familienarchiv Immoos

Links:
Leben im Mittelalter
Bücher über das Leben im Mitelalter von Hanna Steinegger


English:

05.23.2016

The beloved „good old days“ was for our ancestors is not always a bed of roses!

Join today problems or running something is not as smooth as it should, one hears only too quickly the saying: „Had the past just simply everything better!“ Or: „In the old days, because the people had just enough time!

Since time immemorial, the past is praised by the presence of survivors to be better than it was actually considered objectively. „Glorification“ is what the experts this phenomenon. For relationship of glorification includes the romanticizing. Various areas of life or events are reduced in everyday life of former times to a few positive details and generalized romantic shown exaggerated, sometimes even glorified.

In researching the genealogist the lives of his ancestors and not only some of birth, marriage or death dates and generations lined up against each other, but also deals with the circumstances of his ancestors, you realize very quickly, something has good in the tradition of the old have gone wrong from the past to the present time. The life of our ancestors is on closer study not often appears as a sinecure.

One can make an effort so vigorously you want, it would be difficult to find a time in the past that a „good old days“ really was. Let us go on a quest. So with modernity language: „search“ ……..

We can prove our kinship most recently, to Ötzi, let’s assume the time of the caveman. With us this lasted from about 8000-4000 v. Christ. That should get there for the Iceman Ötzi about. Life at that time was called at that time for the people: living in cold, damp, dripping caves, constantly full of smoke, before the cave lurked bear, saber-toothed tigers and other nasty inconvenience. Life expectancy was therefore with 25-35 years on average not exactly luxurious. No, there has to me but no one claim that the „good old days“ was. In vain is yes Ötzi not cut across the Alps.

We murmur a few thousand years on to the Alemanni who have probably formed together with the Helvetii, Roman ancestors of today’s population in Switzerland. This came about from 400 in our climes. They lived least already in individual farms, were blessed with wooden huts, surrounded by a strong fence against bears, wolves and other – even human – predators. It was a bloody and ruthless time. The smoke from the hearth has not yet spoiled and still sweeps through the house. The menu was mostly cereal and muscular, broad and soup-heavy. Sometimes meat was eaten. All in all, life was a grind in all areas: clearing, lumber, chase, catch, defend, and households, and, and. I think also the time of the Alemanni, it can not have been.

Let’s try it once to the Middle Ages. During this time, but the knights lived the serfs. Since there was ever an important question to which clients you would have heard back then. Presumably it had the knights and nobles bit more comfortable. The buildings were in both, nobles or farmers often a bit uncomfortable, cold and drafty. Open fireplace and chimneys were still on the agenda. Since the question of the sewer was not dissolved in the Middle Ages very beneficial, smelly mostly everywhere to heaven. The people themselves are not always popular scents on their appearance. Forced labor, interest, taxes, beatings, military service, witchcraft and terrible punishments characterized life in the course of less privileged people. Since the church could not do much. On the contrary, she mixed proficient with. The time was referred to as „the Dark Ages“ for a reason, so it can not be the have been „good old days„.

Maybe it was the time of our great grandparents a hundred or two hundred years ago just be better than today. Not for nothing called the time approximately between 1880 and 1920 the „Belle Epoque“, the beautiful era. It must have been really nice, than before that time. Because it was a slightly longer peaceful time than usual. The high society could live their luxury and travel the own continent. Railroads, steamships, luxury hotels! But often just for the „better ten thousand“. The other suffered from long working hours, weekend work, child labor, untreatable diseases and epidemics, high infant mortality, death in childbirth, low quality housing, „Plumpsklosetts“, lack of running water, lack of bathroom + WC facilities. There was no electricity in many places, no social insurance as „AHV“ and „IV“. It could go on many. Perhaps the time was then much better than before, but the much-vaunted „good old days“ it certainly was not.

Conclusion of the story: The present is the best time, so it’s worth it in the here and now to live, to be happy, just as it is and to enjoy the time that remains to us in responsibility for those following generations.

A small addendum: Much quieter it will have been well, shouted sure the birdsong and the rustle of the trees and forests better. Today, it seems inevitable that everything must be done with a loud engine power. Even the good old broom appears to have been used and replaced by a myriad gruesome loud blowers and vacuum cleaners. After the wonderful peace they would be able to see sometimes!


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Ahnen, Namen, Wappen und mehr.......

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