Des Ahnenforschers Hoffnung – in seiner Familie auf den Adel zu stossen – wird in der Schweiz meistens nicht erfüllt. / Genealogist hope – to push in his family to the nobility – is often not met in Switzerland.

34.05.2016

(English translation below)

Eigentlich ist es ja verständlich, dass man seine Vorfahren lieber bei den „Blaublütigen“ als bei gewöhnlichen Bauern- und Arbeiterfamilien sähe; damals natürlich Leibeigene oder Untertanen genannt. Womit wir auch den Begriff „Blaues Blut“ im Prinzip schon erklärt hätten, denn Arbeit an der Sonne brannte die Haut der körperlich arbeitenden Bevölkerung dunkel. Der Adel blieb bleich und kreierte sein helles Schönheitsideal, bei dem man die Venen so schön blau durchschimmern sah, dass man meinte, sie hätten eben eine andere, bessere Sorte Blut.

Mit dem Adel in der Ahnenforschung ist es in der Schweiz so eine Sache. Nicht alle, die Namenszusätze wie „von“, „de“, „zu“ und andere Präpositionen ihr Eigen nennen, sind auch adeliger Abstammung. Einerseits unterscheidet man verschiedene Formen des Adels, andererseits wurden auch bürgerliche Familien mit Namenszusätzen zur genaueren Identifikation versehen.

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Eine grosse Gruppe von topografischen Siedlungsnamen wurden durch genaue Bezeichnungen des Ortes mit den Präpositionen im, in, an, am, auf, ab, zu, zem, ze, z’ und von gebildet. Das dem Namen vorangestellte „von“ wird jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert als Adelsprädikat verwendet. Der mittelalterliche Adel bedurfte dieser speziellen Bezeichnung ganz sicher nicht. In der Schweiz ist das Wörtchen „von“ mehrheitlich als einfache Ortsbezeichnung (von = woher), ohne die Bedeutung eines Adelstitels in Gebrauch (von [der] Euw, von Euw; von der Holzen, von Holzen). Manchmal wurden die verschiedenen Präpositionen auch wechselnd verwendet. Die Namen Inderbitzin, Amgwerd, Amstutz, Aufdermaur, Abyberg, Abegg, Anderrüthi, Andermatt, usw. sind später zusammengeschriebene Namen aus Ortsbezeichnungen mit Präpositionen und somit keinesfalls adelig.

Zum Hochadel gehörten hierzulande nur die wenigsten Familien, wie die Habsburger, Kyburger, Lenzburger, Rapperswiler, Toggenburger und wenige mehr. Diese stammen aus dem 13./14. Jahrhundert, haben eine „zighundertjährige“ Geschichte, sind in den gültigen Adelsverzeichnissen eingetragen und besitzen ein uraltes verbrieftes Wappen. Verschiedene dieser Familien sind jedoch ausgestorben.

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Daneben gab es den niederen Adel, meist als Ministerialen bezeichnet. Von ihnen stammen in der Schweiz auch heute noch eine schöne Anzahl Familienmitglieder ab. Später entwickelten sich in den Städten und den Hauptorten das Patriziat und die Aristokratie, der Geldadel sozusagen. Diesen Gruppierungen gehörten die erfolgreichsten und wohlhabensten Regierungsfamilien an. Verschiedene Familien konnten Adelstitel auch kaufen oder durch geleistete Dienste, vor allem im Söldnerwesen, erhalten.

Nach der französischen Revolution und der Helvetik verloren diese führenden Familien an Einfluss. Vielerorts konnten sie sich jedoch durch ihren Besitz wirtschaftlich und politisch bis in die Gegenwart Einfluss verschaffen. Zwischen ihnen und dem altehrwürdigen Adel besteht also ein markanter Unterschied, der auch bei der Ahnenforschung zu berücksichtigen ist.

In der Schweiz haben Adel, Patriziat oder Aristokratie rechtlich heute keine Bedeutung mehr. Die Führung der Namenszusätze und Titel ist dem eigenen Ermessen der Träger überlassen. In amtliche Dokumenten darf nur das Prädikat „von“ eingetragen werden. Bei uns in der Schweiz ist es aus allen diesen Gründen schwierig, alten Adel, niederen Adel, neuzeitliches Patriziat, aristokratische Familien und die häufigen Herkunftsnamen genau zu unterscheiden.

Man merke sich darum, nicht alle Namen mit dem „von“ sind adelig. Aus der folgenden willkürlichen Auswahl von solchen Familiennamen sind die wenigsten wirklich von Adel; einige schon. Diese findet man in den Adelsverzeichnissen. Hier die Liste an „von-Namen“ in der Schweiz (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): von Allmen, von Arx, von Känel, von Gaffenried, von Gunten, von Moos, von Rohr, von Eden, von Wyl, von Burg, von Ah, von Arb, von Atzingen, von Auw, von Büren, von Grafenstein, von Rotz, von Ballmoos, von Planta, von Schumacher, von Dach, von Euw, von Tobel, von Weissenfluh, von Holzen, von Erlach, von Grünigen, von Orelli, von Daeniken, von Mühlenen, von Sax, von Siebenthal, von Wartburg, von Hospenthal, von Roten, von Rickenbach, von Aesch, von Salis, von Felten, von Flüe, von Reding.

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Adel in der Schweiz; 20 Minuten
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English:

05.24.2016

Genealogist hope – to push in his family to the nobility – is often not met in Switzerland.

Actually, it’s understandable that you prefer in the „blue bloods“ than ordinary peasant and working families saw his ancestors; then, of course, serfs or subjects mentioned. What we have already explained the term „Blue Blood“ in principle, because work on the sun burned skin of physically working people dark. The nobility remained pale and created his bright ideal of beauty, in which you looked so beautiful shine through the veins blue, that it was thought that they would give a different, better class blood.

With the needle in the genealogy it is in Switzerland such a thing. Not all the names such as ‚of‘, ‚de‘, ‚to‘ and other prepositions call their own, are also noble birth. On the one hand one distinguishes various forms of nobility, on the other hand bourgeois families were provided with names additives for accurate identification.

A large group of topographical settlement names were formed by accurate descriptions of the place with the prepositions in, in, on, off, zem, ze, z ‚and. That the name prefix „of“ but is used as a title of nobility only since the 16th century. The medieval nobility took this special designation not sure. In Switzerland, the word „of“ mostly as a simple place name (of = where), without changing the meaning of a title of nobility in use (from [the] Euw, of Euw; from Holzen, von Holzen). Sometimes the different prepositions are also used alternately. The name Inderbitzin, Amgwerd, Amstutz, Aufdermaur, Abyberg, Abegg, Anderrüthi, Andermatt, etc. are later together spelled names from place names with prepositions and thus by no means noble.

For aristocracy in this country were very few families, as the Habsburgs, Kyburgs, Lenzburg, Rapperswil, Toggenburg and a few more. These are from the 13/14. Century have created a ancient story are registered in the valid nobility directories and possess an ancient vested crest. However, several of these families have become extinct.

There were the gentry, usually referred to as ministerials. From them originate in Switzerland still a good number of family members from. Later, the patricians and the aristocracy, the moneyed aristocracy developed in cities and the main towns, so to speak. These groups were the most successful and wealthiest families government. Different families could buy peerage well or obtained by services provided, especially in the mercenaries.

After the French Revolution and the Helvetic these leading families lost influence. In many places, they could, however, economic and political gain influence through their possession to the present day. So, there is a striking difference, which has to be considered also in the genealogy between them and the ancient nobility.

In Switzerland, members of the aristocracy have no meaning in law today. The leadership of the name and title additions is left to the discretion of the carrier. In official documents may only be entered the predicate „of“. Here in Switzerland, it is difficult for all these reasons, the old nobility, gentry, latter patrician, aristocratic families and the frequent origin names to distinguish accurately.

You notice a matter, not all names with the „from“ are noble. From the following arbitrary choice of such surnames are very few really of nobility; some already. These are found in the needle directories. Here is the list of „by-name“ in Switzerland (not exhaustive): von Allmen, von Arx, von Känel, von Gaffenried, von Gunten, von Moos, von Rohr, von Eden, von Wyl, von Burg, von Ah, von Arb, von Atzingen, von Auw, von Büren, von Grafenstein, von Rotz, von Ballmoos, von Planta, von Schumacher, von Dach, von Euw, von Tobel, von Weissenfluh, von Holzen, von Erlach, von Grünigen, von Orelli, von Daeniken, von Mühlenen, von Sax, von Siebenthal, von Wartburg, von Hospenthal, von Roten, von Rickenbach, von Aesch, von Salis, von Felten, von Flüe, von Reding.


 

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