Schützen in Morschach – Schützenmeister und Zeiger waren für geordnete Schiessanlässe zuständig. / Riflemen in Morschach – Shooting master and pointers were responsible for orderly shooting events.

24.07.2016

English text below!

Seitdem die neumodischen «Feuerrohre» in den Burgunderkriegen und die neuartigen «Feuerbüchsen» bei der Eroberung des Aargaus und im alten Zürichkrieg nachweislich Verwendung fanden, dauerte es nicht lange, bis das Schützenwesen mit Feuerwaffen auch in unserem Lande Einzug hielt. Im Laufe des 15. Jahrhunderts entstanden aus den Schützenbruderschaften die Schützengesellschaften. Die Obrigkeit hatte grosses Interesse daran, den Gebrauch der neuen Waffen und den nutzbringenden Umgang mit ihnen zu fördern. Das Schützenwesen, Schützenhäuser und die Schützenfeste wurden volkstümlich. Einige Immoos waren Schützenmeister oder Zeiger, vor allem aus der Linie von Schwyz. Darum nannte man diese auch „Zeiger-Linie“.

Sicher gab es aber auch schon früher Wettkämpfe der Bogen- oder Armbrustschützen. Das älteste, nachweisbare Schützenfest fand 1452 in Sursee statt. Bekannt ist auch das Schützenfest in Zürich, das 1504 abgehalten wurde und mit einer grossen Lotterie verbunden war (Glückshafenrodel). Schon bald gab es Schützenfeste und Wettschiessen landauf und landab. Auch in unserem Kanton entstanden nach und nach fast in allen Gemeinden Schützengesellschaften und Schützenhäuser.

In Morschach entstand die Schützengesellschaft aus der Schützenbruderschaft (St. Sebastian) 1648. Die Sebastians- oder Schützen-Bruderschaft existierte schon seit 1619. Zum Bau eines Schützenhauses erhielten die Schützen von Morschach vom Landrat in Schwyz 30 Gulden Beitrag. In den Schützenhäusern wurde nicht nur geschossen, sondern auch getrunken, getanzt und gefeiert. Damit waren oftmals auch Probleme verbunden.

Gewehr

Das Schiesswesen musste aus Sicherheitsgründen kontrolliert stattfinden. Dazu wurden von den Behörden genaue Richtlinien erlassen. Es wurden Schiesstage festgelegt und Wettschiessen und Freischiessen benötigen eine Bewilligung der Behörden. In den Schützengesellschaften waren genau bestimmte Leute dafür verantwortlich, dass alles seinen rechten Lauf nehmen konnte. Dafür zu sorgen hatten die Schützenmeister (andernorts teilweise auch Pritschenmeister genannt) und die Zeiger (teilweise andernorts auch Zieler oder Ziller genannt). Schon bei den Wettschiessen mit der Armbrust bedurfte es im Mittelalter eine Aufsicht auf den Schiessplätzen, die für die notwendige Ordnung und die Einhaltung der Reglemente zu sorgen hatte. Dafür sorgte der gestrenge, von allen geachtete Schützen- oder Pritschenmeister mit seiner Autorität. Schützenmeister und Zeiger hatten eine äusserst verantwortungsvolle Aufgabe und wurden dafür sogar vereidigt. Es waren meist angesehene Personen, denen man Vertrauen entgegen brachte. Vielfach waren es auch gute und routinierte Schützen, die mit dem Umgang des Gewehrs bestens vertraut waren. Die Schützenmeister leiteten die Schiessen und sorgten für Ordnung und Anstand, bildeten auch den Schützennachwuchs aus und trainierten die Mitglieder.

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Ähnlich war es mit dem Zeiger oder Zieler. Ein Schiessen ohne Zeiger war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts undenkbar. Erst neue automatische Anzeigen oder bewegliche, selbstfahrende Scheiben brachten Veränderungen. Auf lange oder kurze Distanzen musste nach dem Schuss jemand für das Anzeigen der genauen Treffer vorhanden sein. Die Zeiger sorgten für gute und reparierte Scheiben sowie das genaue Anzeigen der Treffer. Sie standen meist in einem kleinen Haus, in einer geschützten Baracke oder einem Graben als Deckung, um erst auf ein Kommando mit Glocken oder Hörnern vom Schießstand gegeben, hervorzutreten, um den Schuss anzuzeigen. Manchmal benutzten sie auch lange Stangen, um nicht in den Gefahrenbereich treten zu müssen. In früheren Zeiten waren diese Personen in speziell buntes Gewand gekleidet, damit man sie auch ja überall gut erkennen konnte. Die Sicherheit war der Hauptgrund für die überaus bunte Kleidung. Die meist hohen, spitzen Hüte dienten ebenfalls der Sicherheit. Schaute nur die Hutspitze heraus, so wusste man, wo sich der Zeiger aufhielt und dass er sich in Sicherheit befand.

Zeiger
Die Punkte oder Ringzahlen wurden den Schützen durch bestimmte Arm- und Beinbewegungen oder Gesten übermittelt. Die Zeiger führten dabei für jede Punktzahl verschiedene, kurze Tänze, Gliederverrenkungen und Sprünge aus. Dies diente auch der Unterhaltung und Belustigung der Schützen. Diese hatten sich nachher beim Zeiger dafür erkenntlich zu zeigen. Für manch besonders guten Schuss, führten die Zeiger auch einen besonders guten Tanz auf. Später wurden die Treffer durch verschiedene und verschieden bewegte Kellen angezeigt. Eine bestimmte Kelle nannte man den «Toni» oder den «Gauckler». Auch hier konnten bei einem besonderen Schuss, auch bei einem besonders schlechten, die Kellen auf besonders virtuelle Weise vor der Scheibe bewegt werden. Für besonders gute Schüsse wurde eben der «Toni» oder der «Gaukler» empor-gestreckt und damit wie beim Puppentheater besonders prächtige Bewegungen vollführt. Das «Gaukeln oder Gaugeln» wurde per Gesetzt 1822 verboten, aber trotzdem noch lange heimlich ausgeübt. So gelangten die Zeiger bald auch in den Ruf von Narren oder närrischen Personen, die zur Unterhaltung der Schützen beitrugen.

Kellen

Trotz aller Vorsicht und den gesetzlichen Regelungen geschahen hin und wieder tragische Unfälle. Josef Anton Moos, 1742-1812, war beruflich Zeiger. Er wohnte im „Amman Schulerischen“ Haus, das 14. im Eigenwies in Ibach. Er war bei der Schreiner- und Hammerzunft in Schwyz als Mitglied eingetragen. Beim Schützenfest 1812 in Ebikon wurde er versehentlich beim Zeigen von einem Schützen angeschossen. Er starb am 24.09.1812 an seiner schweren Schussverletzung.

Bildquellen:
Titelbild: Zielscheibe; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Standstutzer; aus Festschrift 125 Jahre Schützengesellschaft SG Strättlingen
Beitragsbild: Gewehr; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Zeiger auf Werbemarke; Werbemarke (um 1910) vom Scheibenverlag  «Paul Zimmer Stuttgart» von http://www.feuerbixler.de/history41.html  heruntergeladen
Beitragsbild: Kellen; aus Festschrift 125 Jahre Schützengesellschaft SG Strättlingen

Links und Textquellen:
Geschichte des Schützenwesens
Die Schwyzerline der Immoos, Zeiger’s
Der Zeiger
Fotos von Zeigern und Schützenmeistern
Geschichte der Schützengesellschaft Morschach


English:

07.24.2016

Shooting master and pointers were responsible for orderly shooting events.

Since then, the new-fangled „fire tubes“ demonstrably found in the Burgundian Wars and the new „fire boxes“ in the conquest of the Aargau and in the old Zurich war use, it was not long until the shooting beings firearms found its way in our country. During the 15th century, emerged from the shooters brotherhoods shooters companies. The magistrate had great interest in promoting the use of new weapons and the beneficial use of them. Protecting nature, protecting homes and shooting festivals were popular. Some Immoos were shooting master or pointer, especially from the line of Schwyz. That is why we called this as „pointer“ line.

Sure there were even earlier competitions of bow or crossbow. The oldest verifiable Marksmen found in 1452 Sursee instead. It is also known the shooting in Zurich, which was held in 1504 and connected to a large lottery was (lucky port Rodel). Soon there were all over shooting festivals and shooting contest in the country. Even in our canton emerged gradually in almost all communities protect companies and protect homes.

In Morschach the shooting club of the Brotherhood of shooters (St. Sebastian) was 1648. The Sebastians- or Shooting Brotherhood existed since 1619. To build a house for shooting the Shooting club of Morschach received by the district in Schwyz 30 Gulden contribution. In the shooter homes was not only shot, but also drinking, dancing and partying. Thus, problems were often associated.

The shooting creatures had held control for security reasons. Given precise guidelines laid down by the authorities. It shooting days have been set and shooting contest and free Shootout need a license from the authorities. In the shooting associations exactly certain people were responsible for ensuring that all could take its right course. Ensuring had shooting master (elsewhere sometimes called flatbed master) and the pointer (partly elsewhere also called „Zieler or Ziller“). Even in the shooting contest with the crossbow was needed in the Middle Ages a plan view of the firing ranges, which had to ensure the necessary order and compliance with the regulations. This was assured by the strict, respected by all rifle or flatbed champion with his authority. Shooting master had a very responsible job and were it even sworn in. They were mostly notables, which was brought against trust. In many cases, there were also good and experienced shooters who were very familiar with the handling of the rifle. The shooting master directed the shooting and kept order and decorum, also formed the Protect young and trained members.

It was similar with the pointer or „Zieler“. A shooting without pointer was unthinkable until the mid-20th century. Only new automated ads or mobile, self-propelled wheels brought changes. In the long or short distances had to be someone available for displaying the matching after the shot. The pointer ensured good and repaired discs as well as the accurate display of results. They were usually in a small house, in a sheltered hut or a ditch as cover to only given to a command with bells or horns from the shooting to come forward to indicate the shot. Sometimes they also used long poles to not step into the danger area must. In earlier times, these people were dressed in specially colorful garments, lest they also everywhere could see well. Security was the main reason for the extremely colorful clothes. Most high pointed hats were also security. Looked out only the hat tip, so you knew where was staying the link, and that he was safe.

The points or ring numbers were the shooter transmitted by certain arm and leg movements or gestures. The link led it for each score of different, short dances, body contortions and jumps. This was also the entertainment and amusement of the shooters. This had to show up after the pointer return the favor. For some particularly good shot, the pointer led to even a particularly good dance. Later, the results were displayed by various and different moving trowels. A certain trowel called the „Toni“ or the „Gauckler». Again, could at a particular shot, even with a particularly poor, which are moved trowels particularly virtual way before the disc. For particularly good shots just became the „Toni“ or the „jugglers“ up-stretched, and thus as the puppet theater performs particularly magnificent movements. The „pretend or Gaugeln“ was prohibited by law in 1822, but still long practiced secretly. So the pointer came soon in the reputation of fools or foolish people who contributed to the maintenance of the shooters.

Despite all the caution and the legal regulations occasionally occurred tragic accidents. Josef Anton Moos, 1742-1812, was professionally pointer. He lived in the „Amman- Schuler house, the 14th in „Eigenwies“ in Ibach. He was registered with the carpenters and hammers guild in Schwyz as a member. When Marksmen 1812 in Ebikon he was accidentally shot while showing by a shooter. He died on 24.09.1812 at his serious gunshot wound.


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Foto Blog der Immoos-Website + früher Genealogie-Blog