Die Kapelle im St. Franziskus Morschach eine wahre Fundgrube auch für Ahnenforscher. / The chapel at St. Francis Morschach a treasure trove for genealogists.

25.07.2016

English text below!

So mancher Wanderer marschiert auf dem „Weg der Schweiz“ von Morschach nach Sisikon – fasziniert von der gewaltigen Bergwelt des Urirotstocks, den wilden Hängen des Fronalpstocks und den saftigen, mit Blumen übersäten Bergwiesen – an der kleinen, unscheinbaren, barocken Kappelle in der hinteren Laui vorbei, ohne sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei entgeht den meisten ein Juwel barocken Kappellenbaus des 17. Jahrhunderts. Ist man Ahnenforscher, Heraldiker, historisch oder kunsthistorisch interessiert, verpasst man dabei zusätzlich eine Fundgrube von bedeutenden Informationen. Gemeint ist die Wallfahrtskapelle des Heiligen Franz-Xaver in der „Hinterlauinen“ Morschach (SZ), kurz nur Kapelle St. Franziskus genannt.

St. Franziskus

Am alten Saumweg von Schwyz nach Ibach, zur Schwyzerhöhe, nach Morschach und über den Axen nach Sisikon, spaziert man ungefähr eine Viertelstunde vom Dorf Morschach entfernt, linker Hand an der Weggabelung zur „Husmatt“, an die schmucke Kapelle.

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Der vermögende Bauer und Siebner des Nidwässerviertels Augustin Inderbitzin liess auf seinem Gut in der hinteren Laui 1670 die kleine Kapelle zu Ehren des Missionsapostels, Tierfreundes und Beschützer des Viehs vor Seuchen errichten. Angeregt zum Bau wurde Inderbitzin im jesuitisch geprägten Luzern, wo er in der Jesuitenkirche eine Predigt hörte. Die Kapelle wurde am 9. September 1676 vom damaligen Bischof von Konstanz eingeweiht.

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Schon bald wurde das Gotteshaus als Wallfahrtsort von zahlreichen Pilgern besucht, die ihre Anliegen dem Hl. Franziskus vortragen wollten. Der heilige Franz-Xaver wird in Morschach heute noch hoch verehrt. Im Frühling pilgern Leute aus verschiedenen Pfarreien zu ihm nach Morschach in die Laui. Die zahlreichen Votivtafeln in der Kapelle zeugen von der Hilfe des Heiligen. Die älteste Votivtafel soll von 1677 stammen, ist aber nicht mehr enthalten. Auch die Bauern aus der Innerschweiz kehrten vor allem in Seuchenzeiten öfter bei Franz-Xaver ein. Einige berichten, dass Franziskus auch bei Augenkrankheiten schon öfters geholfen haben soll.

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Mit einer Leiter versehen könnte man die einzelnen Votivtafeln an der Rückwand oberhalb des Eingangs genauer unter die Lupe nehmen und interessante Informationen zur damaligen Zeit gewinnen. Die Bildtafeln erzählen zeichnerisch und malerisch rührend in naiver Kunst über die damaligen Probleme.

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Von Krankheiten aller Art und der Hilflosigkeit der Ärzte, von Unwettern und Lawinen, von der Franzosenzeit und vielen Gebresten und Seuchen des Viehs. Fast auf allen Bildern schwebt Franz Xaver mit Heiligenschein über Morschach und nimmt die Fürbitten helfend entgegen.

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Version 2

Die kleine Kapelle wurde im Laufe der Zeit mehrmals renoviert. Landesstatthalter Augustin Reding (1687-1772) und Pannerherr Werner Alois von Weber (1703-1792) von Schwyz liessen um 1756 die Kappelle total restaurieren. Darum findet man auch das Stifterwappen der Reding am Deckengemälde. Auch ein Stifterwappen der Hedlinger an einer Rokkokokartusche kann man entdecken. Nach einer Renovation im Jahre 1919 fand die letzte Gesamtrenovation 1980-1982 statt. Am Sonntag, den 22. August 1982 wird die renovierte Kapelle von Abt Leonard Bösch von Engelberg feierlich neu eingesegnet.

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Die Kapelle ist mit schönen Glasfenstern ausgestattet. Die 12 farbigen Glasscheiben im Chor, an den Seitenwänden und noch zwei an der Rückwand wurden 1930 von Albin Schweri (1885-1946) geschaffen. Sie zeigen Szenen aus dem Leben von Franz-Xaver und in einer Ecke ein entsprechendes Stifterwappen. Links und rechts des Eingangs befinden sich die etwas grösseren Stifterwappen der Triner und Immoos.

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Diese Wappenscheiben können für Familienforscher interessante Informationen zur Verfügung stellen. Nehmen wir zum Beispiel die Familie Immoos von Morschach. In Morschach findet man das Immoos-Wappen wie beschrieben auch in der Kapelle zum St. Franziskus in der Laui. Dort sind zwei Immoos Stifter Wappenscheiben in den Glasfenstern vorhanden.

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Die kleine Wappenscheibe befindet sich (von aussen gesehen) im chornahen Fenster der rechten Seitenwand im oberen Bereich. Die beiden Fenster, welche die Türe flankieren, sind links mit dem Stifterwappen Immoos und rechts mit dem Wappen der Triner versehen. Diese sind gross ausgeführt. Sie wirken zusammen wie Allianzwappen und könnten deshalb vermutlich 1930 bei der Renovation von Caspar und Josefine Triner-Immoos, «Bote der Urschweiz», in Schwyz gestiftet worden sein. Josefine Triner-Immoos galt als zeitlebens sehr fromme Person, die für die Kirche spendete. Da zwei Wappenscheiben Immoos vorhanden sind, haben vermutlich auch zwei Immoos-Familien an die Kapelle gestiftet. Wer war die andere Familie?

Näheres zu Stiftern der Wappenscheiben ist jedoch gemäss Michael Tomaschett (Kunstdenkmal-Inventarisator des Kanton Schwyz) nicht bekannt. Die Originalzeichnungen der Entwürfe der Wappenscheiben werden durch das Architekturbüro Steiner in Schwyz aufbewahrt.

Stifterwappen an den Seitenfenstern:

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Version 2

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Stifterwappen im Chor:

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Chor links 2

Chor rechts 1

Chor rechts 2

Stifterwappen hinten (evtl. Allianzwappen):

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Wer erkennt alle Familienwappen auf den Glasscheiben? Ich selber habe noch nicht alle Wappen identifiziert!

 

Bildquellen:
Titelbild: Kapelle St. Franziskus; Foto Ruedi Immoos
Beitragsbild: Kapelle St. Franziskus; Foto Ernst Immoos
Beitragsbilder: Kapelle, innen und Wappenscheiben; alle Bilder Foto Ruedi Immoos

Textquellen:
Birchler; Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz; Band 2, S. 238 ff.
Infoblatt der Gemeinde Morschach; 1, 2015, S. 10; Unterwegs mit dem Kunstdenkmäler-Inventarisator Dr. Michael Tomaschett; Sechster Teil: Die Franz-Xaver Kapelle; heruntergeladen am 25.07.2016 von: http://pptde.com/doc/878290/infoblatt-2015-1

Links:
Der Bär im Immoos-Wappen
Der Stern im Immoos-Wappen
Ottilia Immoos, Sakristanin der Kapelle St. Franziskus, Bericht im „Bote der Urschweiz“
Ortsnamen St. Franziskus
Immoos Wappen
Genauere und weiterführende Informationen des Kunstdenkmäler-Inventarisators Dr. Tomaschett im Infoblatt der Gemeinde Morschach, nach S. 10 scrollen


English:

07.25.2016

The chapel at St. Francis Morschach a treasure trove for genealogists.

Many walkers marched on the „Path of Switzerland“ from Morschach to Sisikon – fascinated by the mighty mountains of the Urirotstock, the wild slopes of Fronalpstock and the juicy, strewn with flowers meadows – past the small, unassuming baroque chapel in the rear Laui without precisely to take a closer look. It escapes most a jewel baroque Kappellenbaus of the 17th century. If you genealogists, heraldic, interesting historical or art history, you missed additionally a treasure trove of important information. This refers to the pilgrimage chapel of St. Francis Xavier in the „Hinterlauinen“ Morschach (SZ), named only Chapel of St. Francis.

On the old mule track from Schwyz to Ibach, Schwyz to height, to Morschach and the axes to Sisikon, you can walk about a mile from the village Morschach away, on the left at the fork to „Husmatt“ to the pretty chapel.

The wealthy farmer and Siebner of Nidwässerviertels Augustin Inderbitzin left on his estate in the rear Laui 1670 built the small chapel in honor of the Apostle Mission, animal friend and protector of cattle from disease. Inspired to build Inderbitzin was in Jesuit embossed Lucerne, where he heard a sermon in the Jesuit church. The chapel was consecrated by the then Bishop of Constance on 9 September 1676th. Soon the church was visited pilgrimage site of numerous pilgrims who wanted to present their concerns to St. Francis. St. Francis Xavier is venerated in Morschach still high. In the spring of people make a pilgrimage from various parishes to him in Morschach in the Laui. The numerous votive tablets in the chapel bear witness to the help of the Holy. The oldest votive tablet should come from 1677, but is no longer included. The farmers from central Switzerland came mainly in plague times more frequently in Franz-Xaver. Some report that Francis should have helped even with eye diseases already repeatedly. Could provided with a circuit to take the individual commemorative plaques on the back wall above the entrance more closely and gain interesting information at that time. The screen panels tell drawings and paintings in touchingly naive art on the contemporary problems. From diseases of all kinds and the helplessness of the doctors of severe weather and avalanches, from the French occupation and many infirmities and plagues of cattle. Almost in all the pictures hanging Franz Xaver with halo over Morschach and accepts the petitions against helping.

The small chapel was renovated over the years several times. Govenor Augustin Reding (1687-1772) and „Pannerherr“ Werner Alois Weber (1703-1792) of Schwyz were 1756 the chapel totally restored. Therefore there are also the founders of Crest Reding on ceiling paintings. One can also find a coat of arms of Hedlinger at a painting. After a renovation in 1919, the last complete renovation took place from 1980 to 1982. On Sunday, 22 August 1982, the renovated chapel of Abbot Leonard Bösch Engelberg solemnly re-consecrated.

The chapel is decorated with beautiful stained glass windows. The 12 colored glass panels in the choir, on the side walls and two more at the rear wall were created in 1930 by Albin Schweri (1885-1946). They show scenes from the life of Francis Xavier and in one corner a corresponding founder crest. Left and right of the entrance are the somewhat larger donor arms of Triner and Immoos.

These coats of arms can provide interesting information for genealogists. Take for instance the family Immoos of Morschach. In Morschach one finds the Immoos crest as described also in the chapel to St. Francis in the Laui. There are two Immoos founder coats of arms are present in the glass windows. The small crest plate located (seen from outside) in the choir near the window of the side wall in the upper region. The two windows flanking the door, are provided on the left with the Donors Crest Immoos and right with the arms of Triner. These are made large. They interact like arms of alliance and could therefore probably in 1930 during the renovation of Caspar and Josefine Triner-Immoos, „Bote der Urschweiz“, have been donated in Schwyz. Josefine Triner-Immoos was considered life very pious person. You like donated to the church. Since two coats of arms Immoos exist, probably two Immoos families have donated to the chapel. Who was the other family?

However, details about donors of coats of arms is according to Michael Tomaschett (Art Memorial Inventarisator of Canton Schwyz) unknown. The original drawings of the designs of coats of arms are by the architectural firm Steiner in Schwyz preserved.

Who recognizes all family coat of arms on the glass? To me it is still not possible to identify all of Arms!


 

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Ahnen, Namen, Wappen und mehr.......

Allgemeiner Genealogie + Foto Blog der Immoos-Website