Geheimnisvoll, sagenumwoben, unheimlich und etwas versteckt im steilen Waldgelände gelegen – die Chämlezen-Kapelle. / Mysteriously, legendary, eerie and slightly hidden away in the steep wooded terrain – the Chämlezen Chapel.

02.09.2016

English text below!

Etwas verborgen, märchenhaft, sagenumwoben und abseits des heutigen Weges, unterhalb der Strasse nach Riemenstalden, in einem steilen Waldgebiet, am Rande eines Tobels, auf Gemeindegebiet von Morschach, am alten Fuss- und Saumweg von Brunnen über Morschach oder von Sisikon nach Riemenstalden steht die Chämlezen-Kapelle. Die wenigsten Leute, auch Einheimische kennen das kleine, schmucke Gotteshaus mit dem winzigen Glockentürmchen, geschweige denn, waren sogar selber schon einmal im Innern der Kapelle, weil man sie früher gar nicht so leicht finden konnte.

Aus diesem Grunde hat man vor einiger Zeit einen Wegweiser zur Kapelle aufgestellt und den Wald zur Strasse ausgeholzt. So kann man die Kapelle besser sehen, allerdings nur Wanderer und wer aus dem Auto aussteigt. Sonst erblickt man links der Strasse nur eine alte Gruebi (Unterstand) mit zwei Heiligenbildern.

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Schon der Name „Chämlezen-Kapelle“ gibt ein Rätsel auf. Während mit dem Namen Kapelle, „Chappele“ oder „Chappeli“ ein kleines Gotteshaus, ein kleines Bethäuschen, in der Verkleinerungsform sogar nur ein Bildstock gemeint ist, erweist sich der Name „Chämlezen“ für Laien schwierig erklärbar.

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Halten wir uns zur Deutung des Namens darum an Victor Weibels Namenbuch des Kantons Schwyz:
Ursprünglich lautete der Name „Kämleten“. Das ist eine Variante von mittelhochddeutsch „kemenate“, ein mit einer Feuerstätte versehenes Gemach, besonders Schlafgemach; Wohnzimmer; Raum zur Aufbewahrung von Kleidern und Waffen; Gerichtsstube; für sich stehendes Gebäude, Wohnhaus, lateinisch „caminata“, schweizerdeutsch „Chämnete, Chämlete, Chämmete“ und Varianten. Versammlungs-, Speisezimmer; meist gemauertes, bisweilen gewölbtes, bald im Mittelstock, bald im Oberstock, besonders aber im Erdgeschoss gelegenes, oft eine Art Vorkeller bildendes Gemach; Küchen-, Speisekammer. Es muss hier einst ein einfacher Unterstand am Weg gestanden haben, den man so benannte und der später zur Kapelle wurde.

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Ein kleiner Bildstock mit einem Unterstand (eine „Gruebi“) mit Heiligenbild, wie man das vielerorts und auch oberhalb der Kapelle heute noch antreffen kann, war wohl auch der Ursprung des Gotteshauses in der Chämlezen. Der Lokalhistoriker Felix Donat Kyd von Brunnen berichtet von einem Bildstock, den zwei Brüder Gemsch 1620 errichtet haben sollen, während Pfarrer Thomas Fassbind von Schwyz den Bildstock in der Chämlezen als Stiftung nach einem Fuhrwerksunfall auf 1665 datiert. Die eigentliche Kapelle wurde erst 1733 von Meister Dominik Elsener und seinem Sohn gebaut und 1735 durch den Pfarrer von Morschach, Leonard Bründler, eingeweiht.

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In der lauschigen Kapelle befindet sich im Chor immer noch der barocke Altar aus der Erbauungszeit mit einem schönen Altarbild, 1828 gemalt von Fridolin Auf der Maur. Als Kapellenpatron wurde der Heilige Nikolaus von Myra, einer der vierzehn Nothelfer gewählt und auf dem Bild dargestellt.

Version 2

Interessant ist auch, dass Walserfamilien häufig Heilige aus dem Wallis wie den Mauritius, Joder oder eben wie Pfarrer von Euw berichtete, auch den viel verehrten Nikolaus in ihren neuen Wohngegenden als Patrone verwendeten. Für die Gemeinde Morschach könnte dies ebenfalls zutreffen.

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Im Laufe der Zeit litt die Kapelle stark unter der Unbill der Witterung. Darum wurde sie mehrmals renoviert, erweitert und erneuert. Man baute sogar eine Sakristei an, die später aber wieder abgerissen wurde. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts scheint die Kapelle rege besucht worden zu sein. Verschiedene datierte EX-Voto Tafeln (heute nicht mehr im Gotteshaus aufbewahrt) geben uns Kenntnis, in welchen Anliegen der Kapellenpatron angerufen und geholfen hatte. In der Folge muss die Kapelle jedoch immer mehr in Vergessenheit geraten und verfallen sein. Scheinbar kümmerte sich niemand mehr richtig um das Gotteshaus.
Auf der Website „Historisches Sisikon“ wird darüber berichtet:
„Man konnte gar nicht mehr von einem Gotteshaus reden, in einem solchen Zustand war die Kapelle. Messen wurden deshalb auch seit Menschengedenken keine mehr hier gelesen. Die Kapelle war voll Schmutz und ein beliebter Schlupfwinkel für Fledermäuse und anderes Getier. Die Riemenstaldnerbuben, die in Sisikon Brot und andere Lebensmittel holen mussten, vergnügten sich damit — der Weg ging damals direkt bei der Kapelle vorbei — die Fledermäuse mit langen Ruten aufzuschrecken und zu verscheuchen und andern Schabernack zu treiben. Trotzdem war immer noch ein Opferstock dort und ein eigener Kapelivogt musste ihn von Zeit zu Zeit leeren — wenn überhaupt etwas drin war. Es kam auch vor, dass Gauner und Landstreicher, die vor vielen Jahrzehnten noch häufiger als heute anzutreffen waren, diesen Opferstock beraubten, was sich aber nie lohnte! Kam doch einmal ein kleiner Riemenstaldnerbub gerade an der Kapelle vorbei, als ein Einbrecher am Werke war. Aus Angst aber ging der Kleine rasch vorüber und getraute sich nicht einmal, etwas davon zu erzählen, erst als alter Mann sprach er davon! Gauner usw., ja auch ehrsame Leute benützten die Kapelle, die diesen Namen nicht mehr verdiente, wohl auch zum Obernachten und zwar noch recht oft. Denn das Riemenstaldnertal war früher für alle Arten von Bettlern ein beliebter Durchgangsweg ins Muotathal, so dass sich dort für die Goldplangg ein neuer Name bildete, man redete einfach vom „Bettlerpass“.

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Unter diesen Umständen ist es verständlich, dass sich um das Gebiet der Chämlezen-Kapelle verschiedene Sagen, Gerüchte und Geistergeschichten rankten. Viele Leute fürchteten sich, vor allem gegen Abend oder in der Nacht, in die Nähe oder ins Innere der Kapelle zu gehen. Die Gerüchteküche brodelte und man erinnerte sich auch der alten Sagen in der Gegend. Plötzlich sollte es Geister, Gespenster und andere schreckliche Wesen geben, die sich in der Chämlezen tummelten. Die Rede war von allerlei unheimlichen Dingen wie wandelnde Lichter, Lichter in der Kapelle, Stimmen und ungeheuerliche Laute, einäugige, schwarze Hunde, Menschen ohne Kopf, Gespenster und allerlei ungeheuerliche Erscheinungen. Es stellte sich später jedoch heraus, dass immer wieder Wanderer in der Kapelle kochten oder übernachteten und Kerzen anzündeten. Auch alkoholisierte Heimkehrer benutzten die Kapelle und schürten solche Gerüchte.

Ich habe die Kapelle heute (02.09.2016) besucht. Obwohl mir auf dem Weg ein einsamer, schwarzer Hund (Er hatte aber zwei Augen!) entgegen trottete, traf ich keine Geister an und kehrte heil wieder nach Hause zurück.

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Heute ist die 1995 letztmals wunderschön renovierte Kapelle eine Augenweide. Sie macht einen guten Eindruck. Sie ist sauber gepflegt, mit Blumenschmuck; sogar einige Kerzen brannten. Spazieren Sie doch einfach einmal von Morschach oder Sisikon aus zur Chämlezen und überzeugen Sie sich davon. Die Wanderung ist kein Papenstil. Es lohnt sich jedoch ungemein. Nur keine Angst, Geister gibt es dort schon lange keine mehr. Aber seinen eigenen Geist kann man in der ruhigen und lauschigen Atmosphäre der Chämlezen so richtig durchlüften und in Schwung bringen!

Bildquellen:
Titel- und Beitragsbilder: Chämlezen; Fotos von Ruedi Immoos. Ausnahme: Grossaufnahme St. Nikolaus ab dem Altarbild; Print Screen vom Video Chämlezen-Kappelle auf Youtube

Links und Textquellen:
Website Historisches Sisikon
Ortsnamen Chämlezenchappelen
Ortsnamen Chämlezen
Riemenstalden Pfarrkirche und Chämlezen
Morschach
Chämlezen-Kapelle Infoblatt Morschach (auf Seite 16 scrollen)
Youtube Video Chämlezen-Kapelle

Weibel, Victor: Namenbuch des Kantons Schwyz; Vom Dräckloch i Himmel; Druckerei Triner AG, Schwyz 2012; Hrg. Kuratorium Schwyzer Orts- und Flurnamenbuch


English:

09.02.2016

Mysteriously, legendary, eerie and slightly hidden away in the steep wooded terrain – the Chämlezen Chapel above Sisikon.

Something hidden, enchanted and off the current path below the road to Riemenstalden, in a steep wooded area, on the edge of a ravine, on the municipality of Morschach, on old footpaths and mule track from wells about Morschach or from Sisikon to Riemenstalden is the „Chämlezen-Chapel“. Very few people, even locals know the small, picturesque church on the tiny bell tower, let alone were even ever once inside the chapel, because they could not find so easily before. For this reason it has prepared a guide to the chapel some time ago and enhances the view of the chapel. So you can see the chapel better, but just who gets out of the car. Otherwise one sees on the left the road just an old „Gruebi“ (shelter) with two pictures of saints.

Even the name „Chämlezen Chapel“ is a riddle. While named Chapel, „Chappele“ or „Chappeli“ a small church, a small prayer houses, in the diminutive even just a picture Stock is meant, the name „Chämlezen“ layman proves difficult to explain. Let us keep to the interpretation of the name question to Victor Weibel Namebook of Canton Schwyz:

Originally was the name „Kämleten“. This is a variant of mittelhochddeutsch „kemenâte“ „bower“, a provided with a fireplace chamber, particularly bedchamber; Living room; Space for storing clothes and weapons; Courtroom; standing for themselves Building, House, Latin „caminata“, Swiss German „Chämnete, Chämlete, Chämmete“ and variants. Meeting, dining room; mostly brick, sometimes curved, sometimes in the middle floor, sometimes in the upper floor, but especially ground-floor, often a kind cellar forming chamber; Kitchen, pantry. It must here once a simple shelter have been on the road, the one so named and who later became the chapel.

A small shrine with a shelter (a „Gruebi“) with holy image, as one today can still find many places and also above the chapel, was probably the origin of the church in the Chämlezen. The local historian Felix Donat Kyd wells reported by a wayside shrine, the two brothers Gemsch should have built in 1620, while Pastor Thomas Fassbind of Schwyz dates the shrine in Chämlezen as a foundation for a wagon accident on 1665th. The actual chapel was only 1733 built by Builder Dominik Elsener and his son, and in 1735 inaugurated by the Pastor of Morschach, Leonard Bründler. As Patron Chapel of St. Nicholas of Myra, one of the fourteen Holy Helpers was elected. It is also interesting that Walser families often saints from the Valais as the Mauritius, Joder or just as Pastor von Euw reported also the much revered Nicholas used in their new neighborhoods as cartridge. For the municipality of Morschach this could also apply.

Over time, the chapel suffered heavily from the rigors of the weather. Therefore it was renovated several times, expanded and renewed. They even built a sacristy, which was later demolished. Until the early 19th century, the chapel appears to have been well attended. Various dated EX Voto panels give us today knowledge, had in what concerns the chapel saint called and helped. As a result, the chapel must however be advised and falling into oblivion more and more. Apparently no one cared properly by the church. On the website „Historic Sisikon“ is reported:

„One could no longer speak of a place of worship, in such a state was the chapel. Masses were therefore read any more and since time immemorial. The chapel was full of dirt and a popular hideout for bats and other animals. The boys from Riemenstalden who had to buy bread and other food in Sisikon, amused themselves with it – the way then passed directly to the chapel – startle the bats with long rods and to scare and drive another hoax. Despite a poor box was still there and a separate chapel chief had him from time to time empty – if anything was inside. It also happened that crooks and vagabonds who were to be found more frequently than today many decades ago, these victims Stock robbed, but never worth it! Kam but even a small boy from Riemenstalden just past the chapel, as a burglar was at work. Fearful but the Little passed quickly and did not dare even to tell anything about it, just as an old man he talked! Crooks, etc., and even respectable people used the chapel, which is no longer worthy of the name, probably to upper Make namely quite often. Because that people of Riemenstalden was once for all kinds of beggars a popular pathway to Muotathal, so that there formed for Goldplangg a new name, you just talked about the „beggar pass“.

Under these circumstances it is understandable that grew up around the area of Chämlezen Chapel different legends, rumors and ghost stories. Many people were afraid, especially in the evening or at night to go near or inside the chapel. The rumor mill bubbling and you also remembered the old saying in the area. Suddenly there should be ghosts, ghouls and other terrible creatures that cavorted in Chämlezen. There was talk of all sorts of sinister things such as changing lights, lights in the chapel, voices and sounds outrageous, one-eyed, black dogs, people without heads, ghosts and all sorts of monstrous phenomena. It later turned out, however, that always cooked hikers in the chapel or stayed and lit candles. Also drunk returnees used the chapel and fueled such rumors. I visited the chapel today (09/02/2016). Although me on the way a lone, black dog (he had two eyes!) Contrary trotted, I met no ghosts and returned safely back home.

Today, the last time in 1995 beautifully renovated chapel is a feast for the eyes. It makes a good impression. It is kept clean, with floral decoration; even some candles burned. Stroll Simply pay from Morschach or Sisikon from the Chämlezen and see for yourself. The hike is not Pape style. However, it’s worth it immensely. Do not worry, there are ghosts as anything else. But his own mind can ventilate really in the quiet and cozy atmosphere of Chämlezen and warm up!

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