Als die Tennis- und Golfbälle in die Innerschweiz und nach Morschach flogen! / As the tennis balls and golf balls were flying to Central Switzerland and to Morschach!

23.09.2016

English text below!

Heute weiss fast jedes Kind, dass Tennis und Golf zwei Ballsportarten sind. Vielleicht denkt hie und da noch jemand, dass Golf doch ein deutscher Personenwagen sei. Was auch gar nicht so daneben liegt, heisst doch das Auto nach der Sportart. Tennisplätze und –clubs gibt es zu Hauf, Golfplätze in allen Regionen mehr und mehr.

Beim Tennis benötigt man einen überschaubaren, rechteckigen Platz, rundum hoch mit Maschendraht umzäunt, das Spielfeld mit einem Netz in der Mitte sowie mit Linien begrenzt. Beim Golf braucht es ein grosses Naturgelände mit sechs, neun oder achtzehn verschieden langen Bahnen, je einem Abschlag, verschiedenen Hindernissen und einer Rondelle mit kleinem Loch am anderen Ende. Bei der ersten Sportart muss der Ball innerhalb der Linien hin und her übers Netz, bis ein Fehler geschieht. Bei der zweiten Sportart muss der Ball in das kleine Loch versenkt werden. Natürlich mit möglichst wenig Schlägen!
Vermutlich kennen die Spielregeln der beiden Sportarten im Detail aber nur aktive Spieler und Spielerinnen sowie interessierte, vom Sport begeisterte Fernsehzuschauer. Ganz sicher gilt dies für das Golfspiel. Sind doch da die Regeln so ausführlich und kompliziert, dass die Golfer und Golferinnen, bevor sie überhaupt auf den Plätzen spielen dürfen, Regelkurse und Spielübungen mit Prüfungen absolvieren müssen. Dem war aber nicht immer so!axenstein-tennisplatz-bote-20082001Die beiden Sportarten waren lange Zeit sehr exklusiv und nur den Reichen in der Gesellschaft vorbehalten. Wie bei einigen anderen Sportarten spielte England in den 1870-er Jahren die wichtigste Rolle in der Kultivierung und Weiterentwicklung des Tennis- und Golfspiels. Dies als bei uns in der Innerschweiz kein Mensch an so etwas dachte. Erst im Zeitalter der Belle Epoque flogen die Tennis- und Golfbälle auch in unser Land, in unsere Region und nach Morschach. Die reichen ausländischen Gäste, vor allem die Engländer, wollten auch in den Ferien ihren Sport ausüben können. So kam es, dass die grossen Hotels rund um den Vierwaldstättersee versuchten, den Gästen diese Wünsche zu erfüllen.

tennisplaetze-axenfels-ob-brunnen-1936

In unserer Region Innerschwyz waren die beiden grossen Hotels in Brunnen, und die Hotels in Morschach um 1890 Pioniere des Tennissports. Im Hotel Waldstätterhof wurden zwei Tennisplätze hinter dem Hotel, direkt neben dem Quai am See in Betrieb genommen. Vor einiger Zeit mussten sie einem Spielplatz weichen. Später bot auch das Parkhotel zwei eigene Tennisplätze an. Diese sind wegen einer Überbauung verschwunden.

t06

Tennisplätze Axenstein

In Morschach baute man Tennisplätze im Waldpark des Hotels Axenstein und auf dem Areal des Hotels Axenfels unten im Westen des Dorfes Morschach. Auch das Hotel Degenbalm baute für seine Gäste einen Tennisplatz, sogar einen Lawnplatz, wie der Hotelprospekt anpries. Neben den Plätzen gab es meistens ein Clubhaus oder Umkleidehäuser und Bewirtungsmöglichkeiten. Oft wurden Gästeturniere und Wettkämpfe ausgetragen. Weiss war damals und noch lange die obligate Bekleidung, etwas anderes ging nicht!

prospekt-hotel-tennisplatz-lawn-1

Tennisplatz Degenbalm

Der Golfsport kam etwas später dazu. In Morschach wurden sogar zwei Golfanlagen in Betrieb genommen. Als erste war 1904 der Golfplatz des Hotels Axenfels auf der unteren Rieten, dort wo jetzt der Swiss Holiday Park steht, in Betrieb. Der Platz hatte 9 Löcher. Auch für die Golfspieler und Golfspielerinnen gab es ein Clubhaus mit guter Sicht auf einige Bahnen.

axenfels-golf-bote-17122008Das Grandhotel Axenstein konnte dem nicht nachstehen und eröffnete 1924 ebenfalls einen Golfplatz für seine Gäste. Zuerst spielte man auf 11 Löchern. Aus topografischen Gründen wurden diese dann aber auf 9 Löcher reduziert. Die Bekleidung der Golfer war elegant. Karierte Knickerbocker-Hosen waren in! Seit einigen Jahren (2006/07) ist nun der Golfclub Axenstein in ähnlicher Lage wieder neu gebaut und in Betrieb.

Golfplan

Die beiden Sportarten benötigten Balljungen und Caddies, welche den noblen Herrschaften die Tennisbälle holten, den Platz reinigten oder auf dem Golfplatz die schweren Taschen trugen und die kleinen Golfbälle suchten. Dafür erhielten sie von den Gästen Trinkgelder. Oft trugen die Kinder einen schönen Batzen Geld nach Hause. Mein Vater (Walter Immoos-Abegg 1919-2005) gehörte als Kind zu den Caddies und erzählte mir manch gelungene Geschichte über verlorene und absichtlich versteckte Bälle. Schliesslich musste man ja auch für das Turnier der Caddies trainieren können.

walter-immoos-1919-golfkeddy-1929-vorne-2-v-r
Caddies, Kinder von Morschach, mein Vater vorne, 2. von links

Mein Vater, Walter Immoos-Abegg (1919-2005), war später passionierter Tennis- und Golfspieler. Noch mit 84 Jahren spielte er mit Handicap 25 auf Golfplätzen im In- und Ausland. Manchmal mit dem Golfwagen, aber auch noch zu Fuss, die Tasche umgehängt. Die ersten Erfahrungen mit Eisen und Holz machte er als Caddie in Morschach.

008_6

Viele ältere Leute aus Morschach erinnern sich noch selber an diese Zeit oder zumindest an Erzählungen ihrer Eltern. Die beiden Weltkriege machten dann dieser Blütezeit Morschachs ein Ende. Hotels, Parkanlagen, Spazierwege, Tennis- und Golfplätze verschwanden. Heute erinnert nicht mehr viel an die Tennis- und Golfplätze. Man muss sich schon genau auskennen, wenn man die Reste aufspüren will.

dsc_0269-arbeitskopie-2

Überbleibsel eines Tennisplatzes auf dem Axenstein

DSC_0322 Blick auf die Rieten und Teile des ehemaligen Golfplatzes, heute Swiss Holiday Park.

Bildquellen:
Titelbild: Tennis- und Golfball; free Photos von pixabay.com
Beitragsbild: Als Tennis zu den Schwyzern kam; Bote der Urschweiz vom 20.08.2001
Beitragsbild: Tennisplätze Axenfels: alte Postkarte; Privatarchiv
Beitragsbild: Tennisplätze Axenstein; Foto Archiv Kulturgruppe Morschach; Ernst Immoos
Beitragsbild: Tennisplatz Hotel Degenbalm: Foto aus Hotelprospekt; © Staatsarchiv Schwyz
Beitragsbild: Golfplatz Axenfels; Bote der Urschweiz vom 17.12.2008
Beitragsbild: Plan Golfplatz Axenstein; Privatarchiv; Scan aus Sammlung Dubach
Beitragsbild: Caddies; Foto Familienarchiv Immoos
Beitragsbilder: Überbleibsel Tennisplatz Axenstein und Blick auf Golfplatz Axenfels Rieten; Fotos Ruedi Immoos

Links:
Belle Epoque Morschach
Degenbalm


English:

09.23.2016

As the tennis balls and golf balls were flying to Central Switzerland and to Morschach!

Today know almost every child that tennis and golf are two ball games. Perhaps thinking here and there someone that golf is but a German passenger cars. What also is not so deviated, the car is really just after the sport. Tennis courts and club there in heaps, golf courses in all regions more and more.

In tennis you need a manageable, rectangular square, round high fenced with wire netting, the pitch is limited with a net in the middle and with lines. In golf, it takes a large natural area with six, nine or eighteen different length paths, each with a tee, various obstacles and a roundel with a small hole at the other end. In the first sport of the ball inside the lines must back and forth over the net until an error occurs. In the second sport, the ball must be sunk into the small hole. Of course, with the fewest possible strokes!

Presumably the rules of both sports know in detail but only active male and female players and interested, enthused by sports viewers. Certainly this applies to the game of golf. but because the rules are so detailed and complicated that the golfers before they are allowed to play on the courts at all, usually courses and reading exercises must complete with exams. This was not always so!

The two sports have long been very exclusive and reserved only for the rich in society. As with some other sports played England in the 1870-ies the most important role in the cultivation and development of tennis and golf. This as with us in central Switzerland no one thought of such a thing. Only in the age of the Belle Epoque flew tennis and golf balls also in our country, in our region and to Morschach. The rich foreign tourists, especially the British wanted, can practice their sport during the holidays. So it was that the big hotels tried around Lake Lucerne, the guests to fulfill these requests. In our region Innerschwyz the two big hotels in Brunnen, and the hotels in Morschach 1890 Pioneers of tennis were. In Hotel Waldstätterhof were two tennis courts behind the hotel, taken next to the quay on the lake in operation. Some time ago they had to give way to a playground. Later, the Park Hotel offered two tennis courts. These have disappeared because of overbuilding. In Morschach was built tennis courts in Forest Park hotel Axenstein and on the grounds of the hotel Axenfels down in the west of the village Morschach. Also the hotel Degenbalm built for his guests a tennis court, even a Lawnplatz how the hotel brochure touted. In addition to the courts, there was usually a clubhouse or changing houses and entertainment opportunities. Often Guest tournaments and competitions were held. White was then and for a long time the obligatory clothing, something else was not!

The golf came a little later. In Morschach even two golf facilities were put into operation. The first was in 1904 in the hotel on the lower Axenfels Rieten golf course, where now the Swiss Holiday Park is in operation. The square had 9 holes. Even for golfers there was a clubhouse with a good view of some tracks. The Grand Hotel Axenstein was the not inferior and opened in 1924 is also a golf course for its guests. First they played on 11 holes. For topographical reasons, but they were then reduced to 9 holes. The clothing of the golfers was elegant. Plaid Knickers pants were in! For some years (2006/07) is now the Golf Club Axenstein again rebuilt in a similar situation and in operation.

The two sports needed ball boys and caddies which the noble lordships came for the tennis balls, cleaned the place or carrying the heavy bags on the golf course and studied the little golf balls. For this they were given by the guests gratuities. Often the children wore a nice chunk of money home. My father (Walter Immoos Abegg 1919-2005) was as a child to the Caddies and told me many a successful story about lost and deliberately hidden balls. Finally, you had to yes can also train for the tournament of caddies.

My father, Walter Immoos Abegg (1919-2005), was later a passionate tennis and golf players. Even with 84 years he played with handicap 25 golf courses at home and abroad. Sometimes with the golf cart, but even on foot, the bag slung. The first experiences with iron and wood he made as a caddy in Morschach.

Many older people in Morschach still remember myself at this time, or at least stories of their parents. The two world wars then made this heyday Morschachs an end. Hotels, parks, walking trails, tennis courts and golf courses disappeared. Today not much reminiscent of the tennis and golf courses. One has to be familiar already exactly when you want to track down the remains.


Veröffentlicht von

Ahnen, Namen, Wappen und mehr.......

Foto Blog der Immoos-Website + früher Genealogie-Blog