Aller guten Dinge beim Fotografieren sind fünf!

16.11.2017

Hier lernst du sie im Schnelldurchgang!

Wenn du mit dem Handy fotografierst, hast du vermutlich keine Probleme mit Belichtung, Schärfe und Unschärfe in deinen Fotos. Bist aber auch nicht gross in der Lage, deine Fotos in diese Richtung zu beeinflussen. Das Foto-Programm in deinem Handy macht, in Zusammenarbeit mit dem kleinen Weitwinkelobjektiv und einer möglichst kurzen Belichtungszeit, bei einer mittleren Blende, dass deine Bilder nicht verwackeln und von vorne bis hinten scharf und einigermassen richtig belichtet sind. Vielen genügt das heute, sie sind damit zufrieden. Stade Handy

Willst du deine Fotos aber wirklich gestalten, musst du eine bessere Kamera verwenden. Fotografierst du mit einer Kamera, die Einstellungen zulässt und verschiedene Brennweiten oder Objektive ermöglicht, musst du entweder mit der Automatik knipsen, dann bist du jedoch immer noch nicht in der Lage richtig zu gestalten oder du musst eben wissen, was es mit den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten deiner Kamera auf sich hat, um Belichtung, Schärfe und Unschärfe als Gestaltungselemente in den Griff zu bekommen.

Automatik ist gut – aber mit der Zeit langweilig. Manuelle Einstellungen sind besser – aber nur, wenn man das Zusammenspiel der verschiedenen Möglichkeiten durchschaut. Sie sind wie das Salz und die Gewürze bei den Speisen und machen die Fotos und das Fotografieren erst richtig interessant und spannend, weil du so deine Aufnahmen nicht nur im Motiv und dem Bildausschnitt gestalten kannst.

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Und darum – aller guten Dinge beim Fotografieren sind fünf  –  alle die einfachen Basics wie einschalten, Ausschnitt wählen, abdrücken und so einmal vorausgesetzt  –   sind es: Blende, Belichtungszeit, ISO, Brennweite und Fokus. Damit richtig umzugehen, lernst du in diesem Blogbeitrag.

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1: Die Blende (f)
Sie ist eine Vorrichtung, welche die Lichtmenge, die auf den Sensor (früher Film) fällt steuert. Die Grösse der Blendenöffnung wird mit der Blendenzahl bezeichnet. Je grösser die Öffnung, desto kleiner die Blendenzahl und umgekehrt, musst du dir merken. Je mehr Licht bei einer offenen Blende (z.B. f/2.8) einfällt, desto heller wird das Foto und desto geringer wird die Tiefenschärfe des Fotos. Je weniger Licht bei einer geschlossenen Blende (z.B. f/22) einfällt, desto dunkler das Foto und desto grösser ist in der Regel die Tiefenschärfe. Dabei muss man aber noch die Beugungsunschärfe berücksichtigen. Weil der Durchlass immer enger wird, wird das Licht etwas abgebogen, so dass mit kleineren Blendenöffnungen die Tiefenschärfe wieder etwas abnimmt. Für grosse Tiefenschärfe sind deshalb mittlere Blenden wirksamer. Die Gleichung, je kleiner die Blendenöffnung (hohe Blendenzahl), desto höher die Tiefenschärfe, stimmt deshalb nur bedingt.

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2: Die Belichtungszeit
Sie steuert mit dem Verschluss, wie lange das Licht durch die Blende auf den Sensor einwirken kann. Die Zeit wird in Bruchteilen von Sekunden bis zu ganzen Sekunden oder bei Langzeitbelichtungen sogar Minuten eingestellt. Kurze Zeiten (z.B. 1/250 sec) sorgen dafür, dass das Licht nicht lange auf den Sensor einwirkt, die Aufnahme nicht verwackelt wird und kleinere Bewegungen der Motive nicht zu Bewegungsunschärfe führen. Ganz kurze Zeiten (z.B. 1/1000 sec oder oft noch weniger) gefrieren Bewegungen ein und bilden alles Bewegte scharf ab (z.B. Wasserspritzer, Rennläufer, Fussballer). Lange Belichtungszeiten sorgen dafür, dass das (wenige) Licht lange auf den Sensor einwirkt, dass Fotos auch bei wenig Licht (Nacht, Kerzenlicht, Strassenlaternen, Sternenhimmel, Milchstrasse) aufgenommen werden können. Bewegte Objekte werden dabei jedoch unscharf und fliessend, verwischt abgebildet (Bewegungsunschärfe: Fliesswasser, schleichender Nebel, Lichtspuren der Autos). Lange Belichtungszeiten benötigen immer ein Stativ und einen Fernauslöser. Oft wird bei Spiegelreflexkameras auch noch der Spiegel vor der eigentlichen Aufnahme hochgeklappt (Einstellung bei Nikon = MUP), damit ja keine kleinsten Erschütterungen Unschärfen hervorrufen.

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3: Lichtempfindlichkeit des Sensors (ISO)
Die Lichtempfindlichkeit des Sensors kann mit der Einstellung der ISO Werte bestimmt werden. Gute Kameras ermöglichen heute Einstellungen von LOW über niedrige Werte bis 100 und hohe Werte bis über 10’000 oder mehr ISO. Mit der Normaleinstellung von 100 ISO erhält man in der Regel die besten Aufnahmen. Je höher der ISO-Wert, desto empfindlicher ist der Sensor auf Licht und desto anfälliger ist er auf das sognenannte Bildrauschen. Hier muss jeder selber herausfinden, welche Werte seine Kamera, ohne oder mit korrigierbarem Rauschen, verträgt. Versuche immer, die ISO Einstellung für deinen Zweck so gering wie möglich zu halten. Wenn du Werte zwischen 100 und 8oo ISO benutzt, wirst du vermutlich wenig Probleme haben. Beim Fotografieren des Sternenhimmels oder der Milchstrasse musst du jedoch auch höhere ISO-Einstellungen bei offener Blende verwenden, um brauchbare Ergebnisse zu erhalten. Bei Langzeitbelichtungen während des Tages (Fliesswasser, Schleichnebel, crèmige Wasserflächen, usw.) musst du möglichst tiefe Isowerte (z.B. LOW ISO) und zusätzlich Graufilter, auch ND-Filter genannt, (gibt es in verschiedenen Stärken) verwenden, um wirklich lange belichten zu können und gute, scharfe Ergebnisse der Umgebung zu erhalten.

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4: Fokus
Unter Fokussieren verteht man die manuelle oder automatische Einstellung der Schärfe auf einen gewissen Punkt im Bild. Bei den modernen Kameras kann man die Art und Weise der Messung und die Grösse und Wirkung des Punktes der Fokussierung einstellen und in verschiedenen Arten beeinflussen. Nicht immer ist Automatik die beste Einstellung. Viele gute Fotografen fokussieren manuell am Einstellring. Bei Dunkelheit funktioniert der Autofolus meist nicht richtig oder sehr langsam. Hat man ein wichtiges Objekt in seinem Bildausschnitt (Mensch, Tier, Gegenstand) so fokussiert man am besten auf dieses Objekt, das scharf sein sollte. Bewegt sich das Objekt ist der Autofokus bei richtiger Einstellung in der Lage dem Objekt zu folgen. Moderne Kameras können den Fokus (und die Belichtung) auch speichern, sodass man nachher den Bildausschnitt noch etwas verändern kann.
Die Tiefenschärfe des Bildes ist auch mit Kombinationen der hier dargelegten fünf Punkte zu gestalten. Nicht immer ist „alles scharf“ die beste Einstellung! Je nach Fokussierung bekommt man andere Bereiche des Bildausschnitts in den Fokus. Das Beherrschen von gewollter Schärfe und Unschärfe ist ein wichtiges Gestaltungsmittel in der Fotografie. Etwas Spezielles: Recherchiere mal den Begriff „Hyperfokale Distanz“, du wirst staunen!

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5: Brennweite / Objektive
Es gibt verschiedene Objektive, welche durch die Anordnung der Linsen „mehr oder weniger Motiv“ auf das Bild bringen. Dies regelt die Brennweite der Objektive, welche in mm angegeben wird. Kurze Brennweiten oder Weitwinkelobjektive (z.B. 14, 24, 35 mm) haben viel auf dem Bild, Alles erscheint eher klein und es besteht eine sehr grosse Tiefenschärfe; Normalobjektiv (ca. 50 mm) mit einer mittleren Tiefenschärfe oder Teleobjektive (z.B. 70, 85, 100, 200, 500 mm und mehr) haben wenig auf dem Bild, das Objekt erscheint grösser oder ganz gross und die Tiefenschärfe ist geringer oder äusserst gering. Heute verwenden viele Fotografinnen und Fotografen Zoomobjektive, welche flexible Brennweiten ermöglichen (z.B. 14-24, 24-70 oder 70-200 oder Reiseobjektive 28-300 mm). Die Wahl der richtigen Brennweite bestimmt den Bildausschnitt und hat einen grossen Einfluss auf die Tiefenschärfe. Teleobjektive sind anfällig für Verwacklungen, darum ist ein Stativ meistens die beste Lösung. Bei den Weitwinkelobjektiven muss man sehr aufpassen, dass die Perspektiven stimmen und möglichst wenig stürzende Linien entstehen. Wenn man das bei der Bildbearbeitung am Computer auch einigermassen korrigieren kann, bezahlt man dies immer mit einem Verlust beim Bildausschnitt.

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Fazit:
Um dein Bild richtig gestalten zu können, mit richtiger Belichtung, der Schärfe am richtigen Ort oder einer grossen oder kleinen Tiefenschärfe, mit Bereichen von Bewegungsunschärfe oder der Erzeugung des Eindrucks von Geschwindigkeit musst du das Zusammenspiel dieser beschriebenen fünf Faktoren blind beherrschen. Wenn du an einem Rädchen hochdrehst, müssen dadurch bei anderen Einstellungen korrigierende Anpassungen vorgenommen werden.
Um dir zu Beginn die Fotoarbeit etwas zu erleichtern, kannst du auch nicht vollständig manuell (M) fotografieren, sondern die Zeitautomatik (bei Nikon = A) oder die Blendenautomatik (bei Nikon = S) oder in einfacheren Fällen sogar die Programmautomatik (bei Nikon = P) verwenden.

Zwei Beispiele:
a) Um eine grosse Tiefenschärfe und ein von vorne bis hinten ganz scharfes Bild zu erreichen, kommen die folgenden Faktoren ins Spiel: Mittlere Blende (z.B. 11, 13, 16 aber nicht höher wegen der Beugungsunschärfe), kurze Zeit (z.B. 1/125 oder 1/250 sec oder noch kürzer), die ISO möglichst tief einstellen, damit eine solche Kombination möglich wird. Das bildgebende Objekt selber oder mit hypofokaler Distanz (siehe oben) fokussieren, eine kürzere Brennweite (Weitwinkel) wählen, den Verwacklungsschutz am Objektiv einschalten (wenn vorhanden) und immer daran denken, nicht allzu nahe an das bildgebende Motiv heranzugehen.

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b) Willst du das Fliessen des Wassers bei Tageslicht möglichst gut darstellen, empfiehlt es sich, das Stativ und die Fernauslösung sowie eine kürzere Brennweite (Weitwinkel) zu verwenden, eine lange Belichtungszeit (z.B. 10, 15, 20 sec) bei einer mittleren Blende (z.B. 11, 13, 16) zu wählen. Damit dies bei richtigem Tageslicht möglich wird, muss man jedoch den Iso-Wert so tief wie nötig einstellen und einen entsprechenden Graufilter der richtigen Stärke verwenden, der genügend vom hellen Licht absorbiert. Dann wirst du, bei einigem Üben, ein herrlich scharfes, gut belichtetes Bild mit fliessendem, unscharfem Wasser erhalten.

 

Bildquellen:
Titelbild: Stade (D) alter Fischmarkt zur Abenddämmerung; Foto: Ruedi W. Immoos
Beitragsbild 1: Stade (D) alter Fischmarkt; Entstehung des Titelbildes als Handyfoto
Beitragsbilder 2+3: Freie Bilder von der Plattform pixabay.com
Beitragsbild 4: Alte Uhr; Foto: Ruedi W. Immoos
Beitragsbilder 5-7: Freie Bilder von der Plattform pixabay.com
Beitragsbild 8: Im Apenzellerland; Foto: Birgit Immoos
Beitragsbild 9: Kleiner Menzenschwander Wasserfall, Schwarzwald (D); Foto: Ruedi W. Immoos


 

 

 

 

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