Eigene Fotospots finden – aber wie?

Datum: 14. November 2018

Das Rekognoszieren für die Landschaftsfotografie will gelernt sein.

Mit dem Hut in der Hand, kommt man durch’s ganze Land!“ gab mir vor ca. 60 Jahren mein Vater mit auf den Lebensweg. „Mit offenen Augen oft unterwegs in der Natur, findet man seine guten Motive nur!“ Dies könnte man in Anlehnung daran allen Fotobegeisterten als Ratschlag auf ihre Suche nach lohnenden Fotospots auf den Weg mitgeben. Wer aber meint, man könne einfach mit dem Auto ein wenig die Landschaft abfahren, wird zwar hin und wieder mal irgendwo einen Schnapsschuss von der Bordsteinkante aus landen, dem Zufall sei Dank. Ein Gebiet nach interessanten Spots oder Motiven zu erkunden, eben zu erwandern oder mit dem Rad zu durchkreuzen und die Örtlichkeiten von allen Seiten in Augenschein zu nehmen, um den sehr guten Spot zu finden, wird ihm jedoch vermutlich verwehrt bleiben, darauf kann er oder sie Gift nehmen. Wie stellt man das richtige fotografische Rekognoszieren aber an?
Planung und Timing ist die halbe Miete – der halbe Weg zur guten Fotografie. Wir können hier nur wiedergeben, was wir selber mühsam durch Irrtum und Fehler gelernt haben. Ein einfaches, unbedarftes „Drauflos“ hat uns in den Anfängen meistens nur Frust, Ärger und mittelmässige Ergebnisse eingebracht. Oft sind wir unverrichteter Dinge, oder mit unbefriedigenden Aufnahmen wieder nach Hause gekommen. Dies auch sogar dann, wenn wir einfach, ohne genau zu planen, an einen bekannten Spot aufgebrochen sind.

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Es gilt eben, etwas mehr zu beachten, als man anfangs denkt. Fotos kann man zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter machen. Interessante, bewegende, spektakuläre, aussergewöhnliche meistens nur, wenn man das Projekt vorbereitet in Angriff nimmt. Die wichtigen Fragen beginnen immer mit dem Buchstaben „W“, nämlich: wo, was, wann, wie, welches Wetter!

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Wenn wir in einer Region unterwegs sind, halten wir unsere Augen offen, verlassen die grossen Strassen, versuchen die Gegend zu Fuss oder mit dem Bike zu erkunden. Wir halten Ausschau z. B. nach Seen, Weihern oder Tümpeln, Flüssen oder noch besser Altläufen, Bächen, Stauwehren oder Wasserfällen. Wasser ist eines der beliebtesten Motive in der Landschaftsfotografie und meistens erfolgversprechend.

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Bleiben wir bei diesem Beispiel. Sind wir fündig geworden, gilt es, sich dort zu orientieren: Himmelsrichtungen, Sonneneinstrahlung, Morgenlicht, Abendlicht, Wettersituation,  Jahreszeit. Nun kommen also die anderen W-Fragen in den Fokus. Oft umrunden wir die Gewässer oder schreiten sie ab, auf der Suche nach einem guten Blickwinkel und Kamerastandort. Wo finden wir einen interessanten, natürlichen Vordergrund? Ein guter Vordergrund oder Eyecatcher ist oft das Problem. Ein Foto wirkt einfach viel besser mit einem interessanten Vordergrund. Darum sieht man ja so viele Bilder mit extra drapierten Wurzeln, Steinen, Blättern oder anderen Dingen, die dafür herhalten müssen. Da muss man jedoch vorsichtig sein, damit es nicht unnatürlich wirkt.

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Wo ist ein guter Zugang zum Spot, zum Kamerastandort? Ist es ungefährlich? Wie kann ich mich schützen? Riskiere nie zu viel für ein Foto, es lohnt sich nicht, dabei zu verunfallen. Manchmal ist ein starkes Seil ein nützlicher Begleiter, der Sicherheit bietet. Eine gute Ausrüstung in Sachen Bekleidung und Schuhwerk ist Grundvoraussetzung für sicheres Fotografieren. Ein anderer wichtiger Punkt ist, man muss sich an die Gesetze halten; Privatgrund nicht betreten, in Naturschutzgebieten die Vorschriften beachten, Zäune respektieren, Wege benutzen, nicht alles niedertrampeln, nur in gemähte Wiesen treten, Weidetiere nicht beunruhigen, keinen Abfall liegen lassen und anderes, teilweise ganz Selbstverständliches mehr. Freundlich sein, vorher um Erlaubnis fragen, hat uns schon oft weiter und zu speziellen Standorten und Fotos geführt!
In der heutigen Zeit muss man auch immer den Schutz vor Zecken mit berücksichtigen. Wir gehen nie ohne Zeckenschutz auf Fototour. Aber das ist wiederum ein anderes, eher persönliches Thema.

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Wie kann ich das Foto noch besser gestalten? Eckläufer, Mittelgrund, Hintergrund, Linienführung, Diagonalen, Goldener Schnitt, Perspektive, Gegenlicht, Filter, Langzeitbelichtung, Focusstacking, HDR, usw., stellen sich hier als zusätzliche Möglichkeiten. So entsteht ganz langsam die Fotoidee, welche an diesem Spot die beste Wirkung erwarten lässt.

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Wir notieren uns alles und tragen den Spot auf einer Karte ein, damit man ihn ein anderes Mal wieder findet. Oft machen wir nur Probefotos, um dann zur richtigen Tageszeit (z. B. abends oder frühmorgens) oder bei speziellen Wetterverhältnissen (Gewitterwolken, Nebel) oder einem speziellen Stand von Sonne, Mond, Sterne oder Milchstrasse wieder zu kommen, um dann die Aufnahmen zu machen, die wir uns für diesen Spot vorgestellt hatten.
Unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass man mit diesem Vorgehen, in den meisten Fällen, die besten Ergebnisse erzielen kann. Dem fertigen Foto sehen die meisten Leute den beträchtlichen Aufwand, den man als Fotografin oder Fotograf betrieben hat, dann gar nicht mehr an.

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Dieses exemplarische Vorgehen kann man dann bei verschiedenen anderen Örtlichkeiten und Motiven einfach wiederholen. Mit der Zeit und der Erfahrung bekommt man ein gutes Auge für den interessanten Spot, den besten Bildausschnitt und eine klare Gestaltung der Aufnahmen. An folgenden Orten kann man selber neue, erfolgversprechende Spots entdecken: Berge, Täler, Ebenen, Flussläufe, Strand, Wald, Waldränder, Felsformationen, Klippen, Steinbrocken, Bergsturzgebiete, Sumpfgebiete, Felder, Wiesen, Baumformationen, Hügel, Gletscher, Naturschutzgebiete, Weiler, verlassene Höfe, Denkmäler, Bildstöcke, Kapellen und allerlei mehr, ihr werdet mit der Zeit überall fündig.

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Was häufig bei der Suche nach Locations hilft, ist die Recherche auf Google Maps. Die 3D Version bietet z.B gute Möglichkeiten, auch mal unbekannte Ecken aufzuspüren und von oben in der realen Ansicht zu betrachten. Dann ist es auch empfehlenswert, in Instagram oder 500px die Suchfunktion mal zu benutzen. Wenn man bspw. einen Ort eingibt, kann man auch abseits der bekannten Standard-Spots auf coole Plätze stoßen, die noch nicht so bekannt sind und in deren Umgebung einige unentdeckte Spots lauern könnten. Freilich gehört da noch ein bisschen Recherche-Arbeit dazu, aber das ist auch ein Teil der Landschaftsfotografie und dieser macht Spaß. Speziell unbekanntere Ecken sollten heutzutage bei den vielen überlaufenen Super-Spots einen Anreiz schaffen, etwas „Eigenes“ nach seinen Ideen und seinem Fotostil zu kreieren. (Herzlichen Dank an Florian Sabo für den Hinweis mit der Online-Recherche)

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Manchmal muss man halt dann noch etwas Glück haben mit Wolkenformationen, Sonnenstand, Nebelschwaden, Blendenstern, Farbverläufen am Himmel, Regenbogen, Spiegelungen, Blitzschlag und Wetterleuchten, Mondsichel oder Sternenhimmel. Alle diese fotografischen Assesoires machen Fotos spektakulär, aussergewöhnlich und manchmal einmalig.

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Und zum Schluss, immer daran denken, an das mit dem „frühen Vogel“ gleichermassen wie das mit dem späten! Manchmal muss man den Spot mehrmals zu verschiedenen Jahreszeiten aufsuchen, man darf nicht zu früh aufgeben und muss am Spot auch immer lange genug warten, beobachten, plötzlich ändert sich die Situation doch noch dramatisch, dann wird man belohnt.

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Wir wünschen euch nun viel Erfolg bei euren eigenen Fotoaktivitäten mit eigenen Fotospots.
Birgit und Ruedi

 

Fotos:

Titelbild und Beitragsbilder stammen von rekognoszierten Fototouren von Birgit oder Ruedi Immoos

Alle unsere Fotos findet ihr hier: www.immoos.li

 

 

 

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