Nachtfotografie – wagt euch ran!

Datum: 05. Januar 2019

Wie bekommt man gute Fotos in der Nacht?

 

Wer hat nicht schon sein Smartphone gezückt und irgendwo in einer Stadt versucht die Pracht der Lichter festzuhalten? Wer stand nicht schon vor einer beleuchteten Kirche, einem Turm, einem herrlichen Schloss oder etwas Ähnlichem und hat versucht die stimmungsvolle Ansicht zu fotografieren? Gerade in der Weihnachtszeit und in den langen Winternächten begeistern die grandiosen Beleuchtungen und der Lichterzauber in Dörfern und Städten besonders. Eine klare Sache, das muss aufgenommen werden. Aber spätestens wenn man einige Fotos mit dem Handy oder einer Kompaktkamera geschossen hat, kommt zu Hause dann die Ernüchterung. Die Qualität der Fotos lässt zu wünschen übrig. Sie sind nicht zu vergleichen mit den vielen wunderbaren Nachtfotos, die du im Netz schon gesehen hattest.
Was habe ich wohl falsch gemacht? Das will man beim nächsten Mal besser machen. Darum gebe ich hier eine Hilfestellung, was es alles zu beachten gilt und zusätzlich 10 wichtige Tipps zu den Einstellungen, damit auch du tolle Nachtaufnamen in den Kasten bekommst.

Nachtaufnahmen sind besonders interessant und spannend, weil man abends und in der Nacht Objekte und Motive fotografieren kann, die durch Dämmerung, Dunkelheit und verschiedenartiges Licht aus dem Normalen, Alltäglichen und Gewöhnlichen in eine ganz andere Szenerie gestellt werden und sich total anders präsentieren. Darin liegt der gesamte Reiz und der Zauber dieses Genres der Fotografie. Dass man diese Art der Fotos aber nicht einfach so auf die Schnelle mit dem Handy qualitativ gerecht werden kann, ist eigentlich verständlich. Auch in der Nachtfotografie gilt: „Von nichts, kommt nichts!“

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Wie in der gesamten ambitionierten Fotografie gilt auch hier, ohne eine gewisse Vorbereitung und Planung kommt man nicht zum guten Resultat. Die Fotografie in der Dämmerung und in der Nacht bedingt eine gewisse Ausrüstung, damit die Fotos gelingen. Die muss man natürlich dann auch dabei haben. Heute kann man mit sozusagen allen Kameras, inklusive dem Handy Nachtaufnahmen machen. Ohne Stativ geht aber nichts, wenigstens nichts Gutes! Da bei geringen Lichtsituationen längere Belichtungszeiten notwendig sind, ist ein standfestes Stativ unabdingbar. Aus der Hand oder aufgestützt geht da gar nichts mehr, was man später gerne anschauen möchte. Eine gute Kamera, die manuelle Einstellungen zulässt, ist natürlich ein Vorteil.

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Wenn du die Kamera auf einem Stativ verwendest und längere Belichtungszeiten zum Einsatz kommen, ist es unabdingbar, dass mit einem Fernauslöser gearbeitet und dabei bei Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung benutzt wird, um Verwacklungen zu vermeiden. Zur Not kann man auch den in den meisten Kameras eingebauten Selbstauslöser mit z. B. fünf Sekunden Verzögerung benutzen. So wird sichergestellt, dass durch den Auslösevorgang keine Erschütterungen die Aufnahme verwackeln. Schalte auch den Verwacklungsschutz am Objektiv aus. Weil die Kamera ja auf dem Stativ benutzt wird, ist er nicht notwendig, ja sogar kontraproduktiv.

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In der Nachtfotografie benötigst du unbedingt eine Taschen-, noch besser eine Stirnlampe und genügend Strom. Darum ist es von Vorteil, Ersatzbatterien und einen Ersatzakku für die Kamera dabei zu haben. Bei kühler Witterung oder im Winter empfiehlt es sich, diesen in der warmen Hosentasche zu tragen, weil er so leistungsfähiger bleibt. Dass warme Kleider und ein Fotorucksack die Ausrüstung vervollständigen, sollte selbstverständlich sein. So ausgerüstet und vorbereitet, kann einer nächtlichen Fototour nur noch starker Dauerregen und Sturm einen Strich durch die Rechnung machen.

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Wenn du nicht total manuell fotografierst, wirst du mit folgenden Kameraeinstellungen zu Beginn schnell gute Ergebnisse erzielen:

  1. Zeitautomatik (Blendenwahl) verwenden. (Bei Nikon A, Canon Av).
  2. Schalte die ISO-Automatik der Kamera aus und verwende ISO-Werte zwischen 100-400. Wir bevorzugen eher 100 oder 200 ISO. Bei höheren Werten ist die Gefahr des Rauschens sehr gross.
  3. Wähle eine mittlere Blende (8-13). Damit erhälst du eine gute Tiefenschärfe und bei Lichtquellen schöne Blendensterne. Manchmal muss man die Blende etwas mehr öffnen, damit man die ISO tief halten kann. Die Belichtungszeit wird automatisch gewählt.
  4. Mit der Variation der ISO-Werte stellst du sicher, dass mit deiner gewählten Blende Zeiten bis ca. 30 Sekunden gewählt werden.
  5. Komponiere das Bild und lege den guten Bildausschnitt fest. Auchte darauf, rund ums Motiv genügend Luft zu haben, damit man bei der Entwicklung Korrekturen vornehmen kann (stürzende Linien bei Gebäuden). Decke das Okular ab, damit kein Licht von hinten in die Kamera dringt.windsurf-web

  6. Denke daran, dass nur unbewegliche Objekte scharf abgebildet werden und, dass bewegliche Objekte verwischen. Sich bewegende Fussgänger also fast nicht sichtbar sind. Bewegliche Lichter, Scheinwerfer werden zu Lichtspuren.

  7. Verwende zu Beginn ein Weitwinkelobjektiv, damit erhälst du einfacher Fotos, die von vorne bis hinten scharf sind. Achte aber auf stürzende Linien!
  8. Fokussiere manuell oder mit dem Autofokus auf das bildgebende Motiv. Ist es sehr dunkel, funktioniert der Autofokus langsam oder nur auf eine Lichtquelle am Objekt.
  9. Mache mehrere Fotos und variere die Einstellungen und den Fokus. Damit stellst du sicher, dass du am Schluss sicher eine sehr gute Fotografie geschossen hast.
  10. Wenn du mutig bist, kannst du versuchen, auch total manuell zu fotografieren, dabei Zeit, ISO und Blende selber zu wählen. Fotografiere mit RAW und entwickle deine Fotos selber.

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So und nun ran an den Speck… eh an das nächtliche Motiv und üben, üben, üben. Viel Erfolg dabei!

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Bildquellen:
Alle Beispielfotos sind Aufnahmen mit Langzeitbelichtung von Birgit und Ruedi Immoos. Bemerkung: Bei der Aufnahme mit dem Segelschiff war es ein Abwägen zwischen einer etwas kürzeren Zeit und etwas höheren ISO-Werten und einer etwas offeneren Blende, Weil das Schiff selber ja in leichter Bewegung war.

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