Schnell besser fotografieren – Anfängerfehler vermeiden!

Datum: 13. Januar 2019

Zehn Tipps helfen dir Fehler zu vermeiden und bringen dich schnell eine Klasse näher zum Fotografenhimmel.

Es geht fast jedem als Beginnerin oder Normalfotografierer ähnlich. Jeder und jede hat einmal angefangen damit und viele Fehler gemacht. Und zwar in allen Bereichen, die zur Fotografie gehören. Wir nehmen uns da selber gar nicht aus. Die Fotos wollten einfach nicht so werden und gefallen, wie man sich das wünschen würde.
Ergo: Es muss also an der Ausrüstung liegen. Da kaufst du dir endlich einen guten Fotoapparat mit allen technischen Möglichkeiten, um dich von der schnellen Handyfotografie oder der kleinen Kompaktkamera zu lösen und träumst von herrlichen Fotos, wie du sie in den Fotoplattformen von anderen Fotografinnen und Fotografen so wunderbar vom Bildschirm strahlen siehst. Nun soll alles besser werden. Also drauflos! Doch dem wird einfach nicht so. Vielleicht wurden die Fotos ein wenig klarer, ein wenig schärfer und so, aber die speziellen und aussergewöhnlichen Top-Fotos mit Wow-Effekt, von denen deine kühnen Vorstellungen im Hinterkopf träumen, wollen sich einfach „um’s Verrecken“ (man verzeihe mir den Fraftausdruck, aber es ist zum Verzeifeln) nicht einstellen.
Woran könnte es liegen? Gibt es da noch was viel Wichtigeres, das es zu beachten gilt, als eine tolle Kamera mit einem super Objektiv?
Ja, gibt es – und diese Dinge sind fast wichtiger als die Ausrüstung! Es gibt in der etwas ansspruchvolleren Fotografie einige Stolpersteine und Anfängerfehler, welche die schönsten Motive und besten Fotospots, das tollste Licht und Wetter wieder ausbremsen und vieles zu nichte machen. Viele machen diese Fehler und stolpern über Grundlegendes, auch uns ging es am Anfang so. Wir wollen versuchen, euch vor den häufigsten Fehlern zu warnen und euch dazu einige Tipps zur Vermeidung auf die Fototouren mitgeben.

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Hier sind sie also, unsere fotografischen 10 Gebote! Befolgt sie und ihr kommt viel schneller in den Fotografenhimmel!

1. Fotografiert sofort im RAW-Format
Stellt euren Fotoapparat (wir hoffen er kann das, sonst habt ihr schlecht gewählt) im Menü so ein, dass ihr nicht nur in JPG, sondern zumindest am Anfang eure Fotos in JPG und RAW abspeichern könnt. Wir selber fotografieren nur im RAW-Format. Das RAW-Format speichert die Fotos unkomprimiert mit allen Informationen. Dies bietet später bei der Entwicklung (Bearbeitung) der Fotos viel mehr und bessere Möglichkeiten – und deshalb auch viel bessere Fotos.

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2. Fotografiert nicht im Automatikmodus der Kamera
Der Automatikmodus der Kamera macht zwar einigermassen schöne, durchnittlich belichtete Fotos, reizt aber die Möglichkeiten eurer Kamera keinesfalls aus. Du bist zwar in der Lage, sofort Fotos zu machen, die sind aber nur marginal besser als du das früher mit Handy oder Kompaktkamera auch konntest. Du wirst aber in diesem Modus nie richtig fotografieren lernen.
Beschäftige dich daher sofort mit den manuellen Einstellungen deiner Kamera und lerne das Zusammenspiel von Zeit, Blende und ISO durchschauen. Dann bist du schnell in der Lage, besser mit der Zeitautomatik (du wählst die Blende, die Zeit und die ISO werden von der Kamera automatisch gesteuert), mit der Blendenautomatik (du wählst die Zeit, die Blende und die ISO werden von der Kamera automatisch gewählt) oder mit total manuellen Einstellungen (du wählst Zeit, Blende und ISO Einstellungen selber) zu fotografieren und die besten Resultate zu erreichen. So könnt ihr auf alle Situationen in der Fotografie Einfluss nehmen. Nur das gibt dann einmal Spitzenfotos.

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3. Achtung vor der ISO Einstellung
Die ISO Einstellung reguliert die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Hier kann man schnell Fehler machen. Wir raten allen, die ISO-Automatik im Menü der Kamera auszuschalten und die ISO Einstellungen bei jedem Foto einzeln immer selber manuell vorzunehmen. Als Faustregel gilt: Immer so geringe ISO wie möglich wählen. Wir empfehlen nicht so versierten Fotografen im Bereich von 100-300 ISO zu bleiben. Moderne Kameras können viel höhere Werte verarbeiten, doch oft tritt dann Rauschen auf. Wir fotografieren mehrheitlich mit niederen ISO Werten und verwenden das Stativ, um die Blende etwas mehr zu schliessen und vor allem die Belichtungszeit etwas mehr verlängern zu können. Man sollte ausprobierten, wie die Kamera auf die ISO-Einstellungen reagiert. Vertraue nicht immer auf den Verwacklungsschutz am Objektiv. Bei geringen Lichtverhältnissen ist in der Landschaftsfotografie immer ein Stativ notwendig, wenn man eine gute Qualität erreichen will. Viele gute Fotografen verwenden immer eines und die Fernbedienung. Vor allem mit Vollformatsensoren oder noch grösser, ist die Gefahr der Verwacklung höher.

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4. Nicht einfach planlos fotografieren und knipsen, was das Zeug hält

Es kann ja sein, dass man schnell einen Schapsschuss fotografieren will. Das soll aber nicht die Regel sein. Gute, bewegende und spezielle Fotos muss man planen. Man muss sich Gedanken machen, wie das Foto, das man machen möchte, denn aussehen sollte, wenn es aus dem Fotoapparat kommt. Was muss auf dem Foto drauf sein, welcher Vordergrund, Mittelgrund oder Hintergrund will ich im Bild haben. Hat es überhaupt einen Vordergrund oder kann man eventuell etwas nachhelfen. Hat es Elektroleitungen oder sonst Unschönes im Bild? Wo muss ich mich hinstellen, um etwas abzudecken? Wie ist der beste Bildausschnitt? Wann ist die beste Zeit, morgens, abends? Wo steht die Sonne, gibt es eine Möglichkeit für Gegenlicht? Das und noch einiges mehr sind alles Fragen und Gegebenheiten, die bei einem guten Foto berücksichtigt werden wollen. Das tönt nun kompliziert, wird aber mit Zeit und mehr Erfahrung total automatisiert und läuft wie ein Film im Fotografenhirn ab. Manchmal muss man für ein spektakuläres Foto mehrmals an den Ort der Begierde hinfahren oder wandern, um dann irgendwann zum richtig guten Produkt zu kommen. Glaubt uns, es macht Spass und lohnt sich!

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5. Der richtige Blickwinkel und die Perspektive machen ein spannendes Bild
Fotografiere dein Motiv immer so, wie es die Allgemeinheit und die Touristen nicht ablichten würden. Das ist ein Grundsatz, der dir zu interessanten und unkonventionellen Fotos verhilft, die man gerne anschaut und nicht jeder schon fotografiert hat. Also versuche einiges anders zu machen. Lege dich auf den Boden, fotografiere von unten oder von weit oben (eine Leiter ist gar nicht so ein schlechtes Fotografenuntensil), oder sogar senkrecht aus der Vogelperspektive, ganz sicher nicht immer aus dem Stand und bequem aus Augenhöhe. Verwende Hoch- und Querformat. Spiele auch mit Perspektiven und Verzerrungen. Mache nicht den Fehler, das Hauptmotiv immer in der Mitte zu platzieren. Bei gewissen Perspektiven wirkt es aber. Ausnahmen bestätigen die Regeln und Regeln soll man manchmal brechen. Das gibt besondere Fotos, die niemand erwarten würde. Arbeite mit dem Goldenen Schnitt. Lass in deinem Sucher das Raster anzeigen, damit du deine Fotos besser komponieren kannst. Richte dein Foto an bestehenden Linien aus, versuche Eckläufer, Diagonalen oder eine Zentralperspektive einzubauen. Achte immer darauf, den Horizont einzuhalten. Es sieht „Schei…“ aus, wenn das Foto nach links oder rechts wegkippt, vor allem bei Wasserflächen! Aber auch geometrische Muster lassen sich gut verwenden und in Szene setzen. Manchmal muss man experimentieren, die Seiten wechseln, mit der Kamera zurück- oder weiter nach vorne oder oben gehen. Es lohnt sich immer, das Motiv von allen Seiten in Augenschein zu nehmen. Nur so findet man manchmal die ultimative Kameraposition in der Landschaft des Spots.

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6. Suche das interessante und geheimnisvolle Licht
Ohne Licht gibt es keine Fotografie, keine Lichtmalerei. Das richtige Licht ist das Entscheidende, dann hast du schon gewonnen. Stelle immer zuerst fest, woher das Licht kommt (von vorne, von der Seite, von hinten, Gegenlicht, Streiflicht, diffuses Licht). Je nach dem wirken die Fotos ganz unterschiedlich. Fotografiere nicht in der grellsten Sonne der Mittagszeit. Mache deine Fotos in den farbigen Stunden des Tages; nutze die blaue und die goldene Stunde früh morgens oder abends. Mache dich auf die Suche nach Licht und Schatten. Halbschattige Orte sind optimal für gute Fotos. Versuche die Stunden der schönsten Stimmung an diesem Ort zu ergründen und aufs Foto zu bringen. Viele Leute mögen das warme Licht aus einer Richtung vor allem um Sonnenauf- und -untergang. Bei rotgoldenem Licht, bei rosa schimmerden Wolken, langen Schatten flippen die meisten Leute fotografisch aus. Blendensterne auf Lichtern, Lampen und von der Sonne sind immer ein Hingucker und gar nicht so einfach gut hinzubekommen. Blitz und Donner, Regenbogen, düstere Wolken und schleichender Nebel in kühlem Licht sind aber auch eine gute Option. Wolkenwetter ist oft besser als ein stahlblauer Himmel. Merke dir: Schlechtwetter ist eher Fotografenwetter! Und manchmal ist lange genug warten und beobachten eine Methode, die zu einem aussergewöhnlichen Foto führen kann.

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7. Alles von vorne bis hinten scharf ist sehr gut – aber nicht immer die beste Lösung
Der Autofokus deiner neuen Kamera ist eine gute Sache, jedoch nur, wenn man damit umzugehen versteht. Studiere die Fokusmöglichkeiten deiner Kamera ausführlich. Denke daran, dass manchmal nichts mehr geht (Dunkelheit, geometrische Muster, Gestrüpp, usw.), ohne man fokussiert manuell mit dem Einstellring am Objektiv.
In der Landschaftsfotografie möchte man gerne von hinten bis vorne alles scharf haben. Verwende dazu möglichst ein Weitwinkelobjektiv und befasse dich beim richtigen Fokussieren mit der Technik der „Hyperfokalen Distanz“ (recherchiere einmal, was das ist), dann wirst du keine Probleme mit dem Fokussieren mehr haben.
In anderen Sparten der Fotografie will man bewusst mit Schärfe und Unschärfe gestalten. Merke dir dazu: Offene Blende und / oder grosse Brennweite gibt geringe Tiefenschärfe. Geschlossene Blende (aber nicht total wegen der Beugungsunschärfe) und / oder geringe Brennweite gibt eine grosse Tiefenschärfe. Damit kannst du deine Fotos wunderbar mit Schärfe und Unschärfe gestalten. Bei Nahaufnahmen von Blumen oder Menschen und Tieren (Portraits) erreichst du so ein wunderschönes Bokeh im Hintergrund.
Du musst auch daran denken, dass du bei kurzen Verschlusszeiten bewegte Objekte eher richtig scharf bekommst und dann sogar aus der Hand fotografieren kannst. Bei längeren Verschlusszeiten muss du immer beachten, dass bewegte Objekte verwischen, unscharf werden und man eher aufgestützt oder mit Stativ arbeiten sollte. Man vergisst leicht im Eifer des Gefechts, dass auch im Winde wiegende Blätter oder Halme bei der Schärfe ein Problem darstellen können.

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8. Entwickle (bearbeite) deine Fotos vorsichtig aber wirkungsvoll
Wenn du die Tipps befolgt hast, fotografierst du nun in RAW und entwickelst deine Fotos selber. Verwende ein gutes Bearbeitungsprogramm. Bearbeite deine Fotos vorsichtig, behutsam und nur soviel wie nötig. Lieber zu wenig Bearbeitung als zu viel. Weniger ist meistens besser. Es gibt nichts Schlimmeres, als zu stark gezogene Fotos in Farben, Klarheit und Schärfe. Die richtige Entwicklung einer RAW-Fotografie ist eine Kunst. Die Kunst ist, so zu bearbeiten, dass das Foto wunderbar wirkt, man aber nicht merkt, was, wo und wie bearbeitet worden ist. Recherchiere einmal das Thema Luminazmasken, denn mit dieser Technik bringst du deine Fotos zum Strahlen. Lass es dir von einem zeigen, der’s kann oder belege einen Kurs oder Workshop, dann wirst du am meisten Erfolg haben und zwar schnell und von Anfang an.
Und zum Schluss, arbeite nie am Original und vergiss nie, die nötige Anzahl Sicherungen (mindestens zwei, besser drei) zu machen, sonst stehst du unter Umständen am Schluss total ohne Fotos da!

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9. Viele Fotos machen, üben, üben, üben; Fotos von Profis anschauen, analysieren und einiges mehr
Fotografiere viel, versuche mit jeder Aufnahme besser zu werden und keine Fehler von früheren Aufnahmen zu wiederholen. Mache die Anfängerfehler nur einmal. Schaue immer wieder die Fotos von Könnern an und beobachte, wie diese ein Foto gestalten. Studiere Fotobücher, Fotoblogs, Anleitungen in YouTube und dergleichen. Wenn du die Möglichkeit hast, belege bei einem oder einer, der/die es kann einen Workshop. Vermutlich wirst du dabei sehr viel profitieren.
Etwas vom Besten: Suche dir einen Fotofreund, eine -freundin mit dem/der du dich austauschen kannst. Dann könnt ihr zusammen miteinander und voneinander lernen.

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10. Offen sein für Kritik von Fotokollegen, immer weiter lernen, man hat nie ausgelernt!
Hole aufbauende Kritik zu deinen Fotos ein. Das kannst du von deinen Fotofreunden oder in Fotogruppen, Fotoclubs oder in Workshops bekommen. Versuche die Kritik an deinen Fotos ernst zu nehmen, daraus zu lernen und diese Anregungen dann beim nächsten Mal umzusetzen. Du wirst staunen, wie schnell du besser wirst. Beteilige dich an Wettbewerben, zeige deine Fotos in sozialen Medien, achte auf die Kommentare, dann wirst du schnell Rückmeldungen erhalten, welche dir zeigen, wo du etwa stehst in der Fotografie und die dir mächtig weiterhelfen werden.

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So und nun viel Vergnügen beim Fotografieren,  beim „Besserwerden“ und immer daran denken, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also, alles schön in der Reihe der 10 Fotogeboten angehen!

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Fotoquellen:
Das Titelfoto und alle Beislpiel- und Illustrationsfotos sind von Birgit und Ruedi Immoos Fotografie und unterstehen dem © Copyright.

Alle unsere Fotos unter www.immoos.net

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