Haben Sie schon mal den Mann im Mond… fotografiert?

Datum: 21. Januar 2019

Wie bekommt man unseren Erdtrabanten am besten auf den Sensor? Dies ist nicht so wahnsinnig schwierig, aber gar nicht so einfach, wenn man nicht weiss, worauf man achten sollte.

Der heutige Montag, 21. Januar 2019 ist prädestiniert, um einen Blogartikel über die Mondfotografie zu schreiben. Einerseits fand heute früh zwischen halb vier (03:36) und ungefähr kurz vor acht Uhr (07:50) eine Mondfinsternis, auf dem Höhepunkt (06:12) eine totale, mit dem Phänomen des Blutmondes statt. Andererseits war heute in der Innerschweiz das Wetter so neblig und bewölkt, dass man das Spektakel nicht oder nur qualitativ ungenügend fotografieren konnte. Darum blieben wir zu Hause – leider! So hatte ich also frühmorgens einige Stunden freie Zeit, um über die Mondfotografie zu schreiben. Wir versuchen, mit diesem Artikel, allen Interessierten zu zeigen, wie Birgit und ich es anstellen, den Mond interessant und sehr gut auf ein Bild zu bekommen.

Die meisten Leute, die einen Fotoapparat besitzen,  haben schon versucht, den Mond zu fotografieren. Meistens begegnet uns unerwartet auf einem Spaziergang plötzlich die Vollmondkugel, romantisch leuchtend am Firmament. Das Herz frohlockt, der Vollmond ruft! Schnell wird Handy oder Fotoapparat gezückt und das Ganze schön festgehalten, ganz einfach – meint man. Das Ergebnis ist dann leider gar nicht so romantisch und total enttäuschend. Mitten im Foto, nein im goldenen Schnitt, Mitte ist ja schlecht, das wissen wir schon, gleisst entweder eine total überbelichtete und ausgebrannte weisse Scheibe, ohne jede Struktur, auch den berühmten „Mann im Mond“ sucht man vergebens oder der Mond ist total verwackelt, unscharf, manchmal gar keine Kugel, sondern ein total ovales Ei, letzteres, weil man zu lange belichtet hatte. Von der Umgebung sieht man meistens gar nichts, als einige dunkle Umrisse oder ein totales „abgesoffenes“ Schwarz. Nicht aufregen, das ist uns am Anfang auch passiert. Beim nächsten Mal besser machen, heisst die Devise. Aus Fehlern lernt man schnell!

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Mondfotografie funktioniert – wie bei fast allem in der Fotografie – am besten, wenn man sie geplant angeht. Man muss sich zuerst mit dem leuchtenden Kerl am Nachthimmel auseinander setzen, etwas wissen über ihn und seine Mondphasen, wo und wann er auf- und untergeht und wann er überhaupt nicht scheint. Nur dann weisst du, wann man erfolgreich losziehen muss, um richtig gute Fotos mit dem Mond zu schiessen, wenn dann das Wetter auch noch seinen Teil beiträgt. Mit Internet und Apps ist das aber heute nicht mehr schwierig, das kann jede und jeder!

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Die meisten wollen nachts den Vollmond fotografieren. Man sollte aber auch daran denken, dass die schmale Sichel des zu- oder abnehmenden Mondes oder auch der beinahe durchsichtige, bläuliche Vollmond bei Aufgang am Nachmittag oder am frühen Abend, noch bei Tageslicht, dich mit wunderschönen Bildern verzaubert. Besonders bewegend ist der Moment, wenn der Vollmond hinter einem Berg oder einer Krete, mit oder ohne Bewaldung oder anderen Silhouetten, langsam hervorkommt und aufsteigt. Dann erscheint er aus physikalischen Gründen in der Nähe des Horizonts auch viel grösser. Wenn man dann noch sein Teleobjektiv gekonnt in den Einsatz bringt, holt man ihn noch etwas heran. Dann erscheint er auf dem Bild fast unnatürlich gross und mächtig. Hast du auch noch alle Einstellungen am Fotoapparat optimal geregelt, wirst du mit der wunderbaren, reliefartigen Struktur der Krater und Ebenen belohnt. Der „Mann im Mond“ wird dann gewiss auch sichtbar sein und setzt dem Bild die Krone auf.

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Grundsätzlich gibt es nach unserer Ansicht vier Möglichkeiten, den Mond zu fotografieren, nämlich:

Den Mond ganz gross und alleine am Himmel aufnehmen.

Ihn beim Hochsteigen hinter dem Horizont mit Landschafts- oder anderen Elementen aus der Ferne abbilden. Diese beiden Varianten macht man mit einem Teleobjektiv.

Den Mond in eine Landschaftsfotografie mit Vorder- und Hintergrund einbauen. Diese Aufnahmen erstellt man mit einem Weitwinkel- oder Normalobjektiv (z.B. 50mm).

Den Mond separat fotografieren. Die Landschaft und noch weitere Elemente separat fotografieren. Die erstellten Fotos in einem Composing verwenden.

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Die zwei hauptsächlichen Probleme bei der Fotografie des Mondes sind die richtige Belichtung (ausbrennen, Mond zu hell) und das Fokussieren. Damit man diese Probleme lösen kann, gibt es verschiedene Wege. Am einfachsten ist es, wenn der Mond alleine oder hinter dem Horizont aus der Ferne mit dem Teleobjektiv aufgenommen wird. Dann kann man mit einer etwas schnelleren Zeit und einer leicht geschlosseneren, mittleren Blende und nicht so hohen ISO Einstellungen sehr gute Ergebnisse erzielen. Das Rauschen ist dann nicht vorhanden, minimal oder bei der Entwicklung gut korrigierbar. Immer gut darauf achten, dass man nicht zu hell (helle Stellen brennen aus), aber auch nicht zu dunkel (Rauschgefahr beim Aufhellen) fotografiert.
Den Fokus kann man entweder automatisch, direkt auf den Mond oder wenn das nicht klappt, manuell auf „unendlich“ einstellen. Damit du genau weisst, wo bei deinem Objektiv unendlich ist, solltest du einmal bei Tageslicht automatisch in der Ferne auf „unendlich“ fokussieren und schauen, was deine Skala anzeigt. Es ist nämlich nicht immer genau auf dem Unendlichzeichen (liegende Acht). Dann merkt man sich das für die manuelle Einstellung in der Nacht oder bei schwierigen Verhältnissen.
Beim Titelfoto dieses Blogartikels (Mond gross) fotografierte Birgit mit folgenden Einstellungen: Stativ; Objektiv: Nikkor 70-200/2.8 mit Telekonverter 2.0 bei 400mm; 1/250s; f8; ISO400; Fokus manuell direkt auf den Mond.

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Will man den Mond gut in sein Landschaftsfoto mit Vordergrund, Mittelgrund und Hintergund einbauen, gibt es einiges zu beachten. Das Problem mit dem zu hellen Mond kennen wir bereits; es gilt, dieses weiterhin zu beobachten. Zusätzlich bekommen wir ein Fokusproblem. Entweder ist der Vordergrund scharf oder der Hintergund. In dem man auf die „hyperfokale Distanz“ fokussiert, kann man es einigermassen lösen. Um beide Probleme in einem Aufwasch zu lösen, macht man ab Stativ zwei oder mehr Fotos mit verschiedener Fokussierung z. B. auf Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund (automatisch oder manuell, je nach Situation) und wegen des hellen Mondes fotografiert man ein wenig dunkler mit einer etwas geschlosseneren Blende. Nachher rechnet man die verschiedenen Fotos in PS zu einer Aufnahme zusammen. Dieses Vorgehen nennt man „Fokus-Stacking“ (Achtung: Den Bildausschnitt bei den gültigen Stackingfotos nicht verändern, sonst funktioniert es nicht). Es ergibt pixelscharfe Fotos von vorne bis hinten. Dieses Verfahren wenden wir bei solchen Aufnahmen gerne an. Mit etwas Übung kann man das sehr schnell (Beispielfoto unten).

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Will man seine Fotos selber bei der Entwicklung und Bearbeitung noch mehr komponieren, fertigt man ein Composing an. Dazu fotografiert man alle benötigen Fotoelemente einzeln, so gut man dies in der Situation kann. Meistens den Vorder-, und Mittelgrund, den Hintergrund (Himmel) und in unserem Fall noch den Mond. Um die Elemente in verschiedenen Ebenen zu einem Bild zusammen zu setzen, muss man die Elemente des Vordergrunds und des Mondes sauber mit PS freistellen. Dann kann man die drei Ebenen hintereinander anordnen, komponieren und je separat bearbeiten, bis das Foto stimmig ist. Eine genauere Anleitung würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Manchmal kann man mit Composings super coole Bilder gestalten.
Composings sind in der Fotografenwelt jedoch umstritten. Die einen verdammen sie als Lügenwerk, Manipulation oder Betrug, während die anderen das freie Komponieren und die faszinierende, fast grenzenlose, bildlich-künstlerische Kreativität dieser Art der Fotografie lieben! Man sollte darum diese stark gestalteten und komponierten Fotos bei Veröffentlichung mit dem Begriff „Composing“ bezeichnen (drei Beispielfotos zum Composing sind unten folgend).

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Zum Schluss einige Praxistipps von uns, damit Mondfotos gelingen:

  • Rekognosziere deine Spots vorher, damit du weisst, wo der Mond genau aufsteigt, steht oder untergeht und du dich dort auskennst.
  • Mondfotos gelingen vor allem bei kalter, trockener, klarer Wetterlage!
  • Verwende immer ein Stativ und die Fernauslösung oder zumindest den Selbstauslöser mit 2-5 s Verzögerung!
  • Stelle immer die Spiegelvorauslösung ein!
  • Schalte den Verwacklungsschutz am Objektiv bei Fotos ab dem Stativ aus!
  • Will man einen grossen Mond auf dem Foto haben, verwende ein Teleobjektiv mit einer Brennweite zwischen 400-600mm oder mehr. Denke daran, dass Teleobjektive eine geringe Tiefenschärfe aufweisen. Prüfe darum die Schärfe des Fotos immer am Monitor. Bei einem Fotoapparat mit hohen MP, kann man den Mond auch gut mit einem Ausschnitt in Szene setzen und auf dem Bild noch vergrössern!
  • Wenn du mit einem APS-C Sensor aber mit Vollformatobjektiven fotografierst, ist der Cropfaktor dein Freund und verschafft dir einen Brennweitenvorteil!
  • Fotografiere immer in RAW, bei der Entwicklung des Fotos bringt dies viel bessere Resultate!
  • Schalte die ISO-Automatik aus und stelle Werte bis ca. 400 ISO manuell ein!
  • Fotografiere manuell, die automatische Belichtungsmessung funktioniert schlecht!
  • Fotografiere vielleicht auch einmal mit Belichtungsreihen, dies bietet mehr Möglichkeiten bei der Bearbeitung des Fotos!
  • Verwende etwas schnellere Belichtungszeiten in der Ausgewogenheit zwischen Blenden und möglichst niedrigen ISO Werten! Faustregel: Je höher die Brennweite, desto schneller die Belichtungszeit.
  • Verwende mittlere Blenden, die meisten Objektive liefern so sehr gute Abbildungen!
  • Kontrolliere nach jeder Aufnahme das Foto auf dem Monitor, vergrössere es, kontrolliere Schärfe und Belichtung (weiss ausbrennen). Korrigiere entsprechend für die nächste Aufnahme.
  • Merke dir die Einstellungen von besonders gut gelungenen Fotos für das nächste Mal!
  • Wenn du fertig fotografiert hast, stelle immer alle veränderten Einstellungen am Fotoapparat wieder auf die Normalwerte, die du meitens verwendest, zurück!
  • Verwende den RAW-Konverter von PS oder LR und hole bei der Entwicklung und Bearbeitung das Optimum aus deinen Fotos heraus!

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Und nun wünschen wir euch allen viel Glück beim Fotografieren des „Mannes im Mond“!
Birgit und Ruedi Immoos Fotografie

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Fotos:
Die Beispielfotos Nr. 1, 3, 6. 7, 8 und 9 (Drittes Composing: Mond des Titelbildes von Birgit Immoos verwendet) sind von Ruedi Immoos und das Titelfoto des grossen Mondes und die Nr.  2 und 5 sind von Birgit Immoos. Die Fotos vom Blutmond wurden bei der Mondfinsternis 2018 in der Innerschweiz gemacht. Alle diese Fotos unterstehen dem © Copyright.

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