Hyperfokale Distanz – ein gutes Hilfsmittel für durchgehend scharfe Landschaftsfotos

Datum: 10. April 2019

Maximale Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie – keine grosse Hexerei! Wir erklären es hier ganz einfach.

 

Bei den meisten Landschaftsaufnahmen möchte man ja gerne von vorne bis hinten alles wunderbar scharf abgebildet haben. Manchmal ist das gar nicht so einfach zu realisieren. Fast jeder Landschaftsfotograf hat schon Fotos aufgenommen, bei denen ein tolles Motiv mit einem sogenannten Eyecatcher, schöne Blumen (z.B. Krokusse) oder Tiere aber dann auch mit einem schönem Mittel- und interessantem Hintergrund, bei tollem Licht einfach nicht überzeugte. Obwohl man mit einem Weitwinkelobjektiv vom Stativ aus und mit Fernbedienung arbeitete, Verwacklungen also ausschliessen konnte, war entweder der Vodergrund wunderbar scharf, dafür happerte es mit gut sichtbarer Unschärfe beim Hintergrund oder auch umgekehrt. Die Problematik des Fokussierens, ob automatisch oder manuell, meistens zu weit in Richtung unendlich, ist vielen nicht so erfahrenen Fotografinnen und Fotografen schon zum Verhängnis geworden; da nützte auch eine tüchtige Portion Nachschärfung bei der Entwicklung des Bildes nicht mehr viel. Was kann man dagegen tun?

Weitwinkelobjektive bilden im Grunde genommen eine sehr grosse Distanz scharf ab. Je niedriger die Brennweite, desto mehr. Bei längeren Brennweiten verringert diese sich sehr. Man muss darum eigentlich nur genug weit vom Vordergrund entfernt sein, um alles scharf auf dem Foto zu haben. Wie weit, und wohin fokussiert werden muss, das sind die entscheidenden Fragen.
Dabei hilft uns die Methode der „hyperfokalen Distanz“! Das tönt nun sehr kompliziert, ist aber im Grunde gar nicht so schwierig, wenn einmal „der Groschen gefallen“ ist. Dass der „berühmte Groschen“ schnell fällt, dafür wollen wir mit diesem Artikel sorgen.

Schwarzwald_Windgfällweiher_Sonnensgerne_DSC1637-a-Signet-web

Die hyperfokale Distanz gibt uns in Abhängigkeit von der Brennweite des Objektivs, der eingestellten Blende und der Grösse des Sensors die Distanz an, auf die der Fokus gesetzt werden muss, damit eine möglichst grosse Schärfezone von unendlich, zurück in Richtung Kamera entsteht (siehe kleine Grafik weiter unten).

Diese Distanz kann man mit einer speziellen Formel berechnen:
hfD = (Brennweite hoch 2 / (Blendenwert * Zerstreuungskreisdurchmesser)) + Brennweite.

Creux-du-Van-Krüppelbäume-warm-Herbstsonne-Nebelmeer_DSC5532-Signet-web

Das muss man nicht selber machen, dafür gibt es im Netz Tabellen und Rechner oder du kannst dir eine App auf dein Handy laden (z.B. Photopills). Ich habe für euch eine eigene Tabelle für das Vollformat mit gängigen Blenden erstellt. Man kann sie ausdrucken und in die Fototasche stecken, damit sie immer bereit ist. Ihr findet sie bei den Links.
Teilt man die hyperfokale Distanz durch zwei, erhält man die vordere Grenze der Schärfezone, welche von da bis unendlich geht. Somit weisst du, wie nahe du ans Motiv heran kannst, wo dein Vordergrund positioniert sein muss, damit er noch schön scharf abgebildet wird.

Oberambach-Strand-Schlossgut-Hotel_DSC5887-titelbild-WEB
In unserem Beispiel unten muss die Kamera 3.45 Meter vom Vordergrund entfernt sein und der Fokus bei 6.9m gesetzt werden, dann hast du vom Vordergrund bis unendlich die bestmögliche Schärfentiefe.

Bildschirmfoto 2019-04-12 um 00.21.03

Wählst du eine geschlossenere Blende mit mehr Tiefenschärfe also z.B. Vollformat; 24mm; f11, dann ergibt sich eine vordere Grenze bei 0.9m und eine hyperfokale Distanz von 1.8m (gerundete Werte). Dann hast du von 90cm bis unendlich alles scharf abgebildet! Du siehst, für Landschaftsfotos scharf von vorne bis hinten eignen sich geringe Brennweiten und geschlossenere Blenden besser. Achtung bei zu hohen Blendenwerten (f20, 22, usw.) tritt die Beugungsunschärfe auf und dein Foto wird etwas weniger scharf.

 

Klöntalersee_Steg

Eigentlich theoretisch gar keine grosse Hexerei, wenn da nicht die verflixte Praxis wäre. Auf vielen Objektiven sind zum manuell Einstellen nur rudimentäre Distanzskalen auf dem Fokussierring oder manchmal sogar keine. In der Landschaft ist es nicht immer so leicht, Distanzen zu schätzen, um den Fokuspunkt bei der hyperfokalen Distanz mit dem automatischen oder manuellen Fokus richtig anzusprechen.  Bei kürzeren Distanzen kann man das noch einigermassen abschätzen, nach 100 Metern wird es dann aber schon etwas schwieriger. Mit der Zeit bekommt man jedoch Übung, wenn man sich einige Vergleichsgrössen merken kann. Auf den Zentimeter kommt es ja auch nicht an. Zur Sicherheit macht man einige Fotos mit verschiedenen Fokussierungen um die geschätzte hyperfokale Distanz herum. Dann wirst du dein Ziel erreichen und scharfe Fotos von hinten bis vorne dein eigen nennen können.

Hallwilersee-Frauenbadi-Stgeg-mit-Treppe-und-Podest-Abendlicht_DSC8519-a-Signet-web

 

Wenn du die Tabellen mit den hyperfokalen Distanzen studierst, merkst du sofort, warum geringe Brennweiten in der Landschaftsfotografie besser geeignet und darum beliebt sind. Einerseits bringt man viel aufs Bild und andererseits haben sie eine sehr grosse Schärfezone. Gut abgeblendet ist von ca. 1 Meter – oder noch etwas weniger – bis unendlich alles in der Schärfezone und dein Bild von vorne bis hinten scharf, wenn du den Fokus auf die entsprechende hyperfokale Distanz setzt. Nimmst du zum Vergleich eine längere Brennweite im Telebereich z. B. 70mm, so hast du bei Blende 11 ungefähr auf 15 Meter zu fokussieren und musst den Vordergrund bei ca. 7.5 m positionieren, damit du eine durchgehende Schärfezone bis unendlich bekommst. Mit der Zeit und mit mehr Erfahrung wirst du die gängigsten Distanzen bei Brennweiten und Blenden auswendig wissen.

Schwarzwald-Schluchsee-grosse-Steine-Regenwetter_DSC4639-Signet-web

Zum Schluss noch eine einfache, aber nicht immer perfekte Faustregel: Setze den Fokus ans Ende des ersten Drittels deines Landschaftsbildes und verwende geschlossenere Blenden (f11, 14, 16), dann hast du eine sehr grosse Schärfentiefe. Wenn man jedoch auf ganz sicher gehen will, arbeitet man besser mit der „hyperfokalen Distanz“.

Links:
Rechner für die hyperfolale Distanz 

Tabelle Hyperfokale Distanz Vollformat

Photopills

Fotos:
Alle Beispielfotos des Artikels stammen von Birgit und Ruedi Immoos und wurden mit Hilfe der hyperfokalen Distanz oder der Faustregel aufgenommen, um eine möglichst durchgehende Schärfentiefe zu erreichen. Die Fotos unterliegen dem ©.

Alle Fotos von Birgit und Ruedi W. Immoos finden Sie auf unserer Fotowebsite. Man darf sie gerne anschauen, alles andere auf Anfrage.
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