Landschafts- und Tierfotografie, eine gute Kombination für Fotografen

Datum: 5. Juli 2019

Oder, warum die beiden Sparten der Fotografie für uns ideal zusammen passen.

 

Jede Landschaftsfotografin und jeder Landschaftsfotograf, der das Metier einige Zeit betreibt, kann über die Schwierigkeiten in der anspruchsvollen Landschaftsfotografie ein Liedchen singen. Ein Liedchen, von denen viele Leute, welche die Fotos nur betrachten, keine Ahnung haben. Man merkt als Fotograf schnell einmal, dass tolle, erfolgreiche Landschaftsbilder fotografieren mit einem erheblichen Aufwand und einigen Schwierigkeiten oder Unannehmlichkeiten verbunden sind. Warum das so ist, welche das in etwa sind und wie man damit als Fotografin gut umgehen kann, lest ihr in diesem Blogartikel.

Super Landschaftsfotos können nur in gewissen Zeitfenstern, zu gewissen Wetter- und zu aussergewöhnlichen Lichtbedingungen, an ganz speziell interesssanten, spektakulären Locations aufgenommen werden. Diese vier Bedingungen alle zusammen unter einen Hut zu bringen, heisst meistens sehr früh aufstehen, sehr spät nach Hause kommen, sich manchmal irgendwo in der Pampa oder auch im Grossstadtdschungel die halbe oder ganze Nacht um die Ohren schlagen zu müssen, zu frieren oder zu schwitzen, im ganzen Land oder noch weiter entfernt mit dem Auto herum zu reisen und ständig die Wetterprognosen sowie Sonnen- und Mondaufgang im Radar zu haben, damit man dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort für die bestens geplante, aussergewöhnliche Aufnahme zur Stelle ist. Sonst holst du bei dem gewaltigen, inflationären  „Bilderrauschen im Netz“ nur wenige Betrachter auf dein Profil, deine Seite, zu deinem Foto, das du ja gerne vielen Leuten zeigen möchtest.

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Ihr glaubt es uns nicht so richtig? Dann müsst ihr nur einmal in der Plattform „500px“ die Landschaftsfotos aufrufen (Popular, Kategorie Landschaften, alle Fotografen, Pulse). Die meisten Fotografen aus der ganzen Welt sind in dieser Plattform vertreten. Da werden nämlich alle Fotos mit einem speziell ausgeklügelten, geheimen System namens „Pulse“ bewertet, das die Anzahl und Intensität der Likes, der Views und der Kommentare während 24 Stunden berücksichtigt und in eine Wertung von 0 bis maximal 100 Punkte umrechnet und rangiert. Dieser Wert zeigt dann verlässlicher als bei FB und Co. auf, welche Fotos am besten den Geschmack der Betrachter getroffen haben, also „top angekommen“ sind!

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Ich habe mir mal die Mühe gemacht, diese „besten Fotos der Welt“ zu evaluieren. Daraus ergibt sich, kurz zusammengefasst, dass die höchst punktierten Fotos mehrheitlich dunkel und kontrastreich sind und eine ganz spezielle Stimmung wiedergeben. Die dominierenden Farben sind blau, orange, rot und grün. Die meisten Fotos sind in den farbigen Stunden des Tages, blau und golden, morgens und abends sowie auch nachts aufgenommen worden. Sie beinhalten oft spezielle Wetterphänomene wie Nebel, Dunst, drohende Wolken. Fast alle Fotos in den höchsten Wertungen haben ganz spezielles Licht oder der Sonnenaufgang oder -untergang ist massgeblich an der Wirkung des Bildes beteiligt. In vielen Fotos spielt ein toller Spot oder Superspot mit spektakulärem Vorder-  und schönem Hintergrund oft mit Wasser und Spiegelung eine Rolle. Tageslichtfotos oder andere, nicht diesen Bedingungen entsprechende Fotos bilden die Ausnahme, welche die Regel bestätigen und haben es schwer, sich vorne zu platzieren. Nur wenige aussergewöhnliche solche Fotos können sich in die 99-er Punkte hinein klassieren.*

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Es ist also für Landschaftsfotografen mit hohen Ansprüchen wahnsinnig schwierig, dauernd solche Spitzenfotos zu liefern. Auch deshalb, weil du in deiner Umgebung bald einmal alle aussergewöhnlichen Spots in den verschiedensten Situationen ausfotografiert hast. Neue zu finden, welche die Allgemeinheit als so „schön und betrachtenswert“ empfindet, dass sie grosse Beachtung finden, ist ausserordentlich schwierig. Darum reisen so viele Fotografen allen bekannten Spots nach, die im Netz Erfolg hatten und fotografieren sie selber nach. Fototourismus eben. In letzter Zeit kommt es nicht selten dazu, dass an diesen Locations schon 10, 20 oder mehr Fotografen mit ihren Stativen die Stellung halten, Tendenz durch die Instagram Influencer steigend. Das ist die Krux der Landschaftsfotografen. Hin und wieder findet man selber einen neuen Spot, der Erfolg hat. Es ist aber sehr schwierig und aufwändig, in der Landschaftsfotografie dauernd Spitzenfotos zu produzieren.

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Auch uns beiden geht es so. Auch wir sind schon zu speziellen Spots gereist und haben fotografiert. Auch wir sind ständig auf der Suche nach interessanten Locations, die Potenzial für eine solche Foto besitzen. Auch wir haben schon neue Spots präsentiert und wurden dann nachfotografiert. Wir können die hohe Frequenz mit der Produktion von Super – Landschaftsfotografien einfach nicht ständig duchhalten. Auch wollen wir diesen Fototourismus nicht auch noch selber stark anheizen. Wenn die ganze Geschichte in Stress,  Arbeit und manchmal Ärger ausartet, muss man eine Zäsur machen, sonst macht es keinen Spass mehr. Fotografieren möchten wir jedoch trotzdem.

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Darum suchten wir eine spannende Alternative. Jetzt kommt die Tierfotografie ins Spiel. Diese ist sehr spannend, interessant, kann während des ganzen Tages bei fast jedem Licht ausgeführt werden. Du kannst in Tierparks, Zoos, Vogelparks, usw. fotografieren. Da wirst du schnell fündig, ohne stundenlang warten zu müssen. Du kannst auch in Bird Life Centren aus der Vogelhide fotografieren. Wenn es dir da zu viele Leute hat, kannst du dich aber auch in Naturschutzgebieten oder in freier Wildbahn auf die Foto-Lauer legen und dabei die Tiere beobachten, die Natur mit allen Sinnen aufnehmen und zwischen dem Fotografieren die Musse des „Nichts-Tuns“ geniessen.**

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Das unblutige Jagdfieber wird dich unweigerlich packen und du wirst viel Neues über die Geschöpfe unserer Heimat lernen. Zusätzlich wirst du, je besser du die Zoologie und das Verhalten der Tiere kennst, mit tollen Tierfotos belohnt. Auch bei dieser Fotografie kann man auf eine gute Gestaltung, tolles Licht, spezielle Situationen acht geben und spannende, bewegende Fotos präsentieren.

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Und nach einiger Zeit Tierfotografie bist du wieder total entspannt, erholt und bereit für neue, tolle Bilder von Landschaften, die du mit Elan und Vorbereitung selber erkundet und gefunden hast! Vielleicht schauen dann auch andere Fotografen diese Fotos etwas genauer an und hängen mit ihren Likes und Kommentaren nicht nur an den Bildern der abertausendmal nachfotografierten, immer gleichen Super-Spots.

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Wir Fotografen, Nutzer und Nutzerinnen der Social Medias haben es doch selber in der Hand (im Likefinger), etwas mehr für neue, kreative, schöne Landschaftsfotos im Umkreis der Superspots zu tun.

* Bemerkungen:
* Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Qualitätsbegriff immer mehrschichtig ist und wir hier nur die Popularität (Qualität ist, was gefällt!) beschrieben und untersucht haben, weil dies in den sozialen Medien meistens ausschlaggebend ist. Keines Falles massen wir uns an, leichtfertig fotografisch-künstlerische oder fototechnische Qualität damit gleich zu setzen. Nicht alles, was gefällt, ist halt Qualität und nicht alles, was diese zweitgenannte Qualität aufweist, gefällt!

** Es wird hier vorausgesetzt, dass für die Tierfotografie eine etwas andere fotografische Ausrüstung notwendig ist, als Landschaftsfotografen sie benutzen. Ein gutes, lichtstarkes Tele- und/oder Makroobjektiv sowie vielleicht einen Gimbal für das Stativ und einen Feldstecher muss man sich dazu natürlich anschaffen. Wir haben es mit Freude getan und bereuen es nicht.


Fotos:
Die Fotos im Artikel stammen alle von Fototouren von Birgit und Ruedi Immoos (siehe Wasserzeichen) und unterliegen dem ©.

Link:
Alle unsere Fotos: www.immoos.net

Birgit und Ruedi Immoos auf 500px

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