Vogelfotografie – wage es und du wirst begeistert sein!

Datum: 13. Juli 2019

Tipps und Kniffs für tolle Tier- und Vogelfotos

 

Als begeisterte Landschaftsfotografen, die sich viel in der Natur aufhalten und dabei auch öfters in Kontakt mit der Tierwelt kommen, fragten wir uns manchmal, wie die guten Tier- und Vogelfotografen wohl diese tollen und spektakulären Fotos machen können? Bei uns wollte es einfach nicht richtig klappen. Bis wir uns für die Tieraufnahmen bereit gemacht hatten, waren die „gefiederten oder gepelzten“ Freunde bereits über alle Berge oder im Dickicht der Gebüsche verschwunden! Doch man merkt sehr schnell, dass auch in der Tier- und Vogelfotografie richtige Ausrüstung, Planung, Vorbereitung und etwas zoologisches Fachwissen sowie ein wenig Geduld und Talent den Grossteil des Erfolges ausmachen. Jeder Fotograf schafft es irgendwie, mal eine Amsel, einen Sperling oder eine Elster als Schnapsschuss im Garten zu fotografieren. Will man aber bewegende, spektakuläre Fotos von speziellen, wildlebenden, scheuen und auch eher seltenen Vögeln fotografieren und dabei noch auf ein wunderbares Bokeh mit schönem Licht sowie auf eine tolle Gestaltung des Bildes achten, wird die ganze Angelegenheit zur Herausforderung. Deshalb wollen wir hier unsere Erfahrungen weitergeben, damit auch andere von der Tier- und Vogelfotografie angefressen werden und die Vögel gut vor die Linse bekommen.

Auf die richtige Fotoausrüstung kommt es an!
Das Zauberwort in der Tier- und Vogelfotografie heisst: „Brennweite“! Ohne ein ganz gutes Teleobjektiv für deine Kamera geht leider in der Vogelfotografie fast gar nichts. Da die meisten Wildtiere sehr scheu und wachsam sind, Vögel ganz besonders, kommt man meistens, ohne ganz spezielle Vorkehrungen, von denen wir noch sprechen werden,  nicht nahe genug an diese Tiere heran. Darum haben wir die Erfahrung gemacht, dass Brennweiten unter 300 mm in den meisten Fällen nicht zielführend sind. Besser ist es alleweil, etwas mehr mm zur Verfügung zu haben. Die Krux ist dabei, je mehr gute, lichtstarke Brennweite, desto teurer, schwerer und voluminöser wird in der Regel die ganze Sache. Das kann ganz schön ins Geld gehen, kosten doch die erstklassigen Teleobjektive mit hoher Brennweite schnell zwischen SFr. 5000.- bis zu SFr. 20’000.– oder noch mehr.

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Zum Glück gibt es für uns Hobbyfotografen auch günstigere, gute Alternativen. Es gibt von Tamron, Sigma, Nikon und Canon und wie sie alle heissen auch preiswerte Teleobjektive, welche in der Tierfotografie gute Ergebnisse erzielen und bezahlbar sind. Da wir mit Nikon fotografieren, können wir hier – guten Gewissens – nur darüber berichten. Wir fotografieren unsere Tiere und Vögel mit dem Vollformat Zoom-Teleobjektiv von Nikon 200-500/5.6. Dafür gibt es einen Tele-Konverter 1.4, der dir bei einer Offenblende von dann nur noch f8 die Brennweite auf 750mm verlängert, was bei guten Lichtverhältnissen ausreicht. Weiter kann man dieses Vollformatobjektiv mit einer APS-C Kamera (z.B. Nikon D500) oder bei einer Vollformatkamera (z.B. Nikon D850) mit dem Umschalten auf das DX-Bildfeld benützen, was uns dann mit Konverter und dem Cropfaktor von 1.5 zu 1050 mm Brennweite verhilft. Ohne den Telekonverter erreichst du so mit dem Nikon 200-500/5.6 eine Brennweite von 750mm bei einer Offenblende von 5.6. Diese Möglichkeiten hat man auch mit den günstigeren Objektiven der anderen Marken. Telekonverter gibt es auch mit dem Faktor 1.7 oder 2.0. Damit gelingen auch mit Objektiven in der Preisklasse von rund SFr. 2000.– sehr gute Tierfotos.

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Ganz wichtig ist es, dass diese Objektive einen digitalen Verwacklungsschutz aufweisen, damit man auch aus der Hand oder vom Einbeinstativ aus gute Bilder schiessen kann. So ist man sehr flexibel, um seine Positionen schnell den Motiven entsprechend wechseln zu können. Noch bessere (schärfere) Ergebnisse erzielt man mit einem Stativ und einem Gimbal als Kopf. Der Gimbal ermöglicht, dass die Kamera mit grossem, schwerem Teleobjektiv ausbalanciert kardanisch auf dem Stativ befestigt, aber doch in der Waagrechten und Senkrechten schnell auf das Motiv ausgerichtet und so fotografiert werden kann, ohne dauernd die schwere Ausrüstung krampfhaft halten zu müssen.

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Tarnung, Tarnung, Tarnung!
Wildtiere, vor allem auch Vögel sind sehr scheu und sie müssen dauernd auf der Hut sein vor ihren Feinden. Darum sind sie sehr aufmerksam, sichern immer wieder die Umgebung und suchen ihr Heil beim kleinsten Anzeichen einer Gefahr durch die Flucht. Darum ist es wichtig, dass du getarnt an die Arbeit gehst. Ganz gut sind Tarnanzüge wie im Militär oder zumindestens olive oder naturfarbene, nicht auffällige Kleidung und ganz ruhiges Verhalten. Man muss sich frühzeitig an geschützen Orten, hinter Baumstämmen, Hecken und Büschen platzieren, seine Ausrüstung ruhig aufstellen und bewegungs- und geräuschlos geduldig warten, bis die Normalität im Tierreich wieder eingekehrt ist. Bald nehmen die Vögel ihre normalen Ansitze wieder auf. Es gibt im Handel sogar Tarnzelte, Ganzkörpertarnanzüge, unter denen du und deine Ausrüstung vollständig unsichtbar sind. Sowas benützen wir jedoch (noch) nicht. Auch die Teleobjektive werden oft mit speziellen Tarnungen versehen, damit sie weniger auffallen.
Tarnen kann man sich auch sehr gut in speziell zur Vogelbeobachtung vielerorts in Naturschutzgebieten gebauten Beobachtungshütten (Hiden), Beobachtungswänden, Beobachtungstürmen usw. Darin ist man vor den Vögeln versteckt und nur eine kleine Öffnung ist vorhanden, um zu fotografieren oder mit Feldstecher zu beobachten. An diesen Orten verhält man sich sehr ruhig, flüstert nur und kleidet sich auch dort getarnt oder zumindest unauffällig.

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Mit welchen Einstellungen hat man am ehesten Erfolg?
Die ersten Versuche in der Vogelfotografie gelten wohl Vögeln, die irgendwo in der Nähe auf einem Ast sitzen und einigermassen ruhig am gleichen Ort bleiben. Dazu verwendet man zu Beginn vorteilhaft die Zeitautomatik (bei Nikon A, bei Canon Av). Damit kannst du die Blende selber wählen, die Zeit wird automatisch festgelegt. Die ISO sollte man immer so tief wie möglich wählen, um starkes Rauschen zu vermeiden. Wenn du mit dem Teleobjektiv fotografierst, ist es bei der Vogelfotografie vorteilhaft, die Offenblende einzustellen (bei mir ohne Konverter f5.6, mit Konverter f8), da du ja direkt auf den kleinen Vogel, bei mehr Erfahrung auf das Auge des Vogels fokussierst und so meistens noch genügend Tiefenschärfe vorhanden ist. Mit dem Einstellen der ISO, kann ich dann die Zeit, die automatisch gewählt wird, genau steuern. Je nach dem, ob sich der Vogel bewegt, stark bewegt oder sogar wegfliegt, beeinflusse ich mit der Erhöhung oder Verminderung der ISO-Werte die Verschlusszeit. Es ist immer ein Abwägen zwischen Zeit und ISO bei Offenblende, welches mir die Möglichkeit gibt, für die entsprechende Situation, schnell die vorteilhafteste Einstellung zu wählen. Nach unseren Erfahrungen muss man bei schnell fliegenden Vögeln mindestens 1/2000s erreichen, um gute Ergebnisse zu erhalten. Dies nur als Anhaltspunkt.

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Bei der Fokussierung kommt es wiederum darauf an, ob der Vogel am Ort bleibt, sich wenig bewegt, stark bewegt, sich sogar fortbewegt. Je nach dem wählt man die güstigste Art zu fokussieren: Einzelautofokus (an Ort bleibend), Kontiunierlicher Autofokus (Bewegung), Verfolgungsautofokus, bei Nikon 3d-Tracking genannt (Fortbewegung, Flug). Wir schreiben hier aus der Sicht von Nikonanwendern. Andere Marken funktionieren gleich oder sehr ähnlich, man muss halt das Handbuch konsultieren. Mit mehr Erfahrung geht das dann mit der Zeit und mehr Übung fast automatisch. Dann ist man auch in der Lage, viel mehr Einstellungen schnell manuell vorzunehmen und auch die Serienbildfunktion zu nutzen. Nichts desto trotz, es ist immer noch eine sehr grosse Herausforderung, sich bewegende, vor allem schnell bewegende Motive zu fokussieren und gut zu fotografieren.

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Wo kann ich denn am besten Vögel fotografieren? (von einfach zu schwierig)

  • Im eigenen Garten die bekannten Singvögel fotografieren, in dem man sie an einer gewissen Stelle anfüttert und in der Nähe Ansitze errichtet, die man dann von einer getarnten Stelle aus fotografiert.
  • Wasservögel an Seen fotografieren.
  • Vögel in Vogelparks, Zoos oder Tiergärten, Tierparks fotografieren.
  • Vögel in Birdlife Centern frei oder aus Beobachtungshiden fotografieren.
  • Vögel in Naturschutzgebieten von Beobachtungstürmen oder ähnlichem aus fotografieren. Sich immer an die geltenden Regeln halten!
  • Vögel in freier Wildbahn durch Beobachtung und Studium von zoologischen Fachbüchern aufspüren und getarnt fotografieren. Sich immer an die geltenden Regeln, Gesetze und den Verhaltenskodex in der Ornithologie halten. Fotografiere immer nur so weit entfernt und so, dass du damit die Brut nicht gefährdest!

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Wie mache ich Vogelfotos interessant, spannend und spektakulär?
Wenn du dann Erfahrungen gesammelt und viele Vögel in Normalposition fotografiert hast, wagst du dich dann auch an fliegende Vögel, sich paarende Vögel, Vögel mit Beute oder Futter im Schnabel, landende Vögel, fütternde Vögel, sich badende Vögel, usw. Eine weitere Art sein Foto zu gestalten sind das spezielle Licht, das dezente, kontrastierende, pastellene Bokeh und die allgemeinen Kompositionsregeln.

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Etwas vom Wichtigsten in der Vogelfotografie ist die Geduld.
Wir wünschen euch viel davon und natürlich tolle Vogelfotos!
Birgit und Ruedi

 

Fotos:
Die Fotos im Artikel stammen alle von Fototouren von Birgit und Ruedi Immoos (siehe Wasserzeichen) und unterliegen dem ©.

Link:
Alle unsere Fotos: www.immoos.net

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