Die Entstehungsgeschichte hinter einem schönen Foto bleibt meistens geheim, weil…

Datum: 20. Januar 2020

Wenn die Fotografen aussergewöhnlicher Fotos beim Posten etwas über die Entstehungsgeschichte preis gäben, würden manche Betrachter vielleicht etwas länger bei dem Bild verweilen. Man könnte besser von guten Fotos profitieren. Es würde sich einiges ändern in der Fotoszene.

Hand auf’s Herz: Ist es dir nicht auch schon passiert, dass du dir gar nicht genügend Zeit für das Betrachten der Fotos in den sozialen Medien nehmen konntest? Musstest du nicht auch schon, die in deine Timeline aufgespielten Fotos deiner Freunde, Follower, Fans oder wie sie in den verschiedenen Plattformen heissen, in einem etwas schnelleren Tempo sichten, durchwischen und in kurzer Zeit entscheiden, ob das Foto gut genug ist, um es zu öffnen, länger und genauer zu betrachten, deinen Likefinger zum Ausschlagen zu bewegen oder um es sogar zu kommentieren und mit einem kompetenten Kommentar etwas Gutes darüber zu sagen und der Fotografin oder dem Fotograf damit deinen Respekt vor seiner Arbeit zu erweisen?

Man kann es gut verstehen – aber nicht immer entschuldigen. Bei der heutigen Flut von hochgeladenen Fotos, bei diesem immensen „digitalen Bilderrauschen“ im Netz, ist es manchmal schon etwas schwierig, die Fotos mit der notwendigen Sorgfalt zu betrachten, zu bewerten, einzuordnen und der fotografischen Produktivität aller deiner Freunde, Follower, Fans oder wie sie in den verschiedenen Portalen bezeichnet werden, wirklich gerecht zu werden.  Dabei würde es sich für dich sehr lohnen, einigen der sehr guten und aussergewöhnlichen Fotos etwas mehr Zeit und Beachtung zu schenken, um von ihnen und an ihnen – auch durch das bei den Fotografinnen und Fotografen nicht gerade  beliebte Nachfotografieren – zu üben und zu lernen.

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Oft erfährt man leider nur sehr wenig über das gepostete Foto. Vielleicht heisst es da einfach: „Kapelle im Abendlicht“, „Morgengrauen in den Bergen“ oder „Abend am See“. Diese Titel erhöhen die Spannung nicht besonders und laden auch nicht gerade ein, sich näher mit dem Foto zu beschäftigen. Manchmal werden die Bilder auch mit englischen Fantasienamen betitelt, um nicht mehr über die Location und die Entstehungsgeschichte des Fotos preisgeben zu müssen. Uns und anderen Fotografinnen und Fotografen ist schon klar, gilt es doch für viele, den genauen Standort des Spots zu verschleiern, um das Nachfotografieren des Bildes zu erschweren. Möchte man doch – auch zu Recht – den Erfolg des Fotos einige Zeit für sich beanspruchen. Ob das jedoch der richtige Weg für die Verbreitung von Fotos und die Entwicklung der (Landschafts)-Fotografie ist, wagen wir hier aber anzuzweifeln.

Schluchsee-wintermorgen-Raureif-Sonnenstern-Nebelschwaden_DSC7435-signet-web

Man sollte sich jedoch schon im Klaren sein, dass viele Leute nur Follower deines Profils oder deiner Seite sind, um sich im Netz zu inspirieren, um von anderen, besseren, erfahreneren Fotografinnen zu lernen, wie man spektakuläre und interessante Fotos gestaltet, auch wie, wann und wo man diese am besten machen kann. Als Gegenleistung steigern sie deine Reichweite und machen dich und deine Fotoarbeit durch ihre Likes und Kommentare sowie das Teilen von Fotos auf ihren Seiten und Profilen bekannter.

Bremgarten Vollmondaufgang Reuss_DSC9222-aMond-1-neu-Signet-web

Da die tollen Locations nun jedoch mal etwas rar in der Landschaft gesäht sind und der Fotogeschmack vieler User leider stark auf Gängiges und Bewährtes und solche Mega-Motive gepolt zu sein scheint – was die hohe Beliebtheit der viel fotografierten Superspots beweist – ist es verständlich, dass man als Anfänger, Fortgeschrittener, als Hobbyfotografin solche Motive auch selber einmal mit seiner eigenen fotografischen Handschrift gerne ablichten, daran üben und lernen möchte.  Darum sind die Followers, Freunde oder wie sie heissen daran interessiert, solche Locations zu finden, geografisch zu lokalisieren und zu schauen, wie erfahrene Fotoprofis oder solche, die auf dem Wege dazu sind, es anstellen, diese Motive der Superlative effektvoll auf den Sensor zu bannen und toll entwickelt im Netz zu präsentieren.

Badehaus Stegen gross golden besser von 2018_DSC4547-1-1-Signet-web

Hand auf’s Herz – auch wir haben schon Locations durch phantasievolle Namensgebung  bei den Fotos im Netz verschleiert, um den vielleicht ansetzenden Fotografenrun etwas zu verzögern oder um besonders schutzwürdige Spots in Naturschutzgebieten oder noch intakten und wenig berührten Naturlandschaften vor einer Masseninvasion von Influencern und Fotografen zu bewahren. Manchmal ist das einfach notwendig und muss deshalb richtig verstanden werden!

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Grundsätzlich sind wir aber zur Ansicht gekommen, unsere Kenntnisse und Erfahrungen in der Landschaftsfotografie – auch über Locations – anderen Fotografinnen und Fotografen selbstlos weiter zu geben. Denn auch wir haben so von besseren Fotokünstlern gelernt. Viele haben uns grosszügig geholfen, uns unterstützt und tun das noch immer. Ja, sogar begleitet, Spots gezeigt und ihre Erfahrungen weiter gegeben. Dafür sind wir dankbar und möchten darum auch etwas zurückgeben. Sind wir doch alle eine grosse Fotofamilie, die aufeinander angewiesen ist, ob wir es wollen oder nicht, ob wir Hobbyfotografen oder Profis sind. Gute Profis verkaufen dadurch kein einziges Bild weniger oder verlieren keine Kunden bei ihren Kursen und anderen Aktivitäten – eher das Gegenteil wird der Fall sein, weil sie ja eben diese tollen Bilder als erste machen, besser und einzigartiger und ihre Fotos dadurch werbewirksam verbreiten können und auch beachtet werden. Das kann man im Netz auf deren Profilen gut nachverfolgen.

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Darum finden wir es gut, bei den Veröffentlichungen von tollen Fotos, etwas über die Entstehungsgeschichte, auch hin und wieder die Exifdaten und etwas über die Gegend und die Location des wunderbaren Fotos preiszugeben. Es macht dann einfach auch viel mehr Spass, dieses Foto im Netz genau zu betrachten, zu liken, zu kommentieren und zu teilen, um dem Fotograf, der Fotografin den Respekt für seine tolle fotografische Arbeit zu erweisen. Gleichzeitig zeigt es vielen Leuten auf, wieviel Aufwand eigentlich für ein Klassefoto betrieben werden muss und dass dies meist viel Zeit und einiges an Geld kostet.

Etang-de-Gruyère-Spiegelung-Tageslicht_DSC5938-a-Signet-web

Um den wirklichen Profifotografen in ihrem schwierigen Existenzkampf behilflich zu sein, sollten aber alle Hobby-, auch die Handyfotografen immer daran denken, ihre Fotos bei Anfragen nicht einfach gratis oder unter dem Preis abzugeben – oder sogar diesen Institutionen gratis anzubieten – nur um das eigene Foto mal in einer Zeitung, Illustrierten oder drei Sekunden im Fernsehen z. B. bei Meteosendern zu sehen. Jedes gute Foto hat seinen richtigen und ehrlich verdienten Preis, weil viel Arbeit und Know How dahinter steckt. Das muss endlich in die Köpfe aller Fotografen.

Aarburg-Kirche-Burg-Brücke-Weidlinge-eingedunkelt-lila-Beleuchtung_DSC2734-Signet-web

Das machen wir zwei schon lange so und sehr konsequent. Die Bewegung #nofeenocontent“ hat seine Berechtigung und das ist eine der wichtigsten Leistungen, die Hobbyfotografen im Gegenzug immer machen sollten. Hört auf, die Fotos unter Preis oder gratis abzugeben; dann eben lieber nicht, danke, für die Anfrage, muss es heissen – Fotofamilie eben! Mit der Zeit wird sich dann etwas grundsätzlich ändern – gute Fotos sind dann endlich wieder etwas wert!


Fotos:
Die Fotos im Artikel stammen alle von Fototouren von Birgit und Ruedi Immoos (siehe Wasserzeichen) und unterliegen dem ©. Nachfolgend kleine Entstehungsgeschichten zu den Fotos des Blogbeitrags:

Titelfoto: Bei unserer Reise an den Kochelsee in Bayern haben wir uns unmässig gefreut, die drei Bootshütten, der Superspot schlechthin, in Schlehdorf zu fotografieren. Doch es sollte schwieriger werden als gedacht. Ständiger dicker Nebel wollte sich tagelang nicht lichten und hat uns mehrmals hintereinander undurchdringlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch, nicht aufgeben gewinnt. Einen Vorteil hatte das Wetter – ausser uns waren keine Fotografen vor Ort, wir hatten die Hütten für uns alleine, wo man sonst vor dem Steg in Reih und Glied anstehen müsse, wie uns von einer Spaziergängerin mitgeteilt wurde. Nur bei diesem Steg dürfte man eigentlich fotografieren, da überall Tafeln darauf hinweisen, dass Wege nicht verlassen werden dürfen. Doch immer wieder sieht man Fotos, die von Orten aus fotografiert wurden, deren Betreten nicht erlaubt waren. Wir halten uns an diese Gebote. Und wie immer, Gehorsamkeit, Geduld und Ausharren wird belohnt. Irgendwann klappten dann doch noch ganz schöne, besonders stimmungsvolle Nebelbilder dieses Spots am Kochelsee, eher spektakulär und einzigartig. Das wollen wir doch meistens erreichen – immer mit erlaubten, gesetzeskonformen Mitteln.

Nr. 1: Wenn du dich mit unserem Erdtabanten auskennst, dann weisst du, dass zu gewissen Zeiten im Jahr der Mondaufgang so früh am Nachmittag stattfindet, dass der Mond am hellen, blauen und klaren Himmel wie eine weisslich-hellbläuliche Silhouette am Himmel fast durchsichtig leuchtet. Dann ist die Zeit gekommen, sich mit dem Teleobjektiv mit hoher Brennweite vor einem Berggipfel auf die Lauer zu legen. Wenn dann der Berg noch so ein herrlicher wie der Grosse Mythen oder ein noch berühmterer Solitärgipfel ist, hast du das grosse Los gezogen, weil du den Mond so mächtig abbilden kannst, fast unnatürlich gross, teils dem Teleobjektiv und teils der Physik geschuldet.

Nr. 2: Für die Wettersituationen müssen gute Fotografen einen Riecher haben, sich aber neben dem Riecher etwas mit dem Wetterbericht beschäftigen. Dann weisst du, zu welcher Zeit, Jahreszeit, Tageszeit, Uhrzeit du an deinem ausgesuchten und vorher rekognoszierten Spot z. B. am Schluchsee sein musst, damit dann Licht, Nebel, Dunst, Windstille, Spiegelung, Raureif und Sonnenstand so stimmig sind, dass dein Foto eben spektakulär wird und dazu noch mit einem tollen Blendenstern gekrönt wird. Zugegeben, dass es dann so speziell wurde, ist auch noch etwas dem Glück und Zufall zu verdanken.

Nr. 3: Will man mittelalterliche Städte, Stadtmauern, Stadtansichten fotografieren, erfordert dies eine besondere Anstrengung, sonst bekommst du einfach ein normales, wunderschönes Tageslicht Kalender- oder Postkartenfoto. Unserer Ansicht nach geht es am besten beim Eindunkeln, wenn die Sonne untergegangen ist und die Strassenbeleuchtungen und die Lichter in den Fenstern angezündet wurden. Wenn dann noch so wie hier in Bremgarten (AG) die Häuserzeile mit dem Turm diagonal ins Bild führt, die Reuss mit ihrem Wehr einen schönen Vordergrund, die beleuchtete Betonbrücke den tollen Hintergrund ausmacht, kann fast nichts schiefgehen. Dass gerade noch Vollmond war und dieser genau über der Brücke aufging, hatten wir nicht beachtet, war Zufall und natürlich wieder das I-Tüpfelchen, das du als Fotografin einfach brauchst, um das interessante und einzigartige Foto in den Kasten zu bekommen.

Nr. 4: Wenn du Ende Februar oder Anfang März zu diesem Superspot an den Ammersee, zum grossen Badehaus bei Stegen fährst und der Wetterbericht nichts Rosiges verheisst, dann ist das für Fotografen eine gute Aussicht, zu einem tollen Foto zu kommen. Einserseits werden die Fotografinnen und Touristen nicht allzu zahlreich sein, andererseits kannst du damit rechnen, dass keine Boote, Gummiboote, usw. dein Bild stören werden. Dann gilt es, dich frühmorgens, dort in Stegen jedoch besser abends bei Sonnenuntergang in Position zu begeben und auf die richtige Wettersituation zu warten und zu hoffen, zu beten, dass es gelingen möge. Bei diesem Foto musste ich mich auf dem Steg positionieren, was nur bei schlechter Witterung und im Winter von Aussicht auf Erfolg gekrönt sein wird, da auch hier der Fotografenandrang sonst so gross ist, dass du vermutlich nicht oder nur durch Standfestigkeit mit dieser Perspektive zum Schuss kommst. Schon gar nicht in Ruhe und ohne vom Ansturm anderer Fotografen bedrängt zu werden.

Nr. 5: Gehe zu Text Bild Nr. 2 und transferiere ihn in den Herbst hinein.

Nr. 6: Ein solches Bild kannst du beinahe nicht ungeplant machen. Diesen See in Bayern bei Murnau (Riegsee) haben wir mehrmals mit den Fahrrädern umrundet und erkundet. Auch zu Fuss haben wir Wanderungen gemacht, eben, um eine der wenigen geeigneten Stellen zu finden, an der man in Richtung Westen ein tolles Sonnenuntergangsfoto machen kann. Dann gilt es die Wettersituation zu beobachten, die Sonnenuntergangszeiten für diese Locations zu eruieren, damit man dann auch rechtzeitig vor Ort ist. Etwas bedeckter Himmel mit dunklen Wolken ist immer besser als stahlblau. Vier Tage haben wir gewartet, am letzten Urlaubstag war es erst soweit, dass wir dann ein solches Bild machen konnten. Es war wunderbar, die ganze Wettersituation dort zu durchleben, zu bangen und zu hoffen, dass die Sonne noch durch die Wolkenschichten scheinen kann, der Himmel sich rötet und dann die Bilder im richtigen Moment auf den Sensor zu bannen. Geduld und Wetterglück gehören einfach dazu.

Nr. 7: Fotos am „Etang de Gruyère“ zu machen ist etwas Phantstisches – aber nicht ganz einfach. Da der Spot in einem Naturschutzgebiet liegt, man nur zu Fuss da hin kommt und man die Wege nicht verlassen darf, stellen sich einem schon einige Knackpunkte. Wir waren mehrmals dort, um zu rekognoszieren. Dabei ist dieses Tageslichtfoto entstanden. Es muss nicht immer Sonnenauf- oder Sonnenuntergang sein. Auch untertags gibt es tolle Wettersituationen, die sich durchaus für ein Foto lohnen. Besonders, wenn es etwas windig ist und schöne Wolken am Himmel stehen. Damit ein Tageslichtfoto Wirkung bekommt, ist eine Spiegelung gerade richtig, auch ein Blendenstern der Sonne oder ein Regenbogen kann, je nach Glück und Zufall, deinem Foto zu mehr Spannung verhelfen. Wenn du dann die Perspektive und parallele Linienführung noch so geschickt ins Foto integrieren kannst, wie Birgit das hier bewerkstelligte, hast du ein tolles Foto im Kasten.

Nr. 8: Zum Schluss noch Aarburg, ein Superspot, der schon abertausend mal abgelichtet wurde. Ich wollte ein spezielles Bild haben, nicht eines, wie alle anderen es dort machen. Nach verschiedenen Recherchen erfuhr ich, dass an einigen Tagen eines Festes die Kirche illuminiert würde. Genau da bin ich hingefahren. Das Wetter war nicht ganz fotogen, was man am Himmel erkennen kann. Aber es war OK für eine Foto. Um dem Bild einen Rahmen zu geben, habe ich in der linken unteren Ecke die Waidlinge gesetzt und in einer halbkreisförmigen Linie nach rechts zur Kirche, zur Brücke und zum bewaldeten Berg geführt. Damit das Foto nicht wie alle anderen ausschaute, habe ich die Boote angeschnitten. Die Lilafarbe der Kirchenbeleuchtung und die Spiegelungen im Wasser der Aare machten das Bild speziell und anders, als all die anderen Bilder dieses Spots. Einzig das Wasser, das sich manchmal nach Regen in den Booten ansammelt und schöne Spiegelungen zusätzlich liefert, war mir durch Trockenheit verwehrt und eben dann halt auch anders, als die meisten, die solche Spiegelungen erwischen konnten.

 


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