Alles Bokeh oder was?

Datum: 19. Januar 2020

Bokeh für ambitionierte Fotografinnen und Fotografen – oder alles über die fotografische Qualität der kunstvoll angewandten Schärfe und Unschärfe

Was für einen angefressenen Golfer oder eine angefressene Golferin das Green (die besonders kurz geschnittene und wie ein teurer Orientteppich gepflegte und heraus geputzte, rundliche Rasenfläche am Ende jeder Golfbahn, auf der sich die Fahne und das finale Ziel jedes Golfbällchens, das Hole (Loch) befinden), ist für fortgeschrittene Fotokünstler eben das etwas geheimnisvolle Bokeh (den, nicht nur durch die Blende festgelegten Bereich der Schärfentiefe des Objektivs, nämlich den unscharf abgebildeten Bereich (meistens im Hintergrund) des aufgenommenen Bildes, auf dem das scharf abgebildete Motiv final besser zur Geltung kommt).
Der Vergleich hinkt ein klein wenig – aber das ist normal, passt hier aber wunderbar, weil die beiden Hobbys Golf und Fotografie bei Amateuren und Profis ungefähr das selbe Potenzial an „Angefressenheit“ aufweisen. Zum Glück gibt es in der Fotografie keine Stärkeneinstufung (Handicapzahl) wie bei den Golfern ….. oder etwa heimlich doch (Anzahl der Likes bei FB oder der Pulsewert bei 500px)?
In diesem Blogartikel erfährst du (fast) alles über das geheimnisvolle japanische Wort Bokeh und dessen Auswirkung in der Fotografie.
Bokeh (von jap. 暈け, auch ぼけ oder ボケ geschrieben, boke „unscharf, verschwommen“) ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff für die subjektive Qualität eines Unschärfebereichs in einem Foto (Wikipedia). Unter dem Begiff Bokeh versteht man in der Fotografie, wie und mit welcher Qualität, also wie wunderbar, regelmässig, weich, verschwommen, leuchtend oder seidig, usw. lichtstarke Objektive jene Bereiche des Fotos abbilden, welche nicht im optischen Schärfebereich liegen. Mit Bokeh meint man meistens den Hintergrund. Viele verwenden dafür den Begriff „Tiefenschärfe“ oder etwa gleichbedeutend auch „Schärfentiefe“. Man steuert sie nicht nur mit der Blende, sondern auch mit der Brennweite des Objektivs, mit der Fokussierung und den Distanzen von der Sensorebene zum Motiv in den Bildebenen (vgl. auch Hyperfokale Distanz).

Brillantenzäpfchen_DSC1808-a-1-Signet-web

Das ganze Thema hängt auch damit zusammen, dass unsere Kamera mit dem Objektiv den dreidimensionalen Raum in der Landschaft, vom Vordergrund bis unendlich, auf dem Sensor in zwei Dimensionen abbilden muss und dadurch auch mit bester Fototechnik optisch gar nicht in der Lage ist, dies vollkommen scharf zu bewerkstelligen, nicht einmal so gut, wie die Leistung von Spitzenobjektiven eigentlich wäre. Es scheint auch dadurch mehrheitlich zu funktionieren, dass unser Auge in der Betrachtung scheinbar eine gewisse Unschärfe akzeptieren kann oder wir es unbewusst einfach nicht genau feststellen können oder wollen. Aber diese technische Diskussion würde zu weit führen, hören wir auf damit.

Seidenreiher--Flattermann-Gegenlicht-grün-weiss-La-Sauge-_DSC8006-a-Signet-web

Die Krux mit Schärfe, Unschärfe, Schärfentiefe oder Tiefenschärfe ist die, dass dieses Phänomen je nach Art des Fotos manchmal erwünscht und manchmal unerwünscht, ja sogar verhasst ist. Viele Landschaftsfotografen hätten ihre Fotos gerne von ganz vorne bis ganz hinten total scharf. Sie verwenden manchmal sogar spezielle Techniken wie das Fokus-Stacking, um dies zu erreichen. Andererseits lieben es auch sie, manchmal die wichtigen oder eher unwichtigen Dinge im Foto durch Schärfe und Unschärfe zu betonen oder eben eher auszublenden.

Tröpfchen-in-der-Wiese_DSC0557-a-Signet.web

Tier-, Blumen- oder Pflanzenfotografen wünschen sich ein total scharfes Hauptmotiv, das sich vom Rest des Fotos wunderbar abhebt und daneben eben ein herrlich gestaltetes, farblich passendes Bokeh, welches das gesamte Bild abrundet. Makrofotografinnen wünschen sich meistens viel mehr Schärfentiefe, damit ihr Insekt oder ihr anderes kleines Motiv durchgängig Schärfe aufweist und nicht nur die Augen oder Rüssel vor Schärfe starren, dahinter das verschwommene blasse Nichts. Auch sie bedienen sich oft der Methode des Fokus-Stackings, um durchgängige Schärfe beim Objekt zu erreichen. Auch sie erhalten dann quasi gratis ein tolles Bokeh mit dazu.

Eisi_DSC9860--komp-1-Signet-web

Damit man so ein schönes Bokeh dann bekommt, wenn es erwünscht ist, muss man ein wenig fotografische Technik beherrschen. Einige Objektive sind geeigneter, um dies zu erreichen. Das Objektiv sollte lichtstark sein, möglichst viele Blendenlamellen haben und damit eine sehr runde Blendenöffnung erzeugen. Objektive mit Brennweiten zwischen ca. 85 und 135mm eignen sich besonders dazu, weil sie ja auch als Portraitobjektive vewendet werden, dort sind gute Bokehs sehr gefragt.

Eisvogel-vor-dem-Abflug-helles-Bokeh_DSC9261-Signet-web

Kurz gesagt steuert man fototechnisch die Erreichung eines Bokehs mit der Blende (je offener, desto geringere Schärfentiefe) mit der Brennweite (je höhere mm, desto geringere Schärfentiefe) und mit dem Aufnahmeabstand (Kamerastandpunkt und Fokussierung). Wenn man an der Kamera die Zeitautomatik auswählt, kann man die Offenblende direkt einstellen, alles andere macht dann die Kamera automatisch. Du musst nur noch am richtigen Ort fokussieren. Den Königsweg macht man aber mit manuellen Einstellungen und kann so sein Bild ganz vollständig kontrollieren und gestalten. Je weniger offen die Blende gewählt wird, desto grösser wird der Schärfebereich beim Motiv. Der Unschärfebereich beim Bokeh nimmt aber dann etwas ab. Somit ist es meistens auch ein Abwägen und Ausprobieren. Das macht diese Art der Fotografie ja auch so spannend.

Eisvogel-fliegend-bokeh-Signet-web

Damit ist es aber noch nicht getan. Es gibt noch eine künstlerische, mehr subjektive Qualität in der Erreichung eines tollen Bokehs. Es ist sehr erheblich, sich auch einen farblich gut zum Motiv passenden Hintergund auszuwählen. Dies ist oft eine der schwierigsten und mühsamsten Übungen, muss man doch dazu unangenehme Kamerapositionen finden und sich die Mühe geben, sein Motiv und die Umgebung genau zu studieren und zu erkunden. Weiter hat man darauf zu achten, dass der Hintergrund nicht teilweise zu hell, zu dunkel oder meistens zu wild ist. Kleine Blumen, Wassertropfen usw. ergeben dann wunderbare, verschwommene Licht- und/oder Farbpunkte, welche das ganze Foto bereichern.

Bienenfresser-Agarn-alleine-sitzend-ganz-und-nah_DSC2018-a-Signet-web

Damit alles bestens klappt, ist es von Vorteil, wenn das Motiv,  z.B. Tiere (schwieriger zu realisieren, weil beweglich), Blumen (einfacher, weil statisch) Menschen, Portraits usw. sich nicht zu nahe am Hintergund befinden dürfen, welcher das Bokeh bilden soll. Ein etwas grösserer Abstand vom Bokehgebiet schiebt den Hintergrund fototechnisch weiter in die Unschärfezone und löst die Konturen besser auf. Somit erhält man ein ausgeglicheneres, weicheres, allgemein schöner fliessendes Bokeh. Manchmal muss man nur etwas näher ans Hauptmotiv gehen, um dieses Ziel auch so zu erreichen.

Keilfleck-Mosaikjungfer-Libelle_DSC0511-a-Signet-web

Mit den heutigen Möglichkeiten der digitalen Fotoentwicklung und -bearbeitung ist es auch möglich, nachträglich leicht unscharfe Bereiche eines Fotos zu schärfen und Bereiche im Bokeh etwas mehr weichzuzeichnen und anzupassen. Das sind aber nur zweitklassige Hilfsmittel, die gegen ein, alleine mit der Kamera erzeugtes tolles Bokeh, eigentlich keine Chance haben.

Stelzenläufer-Reuss-UnNterlunkhofen_DSC6731-Signet-web

Weiter gibt es auch die Möglichkeit eines Composings, indem man das Bokeh separat fotografiert, sein Motiv separat fotografiert, dann sauber freistellt und die beiden Aufnahmen mit PS komponiert und zusammenrechnet. Doch wir wissen ja, die Meinungen über Composings sind unter Fotografen sehr geteilt.

Composing-Schmetterlinge-Wiesenkerbel_DSC6040a-Signet-web

Eines muss man jedoch wissen. Ein schlechtes, unruhiges, zu hartes, zu helles und wildes Bokeh ist nicht gut korrigierbar und kann das ganze Foto verunstalten.

Hagebutte-Wassertropfen-und-Tröpfchen_DSC0446-b-Hintergrundebene-Signet-web

 


Fotos:
Die Fotos im Artikel stammen alle von Fototouren von (hauptsächlich) Birgit, sie ist die künstlerische auch sehr zart aufnehmende Fotografin und Ruedi Immoos (siehe Wasserzeichen) und unterliegen dem ©. Titelbild: Ruedi W. Immoos.

 


Link:
Alle unsere Fotos: www.immoos.net

Birgit und Ruedi Immoos auf 500px

 

Alle Fotos von Birgit und Ruedi W. Immoos finden Sie auf unserer Fotowebsite. Man darf sie gerne anschauen, alles andere auf Anfrage.
#nofeenocontent

Kontakt über die Immoos Website in der Menüzeile

Veröffentlicht von

Ahnen, Namen, Wappen und mehr.......

Foto Blog der Immoos-Website + früher Genealogie-Blog