Drumlins und Co. lassen Fotografenherzen höher schlagen

Den Schweizer Gletschern der Eiszeit fotografisch auf der Spur

Die glazialen Moränenlandschaften mit ihren sanften Hügeln, runden Kuppen, flachen Hügelzügen, den manchmal alleine oder in kleinen oder grösseren Gruppen herausragenden Drumlins – mit den einzelnen Bäumen auf ihrem Top – oder was von diesen wunderbaren Hügeln noch übrig geblieben ist und der intensiven Landwirtschaft oder Kiesgewinnung erfolgreich bis jetzt getrotzt hat sowie den in dieser Landschaft oft gesät vorkommenden Erratikern (Findlinge), sind ein wahres Eldorado für Wanderer, Erholungssuchende, Naturliebhaber und darunter natürlich auch die Landschaftsfotografinnen und -fotografen.
Wenn du mehr darüber wissen willst, auch wo, wie, wann und unter welchen Bedingungen man dieses glaziale Erbe in der Schweiz erwandern, bewundern und fotografieren kann, musst du den Blogartikel weiterlesen.

In der Geschichte unserer Mutter Erde kamen von Zeit zu Zeit immer wieder Phasen wärmeren und manchmal kühleren Klimas vor. Mit der Zeit und der Kälte begannen die grossen Gletscher sich auszubreiten, zu wachsen und ganze Gebiete unter ihren gebildeten Eispanzern zu bedecken. Dies geschah auch im zentralen und nördlichen Europa, auch in unserem Lande.

Winterwunderland am Hirzel, Zeugen des eiszeitlichen Lindtgletschers

Die Kraft und Gewalt der sich bewegenden Eismassen formte und gestaltete dabei durch Erosion und Ablagerung die sich darunter, davor oder dahinter liegenden Landschaften, je nach Vortrieb oder Rückzug des Eises. Die dadurch von den eiszeitlichen Gletschern zuletzt vor rund 25’000 Jahren in der Würmeiszeit entstandenen und von Eis und Wasser geformten Landschaften stellen nun für die Menschen von heute beliebte, schöne Erholungsgebiete dar.

Drumlin in der Zentralschweiz, Zeuge des eiszeitlichen Reussgletschers bei Weggis

Überall in den Gebieten, wo die grossen, eiszeitlichen Gletscher in den Urstromtälern ihre Arbeit beim Vordringen und später bei der Erwärmung des Klimas beim Rückzug geleistet haben, sind diese weichen, runden, glazialen Landschaften mit Grundmoränen, Endmoränen, Seitenmoränen, Sandern, Drumlins, Dünen, Toteislöchern, Erratikern und Gletscherrandseen entstanden. Wissenschaftlich werden sie als „glaziale Serie“ bezeichnet (Wikipedia).

Drumlin mit Erinnerungslinde im Emmenthal

Diese Landschaften findet man immer in den Rückszugsgebieten, wo die eiszeitlichen Gletscher ihren Höchststand erreicht hatten. In der Schweiz also im Verbreitungsgebiet der ehemaligen grossen Gletscher aus den Alpen. Am eindrücklichsten sind sie vom eiszeitlichen Aaregletscher im ganzen Emmenthal, vom Reussgletscher in der Zentralschweiz um den Vierwaldstättersee und vom Linthgletscher rund um den Hirzel und beim Zürichsee entstanden. Auch andere Gebiete im Einflussbereich der eiszeitlichen Gletscher (z. B. Rheingletscher bis zum Bodensee) bildeten mehr oder weniger glaziale Elemente in der Landschaft aus. Ich beschränke mich jedoch hier auf die oben genannten und mir gut bekannten Gebiete.

Drumlinformation am Hirzel und in Richtung Menzingen

Am augenfälligsten sind natürlich die Alpenrandseen und Toteislöcher, die Drumlins und die Erratiker in den genannten Gebieten. Drumlins bilden die I-Tüpfelchen in der Landschaftsfotografie. Viele Fotografen wollen sie unbedingt fotografieren. Wenn du so ein Bild veröffentlichst, hast du noch am gleichen Tag viele Anfragen, wo genau man sie fotografiert habe. Früher wurden die Standorte oft verheimlicht. Heute ist mit ein paar Klicks in Google alles geklärt. Wer sie immer noch nicht findet, bucht Workshops, die Guides führen für gutes Geld die Fotografen an die besten Orte und alle können die gleichen Fotos machen. Darum darf ich hier auch darüber schreiben und Hinweise aus Erfahrung geben, kostenlos – nota bene.

Drumlins am Hirzel

Drumlins sind langgestreckte, gerundete oder leicht abgeflachte Hügel. Man nennt sie auch Elefantenrücken oder Moränenhügel. Der Name Drumlin kommt aus der irischen Sprache (irisch droimnín [ˈdrim´n´iːn´] Quelle: Wikipedia) was „kleiner Rücken“ oder in etwa übersetzt „Höhenrücken“ heisst.

Weiche, flach gerundete, glaziale Landschaft im Emmenthal mit Drumlinkuppen

Drumlins sind rundliche, längliche Hügel, auch Rundhöcker genannt, mit einem tropfenförmigem Grundriss, deren Längsachse in der ursprünglichen Eisbewegungsrichtung des sie bildenden eiszeitlichen Gletschers liegt. Sie bestehen aus erodiertem Gletschermaterial. Auf der einen Seite steigen sie steil an (gegen den Gletscherfluss hin), auf der anderen fallen sie flacher ab (mit dem Gletscherfluss). Das ist wichtig, wenn man sie in der nicht Vegetationszeit (sonst nicht gestattet) besteigen will, anstrengender oder einfacher!

Drumlin (Elefantenrücken) oberhalb Rickenbach bei SZ

Die Drumlins sind meist zwischen ca. 10 und 50 Metern hoch und wenige bis einige hundert Meter lang, in einer ovalen Tropfenform. Wissenschaftler unterscheiden nach echten Drumlins, unechten Pseudo-Drumlins und nach Buckelmoränen, je nachdem Material, aus dem sie bestehen. Die Erklärungen würden den Rahmen hier sprengen (Google weiss Rat, wer es unbedingt wissen will).

Beim linken Drumlin sieht man es deutlich: links steiler Anstieg, rechts flacher Abstieg.

In glazialen Gebieten kann man auch immer Toteislöcher und Erratiker ausmachen. Auch sie eignen sich gut als Fotomotive. Vom schmelzenden Gletscher brachen oft gewaltige Eisblöcke ab, die von Moränen- oder Erosionsmaterial wieder überdeckt und damit von der Sonnenwärme geschützt wurden. Der Gletscher hatte sich schon lange weiter zurück gezogen und war längst abgeschmolzen. Die abgebrochenen, riesengrossen Eisbrocken blieben als Toteis (totes Eis, weil vom Gletscher getrennt und in der Erde versteckt) zurück und schmolzen erst nach einigen Jahrhunderten stetig, aber langsam ab. So entstanden mit langer Verzögerung glaziale Höhlungen, die je nach Durchlässigkeit des Gesteinsmaterials als Mulden, Moore oder Toteisseen heute schöne Landschaftselemente und Fotomotive bilden. Am Hirzel ist dies mit dem Wilersee der Fall. In der Nähe hat es noch weitere solche kleine, glaziale Seen (Google Maps).
Heute versucht man die Gletscher in den Alpen auch mit Schutz vor Sonneinstrahlung zu schützen und deckt sie mit Planen ab (gleiches Prinzip von Toteis).

Toteissee – Wilersee

Als Findling, Erratiker oder erratischer Block bezeichnet man einen Felsbrocken, der von einem Gletscher transportiert wurde. Nach dem Rückzug des Gletschers bieb er in der Landschaft liegen. Auch während der Würm-Eiszeit (die letzte) wurden viele Steinblöcke so von den Gletschern bis weit ins Schweizer Mittelland transportiert. Einige geschützte Erratiker kann man darum heute noch anschauen und an gewissen Stellen finden. Viele wurden jedoch gesprengt und vernichtet. Googelt man unter Erratiker, kann man diejenigen, die man noch besuchen kann, leicht orten.

Milkyway beim Druidenstein in Morschach

Im Gebiet des Vierwaldstättersees und rund um Morschach gibt es noch Drumlins und viele Findlinge, als Hinterlassenschaft des ehemaligen Reussgletschers. Der bekannteste ist der Druidenstein. Er ist ein tolles Fotomotiv, aber nur im Winter gut zu Fotografieren, wenn kein Golfbetrieb herrscht. In der Nähe hat es noch einige mit Namen bekannte andere solche Steine und einen Findlingsweg. Man meint, dass gewisse Findlinge früher als Opfersteine benutzt wurden. Auch vom Druidenstein gibt es solche Sagen und sogar eine Inschrift.

Kleiner Drumlin (links) und der Erratiker Druidenstein in Morschach, mitten im Golfplatz

Wenn man diese glazialen Landschaftselemente fotografieren will, sollte man sich gut darauf vorbereiten. Will man die Drumlins im Emmenthal oder in der Region Hirzel fotografieren, so hat man folgendes zu beachten. Am besten geht man dort zu Fuss oder mit dem Fahrrad auf Fototour. Das Auto kann man fast nirgends in der Nähe parken ausser auf der Hirzel Passhöhe, irgendwo an der Strasse, in Menzingen im Dorf oder im Emmenthal in einem Dorf oder bei einem Hof (fragen).

Drumlins in der Gegend des Hirzels


Willst du in der Vegetationszeit fotografieren, musst du darauf achten, die Wanderwege nicht zu verlassen, nur frisch gemähte Wiesen zu betreten und am besten mit den Eigentümern (Bauern) das Gespräch zu suchen und sie um Bewilligung zu fragen. Mit Gesprächen und Freundlichkeit kommt man ans Ziel. Vor allem, wenn du bis in die Nacht fotografierst, ist es wichtig, dass die Bauern wissen, dass da Fotografen und nicht Einbrecher oder anderes Gesindel mit Lampen unterwegs sind. Keinesfalls darf man in der Zeit des Heuet, wenn das Heu oder die weiteren Schnitte noch nicht gemäht sind, die Wege verlassen und den Bauern Landschaden verursachen. Es gibt immer wieder uneinsichtige und egoistische Fotografen, die nur ihr Foto als höchstes Ziel sehen.

Drumlins in der Region Hirzel, dramatische Winterstimmung

Fotografierst du nicht in der Vegetationszeit (ca. 15.Nov. bis 15. März) ist es ein wenig einfacher. Nun darf man die Wiesen betreten und auch zu den Hügeln aufsteigen und sich eine gute Kameraposition suchen wo man will. Aber auch im Winter führe ich immer freundliche Gespräche mit den Bauern dort. Man sollte auch daran denken, dass einem dort einige freilaufende Hofhunde begegnen können (sicher werden) und man weiss, wie man sich dabei verhält. Ein Leckerli im Rucksack hat mir schon oft weiter geholfen.

Drumlin in der Hirzelregion in der Nähe von Menzingen (Fokusstacking)

Manchmal lohnt es sich auch, einmal in die Gegenrichtung zu schauen und andere Kleinode als die bekanntesten, zig-tausendmal fotografierten Drumlins zu fotografieren. Nach Osten kommt manchmal der Mond, während du die Normalfotos der Drumlins als Abendspots machst eine gute Ergänzung.
Ich rate dir auch gut, folgende Objektive einzupacken: Einen Weitwinkel 14-24 oder mindestens ein 24-70er Objektiv. Bei mir kommt immer noch das 70-200er mit. Damit machst du auch aus Entfernung tolle Drumlinfotos.

Hirzelmond (Timeblending)

Meistens, aber nicht immer, befinden sich auf den Drumlins einzelne oder doppelte Bäume. Oft sind es Linden oder Eichen. Dies sind Erinnerungsbäume. Sie wurden bei einem Ereignis von den Eigentümern der Liegenschaft gepflanzt. Z. B. wenn ein Stammhalter geboren wurde, bei Heiraten, wenn der Grossvater starb, bei Kriegsende oder sonst einem grossen Ereignis von Bedeutung. Manchmal schlug der Blitz in die Bäume ein und vernichtete sie. Oft wurden dann neue Bäume gepflanzt. Darum sind die einen grösser, die anderen noch klein oder es wächst da oben gar nichts mehr. Beim nächsten Bild wurden wahrscheinlich Zwillinge geboren!

Drumlin mit Zwillingen auf dem Top, in der Nähe von Menzingen

Damit – und mit dem Gedicht meiner lieben FB-Freundin Bee Werning unten – beende ich den Blogartikel über die Drumlins und hoffe, euch damit genug Informationen für tolle Fototouren gegeben zu haben. Und denkt daran, immer so verhalten, dass nach euch auch noch andere Fotografen kommen können.

Gebannt

Nicht nur der Himmel
singt in sanftem kühlen Licht
ein Lied der Stille uns,
das mit den Farben sich
ins Weiß der Landschaft mischt.

Auch deren Linien ziehn
so festlich, leicht beschwingt
uns sanft in ihren Bann,
dass wir vor Staunen stumm
Teil dieser Ruhe sind.

Text: Bee Werning Liebe Bee, ich danke dir von Herzen, passt einfach!


Einige weitere Fotobeispiele:

Drei Linden von Dürrenroth mit Fotografin
in Memoriam Birgit Immoos († 03.06.20)

________________________________________________________________________________________

Hirzel / Menzingen


Hirzel / Menzingen
Emmenthal / Dürrenroth
Emmenthal / Dürrenroth
Luzerner Hinterland Richtung Emmenthal
Drumlin oberhalb Rickenbach bei Schwyz
Drumlinlandschaft bei Menzingen
Hirzel / Menzingen
Hirzel / Menzingen
Menzingen

Dürrenroth
Dürrenroth
Hirzel / Menzingen
Drumlin oberhalb Rickenbach bei Schwyz (Composing)
Drumlin im Nebel oberhalb Küssnacht am Rigi
Drumlin, Elefantenrücken oberhalb Greppen LU

Drumlin oberhalb Rickenbach bei Schwyz
Drumlin (Elefantenrücken) oberhalb Rickenbach bei Schwyz
Drumlin im Appenzeller / St. Galler Land (kann mich nicht mehr erinnern wo genau)
Drumlin (Elefantenrücken / Moräne) oberhalb Küssnacht am Rigi
Moränenlandschaft im Appenzellischen
Erratiker auf der Seebodenalp oberhalb Küssnacht am Rigi
Druidenstein und Drumlin (Elefantenrücken) bei Morschach SZ
Toteissee auf der Seebodenalp oberhalb Küssnacht am Rigi
Drumlin im Emmenthal
Drei Linden von Dürrenroth BE
Hirzel / Menzingen
Dürrenroth BE
Hirzel / Menzingen
Hirzel / Menzingen
Hirzel / Menzingen – mit meiner Wenigkeit links oben beim Fotografieren
Menzingen
Emmenthal LU/BE
Dürrenroth BE
Kleiner Drumlin mit Kapelle im Gründel oberhalb Rickenbach bei Schwyz
Hirzel / Menzingen

Hirzel

Alle Fotos in diesem Blog sind Single-shots, ausser es ist etwas anderes bezeichnet, von Birgit und Ruedi W. Immoos und unterliegen dem ©.

Hirzel
Hirzel / Menzingen
Hirzel / Menzingen
Hirzel
Menzingen

Alle Fotos von Birgit und Ruedi W. Immoos finden Sie auf der Fotowebsite. Man darf sie gerne anschauen, alles andere auf Anfrage.
#nofeenocontent

Kontakt über die Immoos Website in der Menüzeile

Veröffentlicht von

Ahnen, Namen, Wappen und mehr.......

Foto Blog der Immoos-Website + früher Genealogie-Blog

2 Gedanken zu „Drumlins und Co. lassen Fotografenherzen höher schlagen“

  1. Grossartiger Artikel Ruedi, ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Beschreibung und die Geschichte dahinter, sowie die tollen Tipps. Die Fotos dazu sind einfach umwerfend schön.
    In diesem Falle bin ich sehr dankbar, dir den Anstoss für diesen Artikel gegeben zu haben. Wir hätten wirklich etwas verpasst, hättest du den nicht veröffentlicht.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.