Ein erstklassiges Tierfoto machen

Zehn Kriterien, damit es top wird und bei der Präsentation gut ankommt

19. November 2022

Wer ein tolles und nach allen Regeln der Fotokunst aufgenommenes Tierfoto machen will, kann nicht einfach ein wenig durch die Gegend wandern und darauf hoffen, dass ihm sein Wunschtier – so mir nichts dir nichts – vor die Kamera rennt oder fliegt, hüpft, springt, kriecht, schleicht, robbt, krabbelt oder was es sonst noch für tierische Fortbewegungsarten gibt. Vielleicht wirst du so mal einen wunderbaren Zufallstreffer landen, mit guter Tierfotografie hat das aber so nichts oder nur wenig zu tun. Auch bei der Tierfotografie muss man gewisse Grundregeln einhalten und geplant vorgehen. Wenn du wissen willst, wie man das am besten macht, musst du hier weiterlesen.

Aus meinen Erfahrungen in der Tierfotografie und der Fotografie allgemein, gebe ich euch hier gerne meine 10 Kriterien bekannt, nach denen ich mich bei meiner Tierfotografie richte.

  1. Vorbereitung: Gehe nicht einfach drauflos. Plane deine Fototour. Welches Tier will ich wo am besten fotografieren? Welche Tiere haben jetzt Saison? In welchem Habitat treffe ich mein Motiv an. Welche Tageszeit ist für mein Motiv günstig`? Wie muss ich ausgerüstet sein? Studiere die Verhaltensweisen und entsprechende Apps (Ornitho für Vögel, usw.). Was brauche ich, damit die Aufnahme gelingt (Tarnanzug, Tarnzelt, Klappsitz, andere Hilfsmittel)?
  2. Foto-Ausrüstung: Kamera digital mit möglichst hohen MP (ab 20MP), evtl. mit Augenautofokus für Tiere; Teleobjektiv mit möglichst grosser Brennweite (ab 300 mm), Telekonverter (1.4; 1.7, 2.0); evtl. Stativ mit Gimbal.
    Hauptfehler: Zu geringe Brennweite (zu grosse Distanz zum Tier).
  3. Interessantes, schwierig zu fotografierendes Motiv gut freigestellt: Seltenes Tier, farbiges Tier, spezieller Vogel aus der Hitliste der schönsten Vögel, Tier, das gerade „in“ ist; Raubtiere, Raubvögel. Wildlife und kontrollierte Bedingungen (cc, controlled conditions) kommt besser an, als eingesperrte Tiere (ca, captive animals). Das Motiv sollte sich gut vom Hintergrund abheben (Freistellung).
    Hauptfehler: Alltägliches Tier, einfach zu fotografierendes Tier (Beispiel: bei Vögeln z. B. Blesshuhn, Stockenten). Einfach schnell drauflos fotografiert, was so vor die Kamera kommt.
  4. Gleiche Ebene – tiefe Perspektive oder niedriger Blickwinkel:  Geh hinunter auf die gleiche Höhe mit dem Motiv, knie oder leg dich hin; von Angesicht zu Angesicht mit dem Tier; LOV in Tiktok Sprache.
    Hauptfehler: Stark von oben oder nach oben fotografiert wirkt nicht gut.
  5. Formatfüllend: Motiv (Tier) nah – gross und im goldenen Schnitt platziert; formatfüllend aufnehmen oder so fotografieren, dass man nachher schneiden kann.
    Hauptfehler: Totale, Tier zu weit entfernt – zu klein oder mittig auf dem Foto.
  6. Ruhiges Bildfeld: Wenig auf dem Bild – beschränken auf das Wesentliche – ruhiges, eher einfarbiges, fliessendes, weiches, stark unscharfes Bokeh (Hintergrund).
    Hauptfehler: Zu wild und zu unruhig und zu harter Hintergrund – zu viele Sachen auf dem Foto.
  7. Aktion / Bewegung / Spezialeffekte: Aufnehmen in Bewegung, in einer Aktion; nicht zu statisch; spannend, (z.B. in spezieller Stellung, mit Beute, fliegend, putzend, fütternd, usw.). Spezialeffekte machen das Bild interessant. Z. B. Spiegelungen, Nebel, Wasser, Blasen, Staub usw. Mein Blick ist am Ort des Geschehens immer auf der Suche nach diesen Effekten.
    Hauptfehler: Langweilig – wie alle anderen – zu normal, statisch.
  8. Spezielles Licht: Dunkles, dramatisches, geheimnisvolles, farbiges Licht; Abendlicht; Morgenlicht; Nebellicht; Objekt mit weichem Licht und weichen Schatten, hell und dunkel – nicht zu harte Kontraste, Vignette. Leicht bedeckter Himmel ist besser als direktes Sonnenlicht. Ich fotografiere Tiere immer mit automatischer ISO-Wahl.
    Hauptfehler: Zu hell, langweilig blauer oder hellgrauer Himmel, alles gleichmässig hell oder dunkel, grelles Sonnenlicht mit starken Schlagschatten, ausgebrannte helle (weisse) Stellen (die werden dann unschön grau beim Abdunkeln).
  9. Schärfe und Unschärfe muss stimmen: Fokus am richtigen Ort, meistens auf dem näheren Auge; Augenautofokus der Kamera ist da von Vorteil; Tiefenschärfe am Kopf korrekt. Die Augen (das Auge) müssen immer scharf sein (wenigstens). Ich mache alles von Hand und manuell aber mit dem kontinuierlichen Autofokus mit dynamischen Feldern.
    Hauptfehler: Fokus am falschen Ort, Augen nicht ganz scharf, Fokus zu weit hinten oder zu weit vorne, Nase, Schnabel oder Augen, Ohren nicht richtig scharf.
  10. RAW-Fotografie: Fotografiere mit dem RAW-Format; führe eine perfekte RAW Entwicklung und einen genauen Bildschnitt durch, dann holst du das Optimum aus dem Tierfoto heraus..
    Hauptfehler: Mit JPG-Fotografie holt man einfach nicht das Maximum heruas und bleibt im Mittelmass; keine genügende Bearbeitung des Fotos.

Anmerkung: Vor allem bei der Wildlife-Fotografie oder der Fotografie auf Safaris kann man oft nur aus dem Moment heraus fotografieren. Dabei ist es manchmal schwieriger, genau geplant vorzugehen. Aber Regeln und Kriterien sind nie sakrosankt, immer nur Leitlinien und sollen oder müssen manchmal auch gebrochen werden. Es gibt trotzdem tolle Fotos. Und es gibt keine Regeln, ohne Ausnahmen!

So, nun wünsche ich euch viel Erfolg und tolle, erstklassige Tierfotos.

Ruedi W. Immoos Fotografie

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Der ganze Artikel und die Fotos unterstehen dem ©!

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