Waschtag in den 50-er Jahren / Wash day in the 50’s

18.02.2017

English text below

Ich kann mich noch ganz gut an die Waschtage in meinem Elternhaus erinnern. Ich stand oft dabei, helfend aber mehr einfach im Wege herum und beobachtend. Waschtag war damals vermutlich der strengste Arbeitstag im Haushalt meiner Mutter. Waschtag, kinderleicht – wird man meinen. Wäsche sortieren, Waschmaschine öffnen, einfüllen, Programm einstellen, Waschmittel in den Behälter geben, Knopf drücken, fertig! Dabei vergisst man heute nur allzu leicht oder weiss es einfach gar nicht mehr, dass es Hausfrauen früher nicht so einfach hatten.

Meine Mutter hat den Waschtag nicht besonders geliebt. Dabei hatte sie in den 50-er Jahren bereits einige mechanische Errungenschaften zur Verfügung, die andere Hausfrauen nicht hatten – noch früher überhaupt nicht.

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Meine Mutter durfte im Abegg’schen Haus an der Metzghofstatt – ihrem Elternhaus – immerhin eine Waschküche, welche gleichzeitig auch als Baderaum zu dienen hatte, ihr Eigen nennen. Dies, während andere Frauen noch in der Küche oder in einem Gartenschuppen oder gemeinsamen Waschhaus mit Holzbottichen, noch früher am Dorfbrunnen oder Hausbrunnen, die Wäsche verrichten mussten. Freuen darf man sich aber nicht zu früh. Wohlverstanden, das Wasch- und Badezimmer befand sich bei uns nämlich im Kellergeschoss, nur mit kleinen Oberlichtfensterchen versehen und durch eine schmale, steile Holztreppe zugänglich. Mit einer Waschküche oder einem Badezimmer von heute hatte das fast gar nichts gemein.

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Die Ausstattung der Wasch- und Badeküche war sehr spartanisch und bestand aus einem Zementboden mit Gefälle zu einem Abfluss in der Mitte und weiss getünchten Wänden. Von Keramikplatten an den Wänden oder an einer Wand, keine Spur. Feuchtigkeit lag meistens in der Luft. Drei kleine Oblichtfensterchen am Tag und eine alte, weiss-blaue Emaillampe bei Dunkelheit, sorgten für spärliches Licht. Ausgerüstet war der Raum mit einem uralten, grossen Waschkessel aus verzinktem Blech aussen und Kupfer innen, der in der einen Ecke platziert war. Unten konnte man ein Törchen öffnen, um mit einem Holzfeuer das Wasser im Kessel darüber zu wärmen. Hinten stieg ein schwarzes Kaminrohr in die Höhe und mündete in einem gemauerten Kamin. Das Kaltwasser konnte man mit einem extralangen, beweglichen Wasserhahn einlassen.

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In diesem Waschkessel musste die Wäsche mühsam gekocht und immer wieder bewegt werden. Dazu diente ein komisches Instrument. An einem Besenstil war unten eine verzinkte Blechkugel, mehr ein Zylinder befestigt. Mit diesem Instrument, ich weiss leider nicht mehr wie es hiess, musste die Kochwäsche ständig bewegt werden (man sieht es im ersten Beitragbild vor dem Waschkessel stehen). Als Waschmittel kam Kernseife zum Einsatz. Diese Seifenwürfel wurden in einem anderen Kellerraum, in einer Holzkiste, aufbewahrt. Es roch sehr gut in diesem Raum. Je nach Verschmutzung der Wäsche musste diese nach dem Kochen noch zusätzlich in mühsamer Handarbeit über ein Waschbrett gewalkt und geknetet werden (Bild 2).

Neben diesem Waschkessel stand eine Zinkbadewanne mit Füsschen und einem Stöpsel an einer Kette, um den Ablass dicht zu machen. Vom Waschkessel konnte man mit einer Rohrleitung warmes Wasser in die Badewanne rinnen lassen. Der lange, bewegliche Kaltwasserhahn konnte auch zur Wanne gedreht werden und sorgte für die richtige Mischtemperatur für ein Bad. Am Waschtag wurde jedoch die nasse, gewaschene Wäsche in der Wanne zwischengelagert.

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Daneben stand nämlich als neue, technisch-mechanische Errungenschaft eine kupferne Zentrifuge, welche mit dem Druck eines Kaltwasseranschlusses betrieben werden konnte. Heute kann man diese Zentrifugen manchmal bepflanzt mit Blumen in alten Gärten sehen. Von der Badewanne kam dann die gewaschene Wäsche in diese Zentrifuge zum Entwässern durch Schleudern. Dies ersparte meiner Mutter die mühsame Arbeit, jedes Wäschestück einzeln durch die Mangel zu drehen (Bild 2).

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Zur Ausrüstung gehörten auch noch verschieden grosse, verzinkte, blecherne Waschzuber und diverse geflochtene Waschkörbe (Bild 2). Die Waschzuber dienten auch dazu, die Wäsche vor dem Waschen einzuweichen. In den Waschzubern wurden wir als Kinder auch noch gebadet, während die Badewanne für die Erwachsenen reserviert war. Eine Toilette suchte man in diesem Raum vergeblich. Die Toilettenhäuschen befanden sich zwischen den Stockwerken im Treppenhaus.

Die Waschkörbe wurden mit der geschleuderten Wäsche gefüllt und mussten mühsam, vier Stockwerke hoch, auf das Flachdach des Hauses getragen und dort mit Holzklammern zum Trocknen an die Sonne gehängt werden. Die sonnentrockene Wäsche schleppte meine Mutter dann wieder ein Stockwerk über eine steile, schmale Treppe in die Wohnräume hinunter, wo die mühsame Bügelarbeit verrichtet werden musste. Früher mit Kohlebügeleisen; zu meiner Zeit besass die Mutter bereits ein schweres elektrisches Bügeleisen der Marke Jura. Der Dampf wurde mit einem nassen Tuch erzeugt, das zwischen Wäsche und Bügeleisen gelegt werden musste.

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Wahrlich, so ein Waschtag war damals für die Hausfrauen kein Schleck und eine Knochenarbeit. Zum Glück war mein Vater immer für das Wohl seiner Familie bedacht. So überraschte er meine Mutter bald mit einer der ersten automatischen Waschmaschinen, die es bei uns in Schwyz zu kaufen gab und erlöste seine Liebste von der schweren Sklavenarbeit des Waschens von Hand.

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Leider habe ich von der Waschküche im Abegg’schen Hause keine einzige Fotografie gefunden, auch nicht von der Waschmaschine – es wurden halt nur schöne Dinge, Kinder, Mutter, Berge, Blumen usw. von meinem Vater fotografiert. Filme waren zu teuer, um sie an einer Waschküche im Keller zu verschwenden.

Bildquellen
Titelbild: Wäscheleine; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Alte Waschküche; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Alte Waschgeräte; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Kernseife; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Wäschezentrifuge; GNU Free Documentation License, Version 1.2 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Roland_Zumbühl~commonswiki&action=edit&redlink=1
Beitragsbild: Wäschezuber; free Photo von pixabay.com
Beitragsbild: Abegg’sches Haus in Schwyz;Familie Andreas Abegg-Holdener, meine Mutter auf dem Arm ihrer Mutter; Fotograf unbekannt, evtl. Odermatt Brunnen; Familienarchiv Immoos-Abegg
Beitragsbild: Alte automatische Waschmaschine; free Photo von pixabay.com


Links
Die Erfindung der Waschmaschine
Waschtag Wikipedia
Alte Waschmaschinen
Die Abegg von Schwyz (herunterscrollen zu Marie-Agnes Abegg)


English:

02.18.2017

Wash day in the 50’s

I can remember quite well the wash days in my parents‘ house. I often stood, helping but more simply in the way and watching. Wash day was then probably the hardest working day in my mother’s household. Wash day, easy – you will mean. Sort the laundry, open the washing machine, fill the program, set the program, put detergent into the container, press the button, done! It is easy to forget today, or just do not know that housewives were not so easy. My mother did not particularly love the wash day. In the fifties, she had already made some mechanical achievements, which other housewives did not have – even before at all.

My mother was able to call her own house in the Abegg house at the Metzghofstatt – her parents‘ home – a laundry room, which at the same time also had to serve as a bathroom. This, while other women still had to do the laundry in the kitchen or in a garden shed or common wash-house with wooden vaults, even earlier at the village fountain or house fountain. But you should not be too early. Well, the wash and bathroom was in the basement, only with small skylight windows provided and by a narrow, steep wooden stairs accessible. With a laundry room or a bathroom today, it had almost nothing in common.

The equipment of the laundry and bathing room was very Spartan and consisted of a cement floor with a slope to a drain in the middle and whitewashed walls. Of ceramic plates on the walls or on a wall, no trace. Humidity was mostly in the air. Three small daylight windows and an old, white-blue enamelled lamp in the dark caused scanty light. The room was equipped with an ancient, large galvanized sheet metal and copper interior washbasin placed in one corner. Below you could open a door to heat the water in the kettle. At the back a black chimney-tube rose in the air and led into a brick fireplace. The cold water was let in with an extralange, movable water tap.

In this washing machine the laundry had to be boiled and moved again and again. This served a comic instrument. On a broom-style was a galvanized sheet metal ball, more attached to a bicycle. With this instrument, I unfortunately do not know how it was, the cooking clothes had to be moved constantly (one sees it in the first contribution picture in front of the washstand). As a detergent, nuclear soap was used. These soaps were stored in another cellar in a wooden crate. It smelt very good in this room. Depending on the contamination of the laundry, it had to be worked and kneaded on a washboard after the cooking (Fig. 2).

Next to this scrubber was a zinc bathtub with feet and a stopper on a chain to close the drain. From the wash basin, hot water could be drained into the bathtub with a pipeline. The long, mobile cold water tap could also be turned to the tub and provided the right mixing temperature for a bath. On the washing day, however, the wet, washed laundry was temporarily stored in the tub.

In addition to this, a new, technically-mechanical achievement was a copper centrifuge, which could be operated with the pressure of a cold water connection. Today one can see these centrifuges sometimes planted with flowers in old gardens. The washed laundry from the bathtub then came into this centrifuge for dewatering. This saved my mother from the tedious task of turning each piece of furniture individually by the defect (Fig. 2).

The equipment also included different sized galvanized tin washers and various woven baskets (Fig. 2). The laundry detergents also served to soak the laundry before washing. In the wash basins we were also bathed as children, while the bathtub was reserved for the adults. A toilet in this room was looked for in vain. The toilets were located between the floors in the stairwell. The wash baskets were filled with the centrifugal laundry and had to be laboriously carried on the flat roof of the house on four floors and hung there with wooden clamps to dry in the sun. The sun-dried clothes dragged my mother back down a steep, narrow staircase into the living quarters where the tedious ironing work had to be done. Previously, with coal iron, in my day the mother already had a heavy electric iron of the brand Jura. The steam was generated with a wet cloth, which had to be placed between laundry and iron.

Truly, a washing day was no smell and a bony work for the housewives. Fortunately, my father was always looking for the welfare of his family. He soon surprised my mother with one of the first automatic washing machines to be bought by us in Schwyz, and he freed his sweetheart from the heavy slavery of washing by hand.

Unfortunately, I did not find a single photograph of the laundry room in Abegg’s house, not even from the washing machine – only beautiful things, children, mother, mountains, flowers etc. were photographed by my father. Films were too expensive to waste on a laundry room in the basement.


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