Digitale Revolution in der Genealogie / Digital revolution in genealogy

18.03.2017

English text below


Die Genealogie und deren Erforschung hat sich in letzter Zeit gewaltig verändert.

Die Art und Weise wie Ahnenforschung, wissenschaftlicher als Genealogie bezeichnet, betrieben werden musste, hat sich im Laufe der Zeit gewaltig verändert. Die Zeiten, in denen man als Familienforscher, Ahnenforscher, Genealoge in vielen staatlichen, kirchlichen oder privaten Archiven, im In- und unter Umständen auch im Ausland, nach Quellen, Dokumenten und Urkunden, aber auch nach Veröffentlichungen in historischen Büchern, meist von Hand, suchen musste, sind zwar noch nicht vollständig vorbei, können jedoch heute oft um ein Vielfaches durch andere und schnellere Forschungsmethoden ersetzt oder ergänzt werden.

Auch auf die zeitaufwändige und umständliche Fernausleihe von bibliothekarischen Büchern mit entsprechenden historischen Inhalten, kann in vielen Fällen heute verzichtet werden.

Buch Archiv

Geblieben ist jedoch die Tatsache, dass es ohne einige Fertigkeiten und ein gewisses Allgemein- und Fachwissen über die genealogische Arbeitsweise sowie ohne Durchhaltewillen, Forschergeist und ohne eine gewisse Perfektion schwierig wird, qualitativ hochwertige, historisch korrekte und genaue Familienforschung zu betreiben und Chroniken zu verfassen. Ich komme etwas später noch darauf zu sprechen.

Die Zauberworte heissen: Computer, elektronische Textverarbeitung und Datenbanken, Internet und Digitalisierung, zeitlich in dieser Reihenfolge.

Ich erinnere mich gut daran, wie mühsam und aufwändig es in der vorelektronischen Zeit war, seine Vorfahren und in meinem Falle den gesamten Familienstamm Immoos, in den Quellen, in diesem Fall die Kirchenbücher der Pfarreien Morschach, Ingenbohl, Schwyz, auch Steinen und Arth, minutiös herauszusuchen. Dazu musste man zum Glück nicht auch noch in die einzelnen Pfarreiarchive fahren, sondern man konnte alle Bücher zentral im Staatsarchiv Schwyz konsultieren. Dies geschah und geschieht auch heute noch mit Hilfe von Mikrofilmen, auf denen man sequentiell tausende von handschriftlichen Einträgen durchsuchen und entziffern musste/muss.

Hier komme ich nun auf das gewisse Fachwissen und die Fertigkeiten zu sprechen, ohne die es einfach nicht funktionierte – auch heute noch nicht. Man muss nämlich in der Lage sein, die alten Handschriften einigermassen lesen zu können, sonst geht da gar nichts oder nur Fehlerhaftes. Man lernt zwar sehr schnell „by dooing“, es ist aber von Vorteil, sich vor Beginn des Projekts mit diesen alten Schriften und ihren Alphabeten auseinander zu setzen. Hilfestellungen bieten Kurse und/oder Schrifttabellen. Auch die Mitarbeiter der Archive sind behilflich, deren Ressourcen aber beschränkt.

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Weiter ist es unabdingbar, dass man sich mit den Grundlagen von Ahnentafeln, Stammbäumen, Nachfahrentafeln und der Kekule-Numerierung auskennt. Notwendig sind auch gewisse lokalhistorische Kenntnisse sowie Wissen über soziokulturelle Gegebenheiten und Vorlieben, wie zum Beispiel die Vergabe von Vornamen und deren alte Schreibweisen, Kurz- und Koseformen in einer Region. Wichtig sind auch Kenntnisse oder Tabellen und Lexikas von alten Berufsbezeichnungen, Krankheitsbezeichnungen und verschiedene genealogische Begriffe in lateinischer Sprache, da diese laufend in den Kirchenbüchern auftauchen und man sonst falsche oder fehlerhafte Ergebnisse bekommt (heute im Netz alles kein Problem).

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Hatte man endlich Erfolg und fand man die gesuchten Probanden, begann die schriftliche Arbeit. Man musste die Ergebnisse von Hand in Karteikarten oder Familienblätter eintragen, welche dann zu Hause meistens mit der Schreibmaschine rein geschrieben wurden. Korrekturen machte man mühsam mit Radiergummi oder Tippex. Geordnet wurde nach Stammnummern, Kekulenummern oder Familienstämmen. Ich will nicht mehr länger von den alten Methoden schreiben, denn nun kamen die oben genannten Veränderungen, die ich am eingenen Genealogenleib erleben durfte.

FamilyTree Bild

 

Neue Techniken und Methoden erleichterten zusehends die Arbeit von uns Genealogen. Die Computer waren plötzlich auch für normale Leute erschwinglich. Textverarbeitung und Datenbanken waren elektronisch möglich, Korrekturen und das Suchen einfacher geworden. Die Drucker erledigten die Schreibarbeit fast wie von alleine. Schon bald kamen Datenbankprogramme für Genealogen auf den Markt. Das Internet boomte plötzlich. Die Digitalisierung schritt in riesigen Schritten voran. Unzählige genealogische Plattformen eroberten den grossen, neuen Markt. Auf diese Plattformen können Private ihre Stammbäume und Ahnentafeln hochladen und öffentlich oder nur für die Mitglieder der Plattform teilen. Mit der Zeit erschienen auch tausende von privaten genealogischen Websites auf dem Netz und Google sei Dank, konnten alle schnell nach den eigenen Forschungsgebieten und Namen durchsucht werden. Einiges ist gratis, vieles ist mit Abonnementskosten verbunden. Vorsicht ist zwar geboten, denn nicht alles im Netz ist wahr und der Fehlerteufel wütet auch im Internet. Genealogie wurde dadurch bequemer und schneller, daran gibt es keinen Zweifel.

Alois Immoos-1882

In neuester Zeit schreitet die Digitalisierung nun soweit voran, dass vielerorts die Kirchenbücher und andere primäre genealogische Quellen von den Archiven direkt digitalisiert und ins Netz gestellt oder intern in den Archiven auf speziellen Computern angeboten werden (z.B. Staatsarchiv Bern). Auch andere Kantone folgen, so z. B. Appenzell Ausserrhoden und andere. Der Kanton Schwyz hat eine Plattform mit Grafika, Fotosammlung und Gerichtsprotokollen, die Kirchenbücher sind leider noch nicht dabei. Dies ist eine grosse Hilfe für alle Genealogen, die auf der Suche nach Geburts- (Tauf-), Heirats- und Sterbedaten aus Originalquellen sind. Damit lassen sich auch die vielen im Netz erlangten „unsicheren“ Datensätze überprüfen. In der Schweiz beginnt diese Digitalisierung erst, während in Deutschland, Österreich und Tschechien schon grosse Bestände online sind.

Kirchenbuch Herisau

Ein „El Dorado“ für Ahnenforscher ist das zwar. Erfahrung und Wissen ersetzt die Digitalisierung allerdings nicht, wie oben schon beschrieben wurde. Manchmal kommt man halt nicht darum herum, ein Archiv mit Experten aufzusuchen und den professionellen Rat beizuziehen.

Fazit: Ahnenforschung ist einfacher und schneller geworden. Qualität erreicht man jedoch immer noch nur mit Fachwissen, Fertigkeiten, Präzision und genauer Prüfung aller Daten.

Bildquellen:
Titelbild: Digitalisierung Genealogie; Fotocomposing RI mit free Photos von pixabay.com
Beitragsbild: Archiv, Bibliothek; Fotocomposing RI mit free Photos von pixabay.com
Beitragsbild: Alte Schrift Sütterlin; free Photos von pixabay.com
Beitragsbild: Tasten Continental Schreibmaschine; Foto: Ruedi Immoos
Beitragsbild: Titelbildschirm Mac FamilyTree; Sreenshot RI
Beitragsbild: Grafische Ahnentafel, erstellt mit Mac FamilyTree RI
Beitragsbild: Kirchenbuch Herisau; Screenshot Plattform Staatsarchiv Appenzell (AR)

Links:
Genealogie Plattformen


English:

03.18.2017

Digital revolution in genealogy

The genealogy and its research has changed enormously in recent times.

The way in which ancestral research was described, more scientifically than genealogy, has changed enormously over the course of time. The times when, as a family researcher, ancestor researcher, genealogist in many state, church or private archives, at home and under certain circumstances also abroad, according to sources, documents and documents, as well as publications in historical books, were not yet completely over, but today they can often be replaced or supplemented by other and faster research methods.

It is also possible to dispense with the time-consuming and cumbersome remote lending of bibliographic books with corresponding historical contents.

However, the fact remains that it is difficult to carry out high-quality, historically correct and accurate family research, and to compile chronicles, without a few skills and a certain general and expert knowledge of the genealogical way of working as well as without perseverance, researcher spirit and without a certain perfection. I will come back a little later.

The magic words are: computer, electronic word processing and databases, internet and digitization, in time in this order.

I remember well how painstaking and elaborate it was in the pre-electronic era, his ancestors and, in my case, the entire family tribe of Immoos, in the sources, in this case the church records of the parishes Morschach, Ingenbohl, Schwyz, also Steinen and Arth. Fortunately, you did not have to go to the individual archives, but you could consult all the books centrally in the State Archives Schwyz. This was and still happens today with the help of microfilms, on which one had to search and decipher thousands of handwritten entries.

Here I come now to the certain expertise and the skills to speak without which it just did not work – even today. One must be able to read the old manuscripts to some extent, otherwise there is nothing or only faulty. You learn very quickly „by dooing“, but it is an advantage to deal with these ancient writings and their alphabets before starting the project. Aids provide courses and / or writing tables. The archives also help, but their resources are limited.

Furthermore, it is essential to know the basic principles of ancestor plates, trunk trees, descendants and the number of the kekule. Also necessary are certain local historical knowledge as well as knowledge about sociocultural circumstances and preferences, such as the allocation of first names and their old spellings, short forms and forms of expression in a region. Also important are knowledge or tables and lexicons of old occupational names, names of diseases, and various genealogical terms in Latin, as they are constantly published in the church books, otherwise wrong or incorrect results are obtained.

If one had finally succeeded and found the wanted subjects, began the written work. The results had to be entered manually in card types or family sheets, which were then typed in at home with a typewriter. Corrections were made with eraser or Tippex. It was arranged according to the number, the number of the kebler or the family. I do not want to write more of the old methods, because now the above-mentioned changes, which I was able to experience at the same genealogical body.

New techniques and methods made the work of genealogists much easier. The computers were suddenly affordable for normal people as well. Text processing and databases were electronically possible, corrections and searching became easier. The printers did almost the same work. Database programs for genealogists were soon launched. The Internet was booming. Digitization has advanced enormously. Countless genealogical platforms conquered the big new market. On these platforms, Private can upload their parent trees and ancestor panels, and share them publicly or only for members of the platform. Over time, thousands of private genealogical sites appeared on the web, and thanks to Google, they were quickly searched for their own research areas and names. Some are free, much is associated with subscription costs. Caution is offered, because not everything in the net is true and the error rages also in the Internet. Genealogy became more convenient and faster, there is no doubt about it.

In recent times, digitization has advanced so far that in many places the church books and other primary genealogical sources are digitized directly from the archives and put into the net or offered internally in the archives on special computers (for example, the Staatsarchiv Bern). Other cantons also follow, such as Appenzell Ausserrhoden and others. The canton of Schwyz has a platform with grafics, collection of photos and court logs, unfortunately the church books are not yet there. This is a great help for all genealogists, who are looking for birth (baptism), marriage and deathbeds from original sources. This can also be used to check the many „unsafe“ data records obtained in the network. In Switzerland, this digitization begins only while in Germany, Austria and the Czech Republic already large stocks are online.

An „El Dorado“ for an ancestor is indeed. However, experience and knowledge do not replace digitization, as has already been described above. Sometimes you do not get around to go to an archive with experts and to consult the professional advice.

Conclusion: Ancestral research has become easier and faster. However, quality can still be achieved only with expert knowledge, skills, precision and accurate examination of all data.


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Allgemeiner Genealogie + Foto Blog der Immoos-Website